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       # taz.de -- Acht Tipps zum Umgang mit der AfD: Schnappatmung hilft nicht
       
       > Die AfD sitzt jetzt in acht Landtagen. Was tun? Ein paar Anregungen für
       > eine selbstbewusste Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus.
       
   IMG Bild: Zu verschlafen für‘s ZDF-„Morgenmagazin“? Co-AfD-Chefin Frauke Petry bei einer Pressekonferenz am 14. März in Berlin
       
       Ausgrenzen? Diffamieren? Streiten? Im Umgang mit der AfD lief in den
       vergangenen Monaten vieles schief. Jetzt, wo sie in acht Landtagen sitzt,
       ist klar: Weder Totstellen noch Schnappatmung helfen weiter. Acht
       Anregungen für die Auseinandersetzung mit der Partei und den Versuch, den
       demokratischen Teil ihrer WählerInnen zurückzugewinnen:
       
       1. Nazikeule wegstellen 
       
       Die AfD ist eine Partei mit einem breiten Meinungsspektrum, das vom
       wirtschaftsliberalen Konservatismus eines Jörg Meuthen bis zum völkischen
       Nationalismus eines Björn Höcke reicht. Manche Positionen sind rassistisch
       und rechtsextrem, aber nicht alle. Einige in der Partei arbeiten im Sinne
       der Neuen Rechten daran, die Partei zum Transmissionsriemen zwischen
       Konservatismus und Rechtsextremismus zu machen. Andere aber wünschen sich
       schlicht die Union der achtziger Jahre zurück. Wer die Mitglieder und
       Wähler der AfD pauschal als Nazis tituliert, verharmlost nicht nur den
       Nationalsozialismus und seine modernen Fans. Er macht es den AfD-Anhängern
       auch leicht, sich der Auseinandersetzung mit dem Hinweis zu entziehen, ihre
       Kritik werde pauschal diffamiert.
       
       2. Inhaltlich diskutieren 
       
       Die Weigerung der anderen Parteien, mit Spitzenpolitikern der AfD zu
       diskutieren, war zwar sympathisch, aber falsch. Sie bestärkte das Bild, das
       viele AfD-AnhängerInnen ohnehin haben: Die etablierten Parteien würden
       sich, aus Arroganz oder Hilflosigkeit, der Auseinandersetzung mit den
       Positionen der AfD entziehen. Das befeuerte nicht nur die antielitäre Wut
       vieler AfD-Anhänger, es ließ die Parteispitze auch mit ihren einfachen
       Antworten durchkommen. Erfolgversprechender: Argumentativ gut vorbereitet
       in die inhaltliche Auseinandersetzung ziehen und dabei den eigenen Standort
       stark machen. So wie es der Grüne Volker Beck im Gespräch mit Frauke Petry
       bei Phoenix vorgemacht hat. Dann zeigt sich schnell, dass die AfD auf viele
       Fragen keine Antworten hat.
       
       3. In Talkshows cool bleiben 
       
       Ob Petry, Meuthen oder Beatrix von Storch – jeder aus der AfD-Spitze war in
       den letzten Wochen mehrfach in den großen Fernsehtalkshows zu Gast. Dort
       standen dann meist nicht die anberaumten Sachthemen im Vordergrund, sondern
       die kalkulierten Provokationen der AfD. An ihnen arbeitete sich die Runde
       mal mehr, mal weniger verzweifelt ab. Das Ergebnis: viel Redezeit und
       Aufmerksamkeit für die AfD, wenig Erkenntnisgewinn, wie die Teilnehmer der
       Runde etwa die Flüchtlingspolitik gestalten wollen.
       
