# taz.de -- Erneuerbare-Energien-Gesetz: Eine Zonengrenze teilt Deutschland
> Im Norden soll der Ausbau der Windenergienutzung stark gebremst werden.
> Die Regierung begründet das mit Engpässen im Stromnetz.
IMG Bild: Sie liegen in der Südzone: Windkraftanlagen in Hessen
Freiburg taz | Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) teilt Deutschland beim
Ausbau der Windkraft künftig in zwei Zonen. In Zone 1 – das ist vor allem
der Süden, der Osten und der äußerste Westen – soll es keine speziellen
Einschränkungen für den Zubau geben. In Zone 2 hingegen wird der Neubau auf
maximal 60 Prozent jener Leistung limitiert, die im Mittel der
zurückliegenden drei Jahre realisiert wurde. Die Bundesregierung begründet
den Schritt mit Engpässen im Stromnetz.
Grundsätzlich war der spezielle Deckel für den Norden bereits in der
vergangenen Woche im Zusammenhang mit dem EEG-Bund-Länder-Kompromiss
bekannt geworden; nun berichtete der Spiegel über den Zuschnitt der Zonen.
Danach umfasst das Gebiet mit dem Limit Schleswig-Holstein, weite Teile
Niedersachsens ohne den äußersten Südwesten, einen Streifen im östlichen
Nordrhein-Westfalen sowie Nord- und Mittelhessen.
Also ist zum Beispiel in Schleswig-Holstein, wo zuletzt am meisten Anlagen
errichtet wurden, nur noch ein jährlicher Zubau von gut 600 Megawatt
erlaubt. Im Jahr 2015 lag der Zubau noch bei 888 Megawatt.
Dennoch wird die neue 60-Prozent-Grenze womöglich weniger Bedeutung haben
als die grundsätzliche Deckelung der Windkraft durch das neue EEG. Nachdem
der Zubau im Mittel der vergangenen drei Jahre bundesweit bei gut 3.800
Megawatt lag, sollen künftig pro Jahr nur noch 2.800 Megawatt per
Ausschreibung zugelassen werden. So ergibt sich ohnehin bundesweit eine
Beschränkung auf 73 Prozent der bisherigen Bautätigkeit.
Mit der regionalen Differenzierung erkennt das EEG erstmals an, dass es
zunehmend Probleme gibt, den Windstrom aus dem Norden nach Süden und Westen
zu transportieren. Experten fordern seit Langem, den bislang einheitlichen
deutschen Großhandel in zwei Preiszonen aufzuspalten.
Auch die EU-Kommission prüft bereits, ob ein solcher Schritt nötig ist.
Dieser würde das Ungleichgewicht zwischen Nord und Süd marktwirtschaftlich
ausgleichen: In der nördlichen Zone würde der Strompreis im Großhandel
weiter sinken, einige Kohlekraftwerke dürften deshalb ihre Produktion
zurückfahren – und damit Platz schaffen in den Leitungen.
6 Jun 2016
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DIR Bernward Janzing
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