URI:
       # taz.de -- Tschechischer Expräsident berät die AfD: Václav Klaus kuschelt mit Frauke Petry
       
       > Der Expräsident schwingt sich gerne zum Retter des Abendlandes auf. Dafür
       > zieht der erklärte Putin-Freund an der Seite der AfD ins Feld.
       
   IMG Bild: Václav Klaus (M.) neben Frauke Petry (l.) und Uwe Junge (r.) während einer AfD-Wahlkampfveranstaltung
       
       Prag taz | Verlegen ist ein Václav Klaus nie. Auch nicht um die eine oder
       andere Anekdote. Wie er denn nur auf einer Veranstaltungen der Faschisten
       von der AfD reden könnte, habe ihn die polnische Botschafterin gefragt, gab
       Klaus jüngst bei einer Veranstaltung zum Besten. Dass die AfD Faschisten
       seien, wüsste die Diplomatin aus der Zeitung, erklärte Tschechiens
       Expräsident mit herablassenden Ton seinen Getreuen bei einem Seminar seines
       Václav Klaus Instituts.
       
       Lügenpresse überall: „Die Menschen in Europa sind heutzutage fast so stark
       reguliert, manipuliert und indoktriniert, wie wir in der späteren
       kommunistischen Ära gewesen sind“, hatte Klaus nur ein paar Tage zuvor auf
       dem Wahlkampfabschluss der rheinland-pfälzischen AfD in Neuwied verkündet.
       Bei der AfD ist Klaus schon länger gerne zu Gast.
       
       Mal gibt er seine Anekdötchen im kleinen Kreis mit Frauke Petry in München
       zum Besten, ein anderes Mal beschwört er den Kampf um „Freiheit und
       Demokratie“ in Europa bei einer AfD-Konferenz zur EZB in Frankfurt.
       
       Denn um nichts anderes, so wird er nicht müde zu beteuern, geht es dem
       74-Jährigen, der 1997 nach einer Parteispendenaffäre als Ministerpräsident
       geschasst, sechs Jahre später aber mit Hilfe der Kommunistischen Partei zum
       Präsidenten gewählt wurde.
       
       ## „Postdemokratie“
       
       „Wir befinden uns nicht in einer normalen Situation“, begründete Klaus vor
       den AfD-Delegierten in Neuwied, warum er plötzlich in Deutschland Wahlkampf
       mache. Zurück in Tschechien sprach er Tacheles: Wieder gehe von Deutschland
       eine Gefahr aus, weil Kanzlerin Angela Merkel die Massenmigration
       unterstütze, sagte Klaus: „Deutschland ist wieder zum Schlachtfeld Europas
       geworden.“
       
       Doch es ist nicht nur das edle Gefühl des Widerstands gegen all das, was
       Klaus als „Postdemokratie“ bezeichnet. Er beschwört ein Europa, das ob
       seiner wirtschaftlichen Probleme von jeder Migrationswelle ein Stückchen
       mehr über den Rand geschubst wird. Und dabei gefangen ist im Netz der
       eigenen Political Correctness.
       
       Nein, es ist auch Klaus der Wirtschaftsprofessor, der sich in der AfD
       endlich unter Seinesgleichen fühlt. Klaus ist ein glühender Anhänger des
       Wirtschaftsliberalen Friedrich August von Hayek. Und gern gesehener Gast
       bei der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft, in der Beatrix von Storch
       und AfD-Rising-Star Alice Weidel Mitglieder sind.
       
       Im eigenen Land ist sein Stern längst gesunken. Die letzte politische
       Partei, die Klaus in Tschechien offen unterstützte, schaffte es bei den
       Wahlen nicht einmal über die Fünfprozenthürde. Dafür hat Václav Klaus in
       der AfD endlich Zuhörer gefunden, die seine Theorien der -ismen (ob
       „Europä-ismus“, Ökolog-ismus“ NGO-ismus usw.), als Bedrohung der freien
       Gesellschaft, gebührend bewundern.
       
       ## Diener Putins
       
       Hartnäckig aber halten sich die Gerüchte, Václav Klaus, der selbsternannte
       Elder Statesman des Freien Europa, halte enge Beziehungen zum Kreml. Schon
       2007 wurde Václav Klaus, der durch seine Kritik an EU und Euro von sich
       reden machte, von Wladimir Putin mit der Puschkin-Medaille für seine
       Verdienste um die russische Kultur ausgezeichnet.
       
       Für Sabina Slonková, investigative Journalistin, die sich auf prorussische
       Seilschaften in der Tschechischen Republik spezialisiert hat, gilt Václav
       Klaus als Diener Putins. „Klaus war lange Jahre eine der wichtigen
       Staatsmänner eines demokratischen Staates und seine Erklärungen werden von
       Putins Propaganda innerhalb Russlands genutzt“, schreibt Slonková auf ihrer
       Website neovlivni.cz.
       
