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       # taz.de -- Opposition zur Erbschaftsteuerreform: Großer Murks statt großer Wurf
       
       > Das Verfassungsgericht wird die Neuregelung stoppen, glauben Grüne und
       > Linke. Die Grünen könnten das im Bundesrat auch selbst erledigen.
       
   IMG Bild: Jetzt also doch zusätzliche Ausnahmen für Firmenerben? Das gefällt den Linken und Grünen gar nicht
       
       Berlin taz | Ursprünglich wollte Bernd Riexinger, Vorsitzender der
       Linkspartei, seinen Kollegen Sigmar Gabriel von der SPD am Montag
       ausnahmsweise mal loben. Aber dann das: die Erbschaftsteuerreform, auf die
       sich die Koalition in letzter Minute geeinigt hat. „Dass Gabriel sich
       darauf eingelassen hat!“, meint Riexinger verblüfft-empört.
       
       Dabei hatte der SPD-Vorsitzende in seinem Spiegel-Kommentar am Wochenende
       noch die zunehmende Ungleichheit gegeißelt und zu einem Mitte-links-Bündnis
       aufgerufen – wie es die Linksparteiführung gern schmieden würde.
       
       Doch die Reform der Erbschaftsteuer, auf die sich die Große Koalition
       geeinigt habe, privilegiere die reichen Erben, so Riexinger, während die
       Lohnsteuerzahler weiterhin die Hauptlast tragen müssten. Nichts mit
       Umverteilung also. „Das ist ein Skandal und eine Frechheit“, sagt
       Riexinger. Er glaube nicht, dass die Reform vor dem
       Bundesverfassungsgericht Bestand haben werde.
       
       Dieses hatte 2014 die Privilegien für Firmenerben als zu weitgehend gekippt
       und der Regierung eine Frist bis zum 30. Juni 2016 gesetzt, eine
       verfassungskonforme Lösung zu erarbeiten.
       
       ## Vermögende Firmenerben zur Kasse bitten
       
       Auch die grüne Finanzexpertin im Bundestag, Lisa Paus, denkt nicht, dass
       die jetzt gefundene Regelung diesem Anspruch gerecht wird. „Das wird
       definitiv vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern“, meint Paus und nennt
       den Entwurf „einen großen Murks“, würden doch jetzt sogar zusätzliche
       Ausnahmen für Firmenerben eingeführt.
       
       Bevor es zu einer erneuten Klage vor dem Bundesverfassungsgericht kommt,
       haben es allerdings die Grünen selbst in der Hand, das Gesetz zu stoppen.
       Im Bundesrat nämlich. Bei den Grünen tobt jedenfalls eine Debatte, ob man
       jetzt zustimmt – und damit für den Großteil der Betriebe, die gar nicht
       betroffen wären, Sicherheit schafft – oder einen neuen Anlauf nimmt. Paus
       neigt zu Letzterem: „Wir appellieren an die Länder, nicht zuzustimmen.
       Rechtssicherheit gilt ja nur für eine kurze Zeit – bis zur nächsten Klage.“
       
       Die grünen Finanzministerinnen aus Schleswig-Holstein und Bremen haben
       bereits ihre Ablehnung öffentlich gemacht. Spannend wird das Verhalten von
       Baden-Württemberg.
       
       Riexinger kündigte schon mal an, dass man im Falle eines rot-rot-grünen
       Regierungsbündnisses vermögende Firmenerben umgehend zur Kasse bitten
       würde: „Ohne eine vernünftige Erbschaft- und Vermögensteuer kann ich mir
       kein solches Bündnis vorstellen.“
       
       21 Jun 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Lehmann
       
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