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       # taz.de -- Der V-Mann und der NSU: Das Rätsel „Primus“
       
       > Der NSU-Ausschuss im Bundestag hält die Rolle des einstigen V-Manns, der
       > Mundlos beschäftigt haben soll, für dubios. Nun sollen alle Akten her.
       
   IMG Bild: Soll alle Akten zum V-Mann „Primus“ rausrücken: Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen
       
       Berlin taz | Der Fall des früheren Zwickauer V-Manns Ralf Marschner im
       NSU-Komplex wirft weiter Fragen auf. Der NSU-Ausschuss im Bundestag
       forderte am Donnerstag alle Akten der Sicherheitsbehörden zu Marschner an.
       Zudem soll dessen früherer V-Mann-Führer vorgeladen werden.
       
       Zuletzt hatten [1][Berichte] für Aufsehen gesorgt, dass Marschner – eine
       einstige Neonazigröße und als V-Mann „Primus“ für den
       Bundesverfassungsschutz tätig – zwischen 2000 und 2002 Uwe Mundlos unter
       einem Tarnnamen in seiner Abrissfirma beschäftigt habe – während der
       Untergrundzeit des NSU-Trios. Dieser Tage wurde ein Bauleiter, der Mundlos
       erkannt haben will, deshalb von Ermittlern befragt. Vertreter von BKA,
       Verfassungsschutz und Bundesanwaltschaft berichteten dem Ausschuss darüber.
       
       „Für gelöst halte ich den Fall weiter nicht“, sagte CDU-Obmann Armin
       Schustern nach der Unterrichtung. Auch Linkspartei-Obfrau Petra Pau
       betonte, der Sache müsse „weiter ernsthaft nachgegangen werden“.
       
       ## Die ominöse „Spur 95“
       
       Ermittler hatten bereits früh eine Verbindung von Marschner zum NSU
       geprüft. Schon am 11. November 2011, eine Woche nachdem Beate Zschäpe den
       letzten NSU-Unterschlupf in Zwickau niederbrannte, wurde in den Akten eine
       „Spur 95“ zu Marschner angelegt. Ermittler sprachen in früheren Sitzungen
       des NSU-Ausschusses auch von einem „Hinweis“ oder „Schriftstück“, das sich
       im Brandschutt der letzten Wohnung fand.
       
       Das wird von den Ermittlungsbehörden inzwischen zurückgewiesen. Zu
       Marschner sei damals lediglich eine Anfrage des BKA an das LKA Sachsen
       erfolgt. Verbindungen zum NSU-Trio seien dabei nicht festgestellt worden.
       Warum das BKA aber ausgerechnet nach Marschner fragte, bleibt unklar.
       
       Tatsächlich erfolgte im Dezember 2011 ein erster Hinweis auf einen
       NSU-Bezug Marschners. Ein früherer Geschäftspartner behauptete, den Neonazi
       zu Pfingsten 1998 mit Mundlos und Uwe Böhnhardt bei einem Thüringer
       Fußballturnier gesehen zu haben – wenige Wochen nachdem beide mit Zschäpe
       untergetaucht waren. Ein weiterer Geschäftspartner gab später an, auch
       Zschäpe als Mitarbeiterin in einem Geschäft mit Szenemode von Marschner
       gesehen zu haben.
       
       ## Ermittlungsbehörden weisen Verdacht zurück
       
       Die Ermittlungsbehörden sehen diese Verdachtspunkte als unbestätigt an. Es
       gebe „bislang keinerlei Anhaltspunkte“, dass NSU-Mitglieder bei Marschners
       Unternehmen beschäftigt waren, sagte eine Sprecherin der
       Bundesanwaltschaft. Nach taz-Informationen hatte das BKA Mitarbeiter von
       Marschners Baufirma bereits vor längerer Zeit befragt: ohne Ergebnis. Auch
       dem Hinweis auf Zschäpe waren die Ermittler nachgegangen. Hier nur mit dem
       Resultat, dass die Untergetauchte womöglich mal Kundin in Marschners Laden
       war
       
       Für den NSU-Ausschuss bleiben dennoch Fragen offen. Auch mehrere Anwälte
       der Opfer-Familien beantragten diese Woche im Münchner NSU-Prozess,
       Marschner dort vorzuladen. Die Vorgänge müssten „umfassend aufgeklärt“
       werden, statt wie bisher V-Leute „systematisch aus der Anklage
       herauszuhalten“, teilten die Anwälte mit.
       
       14 Apr 2016
       
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