       4. Grenzen aufzeigen 
       
       Die AfD betont gern, eine bürgerliche Partei zu sein, die nichts mit
       Rechtsextremismus zu tun habe. Immer wieder aber werden Kontakte zum
       rechten Rand und entsprechende Äußerungen bekannt. Die rassistische Rede
       über vermeintliche afrikanische und europäische Reproduktionsstrategien,
       die Höcke bei der Denkfabrik der Neuen Rechten in Schnellroda gehalten hat,
       ist die bekannteste davon. Das war kein Ausrutscher, sondern ist fester
       Bestandteil der Partei – der der AfD auch Wählerstimmen aus dem
       NPD-Spektrum einbringt. Die Parteispitze distanziert sich mal persönlich
       von solchen Äußerungen, mal unterstellt sie, es seien Missverständnisse
       oder böswillige Falschmeldungen. Konsequenzen zieht sie nicht. Wer aber
       Höcke und Konsorten unwidersprochen krude und demokratiefeindliche Dinge
       erzählen lässt, darf sich nicht unwidersprochen als bürgerliche Partei
       bezeichnen.
       
       5. Differenziert argumentieren 
       
       Auf komplizierte Probleme gibt es keine einfachen Antworten. Populismus
       lässt sich nicht mit Populismus bekämpfen, sondern verschärft dessen
       Wirkung nur. Wer, wie CSU-Chef Seehofer, in der Migrations- oder
       Sicherheitspolitik populistische Lösungen anbietet, die sich nicht umsetzen
       lassen, betreibt das Geschäft der AfD und feuert eine ohnehin schrille
       Debatte weiter an. Und warum sollte man die Kopie wählen, wenn man auch das
       Original haben kann? Die AfD liegt in Umfragen in Bayern derzeit bei 9
       Prozent. Die AfD-Wahlergebnisse am Wochenende haben alle Umfragewerte
       deutlich überholt.
       
       6. Politische Profile schärfen 
       
       Unter Merkel als Kanzlerin ist der Republik der politische Streit
       abhandengekommen. Merkel hat die Union in die Mitte gerückt und ihre
       Politik als „alternativlos“ dargestellt, die SPD hat mitgemacht. Beide
       Parteien sind immer schwerer zu unterscheiden, und inzwischen betet gar der
       grüne Landesvater Kretschmann für die Kanzlerin. In der Mitte ist es eng
       geworden, am Rand ist Platz. Für den Streit, den eine lebendige Demokratie
       braucht, sorgen derzeit allein die schrillen Töne der AfD. Das muss sich
       ändern.
       
       7. Rassismus widersprechen 
       
       Thilo Sarrazin und seine menschenverachtenden Thesen, die er als
       vermeintliche Fakten mit dem Gestus des Tabubruchs vorgebracht hat, waren
       eine Art Ouvertüre für die AfD. Seitdem sind Rassismus und
       Islamfeindlichkeit in die Gesellschaft eingesickert, bis weit in die
       bürgerliche Mitte hinein. Heute darf vieles widerspruchslos gesagt werden,
       was vor Jahren noch gesellschaftlich geächtet war. In diesem Klima gedeiht
       die AfD prächtig – und heizt es weiter an. Rassismus aber bleibt, auch wenn
       er als Bürgersorge vorgetragen wird: Rassismus. Und muss jederzeit und
       überall auch so benannt werden.
       
       8. Angst mit Mut begegnen 
       
       Derzeit ist viel von Angst die Rede – vor zu vielen Flüchtlingen, zu vielen
       Muslimen, zu vielen jungen Männern aus fremden Kulturen. Das treibt
       Menschen auf die Straße und an die Wahlurne, sie schreien ihre Sorgen, aber
       auch ihre Wut und ihren Hass in öffentlichen Veranstaltungen und den
       sozialen Netzwerken heraus. Man kann den Eindruck bekommen, als seien sie
       in der Mehrheit, aber das sind sie bei Weitem nicht. Viele Tausend
       engagieren sich in Flüchtlingsheimen, aber politisch artikulieren sie sich
       nicht. Wo bleibt der öffentliche Aufschrei, wo die große Demonstration für
       eine humane Flüchtlingspolitik? Es ist an der Zeit, mit Mut und
       Leidenschaft für eine Gesellschaft zu werben, wie wir sie uns vorstellen:
       nicht rückwärtsgewandt und homogen, sondern bunt und weltoffen.
       
       Der Einzug der AfD in acht Landtage ist ein Problem. Viel entscheidender
       aber wird sein, ob Politik und Gesellschaft zulassen, dass sich die
       Republik weiter nach rechts verschiebt.
       
       17 Mar 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Sabine am Orde
       
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