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       # taz.de -- Vorwürfe gegen Verleger-Gattin: Panama ist auch in Spanien
       
       > Spanische Medien brachten die Frau eines Verlegers mit Steuerbetrug in
       > Verbindung. Der Verleger reagiert auf die unbequemen Berichte mit
       > Entlassungen.
       
   IMG Bild: Der spanische Verleger verbietet seinen Angestellten unter anderem, in Talkshows zu sprechen
       
       Juan Luis Cebrián, Chef der spanischen Medienholding Prisa, schlägt wild um
       sich: Auf Berichte, dass seine Exfrau in den Panama-Papieren erwähnt wird,
       reagiert Cebrián, zu dessen Unternehmen auch die größte spanische
       Tageszeitung El País und Cadena Ser, der populärste Radiosender des Landes,
       gehören, mit Entlassungen und Verboten.
       
       Cebriáns Exfrau besaß ein Unternehmen im Steuerparadies Seychellen, als sie
       noch mit ihm zusammenlebte. Darüber berichteten der private TV-Sender La
       Sexta und die Onlinemedien El Confidencial und eldiario.es. Diese drei
       Medien verklagte Cebrián nun wegen „übler Nachrede“. Er verbot Journalisten
       seiner Medienholding, an politischen Talkshows bei La Sexta teilzunehmen.
       Und Cebrián zwang die Redaktion von Cadane Ser, Ignacio Escolar zu feuern,
       den Chef von eldiario.es, der dort seit 2006 an Radiodebatten teilnimmt.
       
       Doch die drei Medien recherchieren weiter. Sie befragten Cebriáns Exgattin,
       die von den Investitionen nichts gewusst haben will: Die Geschäfte hätten
       Cebrián und sein Umfeld getätigt. Eldiario.es stieß auch auf Cebriáns
       2-prozentige Beteiligung an der Ölfirma Star Petroleum aus Luxemburg, die
       im Südsudan tätig ist und dem iranischen Unternehmer Massoud Farshad Zandi
       gehört. Der unterhält eine Stiftung zur interreligiösen Verständigung, die
       unter anderem von Cebrián unterstützt wird. Zandi schenkte Cebrián die
       Anteile im Wert von über 9 Millionen Euro.
       
       Auch im November 2015 wütete Verleger Cebrián – als die New York Times über
       den Zustand der Presse in Spanien berichtete: Einige Journalisten
       kritisierten die Abhängigkeit spanischer Medien von Banken sowie die
       zunehmende Gängelung durch Chefredakteure und Verleger. Zu Wort kam auch
       ein bekannter Kolumnist von El País. Er wurde sofort entlassen – und die
       Medienholding Prisa stellte die Zusammenarbeit mit der New York Times ein.
       
       9 May 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Reiner Wandler
       
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