       Russland, so der tschechische Außenminister Lubomír Zaorálek, schleuse über
       die Nord-Route Flüchtlinge nach Westeuropa ein, um die EU zu
       destabilisieren. In wessen Interessen also handelt Klaus, wenn er in
       München, Frankfurt oder Neuwied die Migration nach Deutschland anprangert?
       
       Klaus verfügt durchaus über einen direkten Draht nach Moskau. Zum Beispiel
       über den Unternehmer Alexandr Rebjonok. Der Russe, der in den 1970er Jahren
       nach Westböhmen zog, um eine leitende Funktion in den dortigen Uranminen,
       gern genutzt als Straflager für Politische, einzunehmen, gilt schon lange
       als Vertrauter von Václav Klaus. Der musste als Präsident, auf dringendes
       Anraten des tschechischen Geheimdienstes, einmal einen Urlaub bei Rebjonok
       abbrechen.
       
       ## Der AfD die Stange halten
       
       Doch bis heute trifft sich Klaus mit dem Russen, der in Karlsbad eines der
       luxuriösesten Hotels der Kurstadt besitzt, samt Golfkurs. Über seine
       Unterstützung Russlands macht Václav Klaus keinen Hehl.
       
       Für die Situation in der Ukraine, so sagt Klaus immer wieder, könne Putin
       nichts. „Schuld daran sind die Genossen aus Westeuropa und den USA“, meint
       Klaus. Nicht überall ist diese Meinung so willkommen wie bei der AfD, die
       laut dem Exvorsitzenden Bernd Lucke ein „Putin-Problem“ hat.
       
       Das neoliberale amerikanische Cato-Institut hat die Zusammenarbeit mit
       Václav Klaus eingestellt. Was bleibt, ist die AfD. Der will Klaus die
       Stange halten, wie er in der tschechischen Tageszeitung Lidové noviny stolz
       erklärte: „Der AfD habe ich bewusst und gerne geholfen. Und wenn von ihrer
       Seite her Interesse besteht, dann werde ich das auch weiter tun.“ Denn
       verlegen war ein Václav Klaus noch nie.
       
       21 Mar 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Alexandra Mostyn
       
       ## TAGS
       
   DIR Vaclav Klaus
   DIR Schwerpunkt AfD
   DIR Wladimir Putin
   DIR Tschechien
   DIR Vaclav Klaus
   DIR Vaclav Klaus
   DIR Volkspartei
   DIR Frauke Petry
   DIR Visegrad-Gruppe
   DIR Visegrad-Gruppe
   DIR Islamophobie
   DIR Tschechien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Populismus in Schweden: Ein bisschen hetzen im Grand Hotel
       
       Vertreter rechtslastiger Parteien in Europa treffen sich in Stockholm.
       Indirekt finanziert wird die Veranstaltung auch mit Geldern der EU.
       
   DIR Rechte in Tschechien: Sammelbecken für Islamhasser
       
       Nach dem Vorbild der AfD gründet sich eine „Alternative für Tschechien“.
       Die Partei will im nächsten Jahr bei der Parlamentswahl antreten.
       
   DIR Essay Ende der Volksparteien: Der misstrauische Souverän
       
       Die Welt erklären, das Richtige entscheiden: Immer weniger Wähler trauen
       den etablierten Parteien das zu. Wie konnte es dazu kommen?
       
   DIR Gescheiterte Interviews mit AfD-Chefin: Frauke Petry attackiert Dunja Hayali
       
       Zweimal klappte das Interview im ZDF-Morgenmagazin nicht. Nun sagte Petry,
       sie habe eh kein Interesse mehr, Moderatorin Hayali sei mehr Aktivistin als
       Journalistin.
       
   DIR Visegrad-Länder in der Flüchtlingskrise: Die EU soll in Ungarn enden
       
       Die Visegrad-Gruppe bekennt sich zum Abkommen mit der Türkei, um die Zahl
       der Flüchtlinge zu verringern. Am meisten ging es aber um den Plan B.
       
   DIR Kommentar Visegrad-Treffen: Mitteleuropa hat Angst
       
       Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei wollen keine europäische Quote
       für Flüchtlinge. Die Visegrad-Gruppe wird zum Spaltpilz der EU.
       
   DIR Pegida-Demonstration in Prag: Das Eurovision der Islamhasser
       
       4.000 Menschen sind zur Pegida-Demo in Prag erschienen. Die Redner lassen
       auf dem Podium ihren Bedrohungsfantasien freien Lauf.
       
   DIR Ende einer Ära in Tschechien: Václav Klaus macht das Licht aus
       
       24 Jahre hat der Liberale die Politik mitgeprägt. Beobachter ziehen eine
       kritische Bilanz seines Wirkens. Jetzt wird Klaus auch noch wegen
       Hochverrat angeklagt.