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       # taz.de -- Anti-Terror-Krieg in Mali: Franzosen töten Al-Qaida-Mann
       
       > Ein wichtiger Al-Qaida-Kommandant wird nahe der malischen Stadt Timbuktu
       > bei Kämpfen getötet. Er kommt aus Melilla.
       
   IMG Bild: Gedenken in Ouagadougou an die Opfer eines Al-Qaida-Anschlags am 23. Januar 2016.
       
       BERLIN taz | Der nordafrikanische Al-Qaida-Ableger AQMI (al-Qaida im
       Islamischen Maghreb) hat den Tod eines wichtigen Kommandanten bestätigt.
       Abu al-Nur al-Andalusi, Kommandant des AQMI-Batallions al-Furqan, sei am
       29. Februar bei Kämpfen in Mali gefallen, erklärte das Terrornetzwerk in
       sozialen Medien. Das Außergewöhnliche daran: Der Tote ist weder Malier noch
       Maghrebiner, sondern Spanier. Dass er von französischen Soldaten getötet
       wurde, macht deutlich, dass Terrorbekämpfung in Afrika oft anders ist, als
       es scheint.
       
       Der Tote ist ein 35-jähriger Spanier aus der Exklave Melilla, die an der
       nordafrikanischen Küste liegt und von Marokko beansprucht wird. Das erklärt
       seinen Al-Qaida-Kriegsnamen „al-Andalus“ nach der arabischen Bezeichnung
       für die Iberische Halbinsel.
       
       Nach Agaben der spanischen Sicherheitsexpertenfirma AICS führte er rund 25
       AQMI-Kämpfer nördlich der malischen Wüstenstadt Timbuktu. Er sei in einem
       im September 2015 veröffentlichten Video zu sehen, wie er Malier auf
       Spanisch zum Mitmachen bei den Islamisten aufruft, dann mit Kämpfern auf
       einen offenen Lastwagen steigt und schließlich auf einen Leichenhaufen
       schießt. Es soll sich dabei um einen Überfall auf eine UN-Patrouille
       handeln, bei dem sechs Blauhelmsoldaten aus Burkina Faso ums Leben kamen.
       
       Der Tod des AQMI-Spaniers erfolgte den Berichten zufolge bei einer
       verdeckten Operation französischer Spezialkräfte gegen ein Treffen
       hochrangiger Islamisten 180 Kilometer nördlich von Timbuktu. Eine weitere
       ähnliche Operation habe nahe Gao stattgefunden, wo auch deutsche
       Bundeswehrsoldaten im Rahmen der UN-Mission Minusma stationiert sind.
       
       AQMI ist die stärkste bewaffnete Islamistengruppe in Mali und hat die
       Verantwortung für blutige Anschläge auf Hotels in Malis Hauptstadt Bamako
       sowie Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou übernommen.
       
       Die Bestätigung des Todes einer ihrer Kommandanten kommt zeitgleich zum
       Beginn des ersten Vorverfahrens gegen einen Islamisten vor dem
       Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Die Richter müssen in der am
       Montag begonnenen Anhörung entscheiden, ob gegen Ahmad al-Faqi al-Mahdi
       Anklage wegen der Zerstörung von Kulturgütern in Timbuktu 2013 erhoben
       wird.
       
       4 Mar 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dominic Johnson
       
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