URI:
       # taz.de -- Präsidentenwahl in Uganda: Amtsinhaber Museveni gewinnt
       
       > Keine Überraschung in Kampala: Der Präsident freut sich auf seine fünfte
       > Amtszeit. Wahlbeobachter sprechen von Unregelmäßigkeiten.
       
   IMG Bild: Der alte und neue Präsident Ugandas, Yoweri Museveni.
       
       Kampala taz | Dutzende Augen starren gespannt auf den großen
       Flachbildschirm. Ugandas Wahlkommission verkündet am Samstagnachmittag die
       Ergebnisse des Parlaments- und Präsidentschaftswahl. Doch in den
       zahlreichen Bars und Kneipen im Stadtteil Kabalagala interessiert sich
       dafür niemand.
       
       Auf den TV-Bildschirmen verfolgen die jungen Männer gebannt ein
       Fußballspiel: Arsenal spielt gegen Hull in der Premierleague. „Wir wissen
       doch schon längst wer die Wahl gewonnen hat, mich interessiert mehr wie
       Arsenal spielt heute“, sagt Geoffrey Mulora zwischen den Fußballfans. Die
       anderen winken ab: „Wir glauben den Ergebnissen sowieso nicht, wieso
       sollten wir uns das anschauen?“.
       
       Ugandas Präsident Yoweri Museveni gewann die Wahl erneut: dieses Mal mit
       rund 61 Prozent, bei den vergangenen Wahlen 2011 bekam er 68 Prozent.
       Herausforderer Kizza Besigye, Spitzenkandidat der Partei FDC (Forum für
       Demokratischen Wandel) holt 35 Prozent, der unabhängige Kandidat und
       Ex-Ministerpräsident Amama Mbabazi 1,4 Prozent. Für viele Ugander kommt
       dieses Ergebnis nicht überraschend: Museveni ist seit 30 Jahren an der
       Macht, der 71-Jährige zählt zu Afrikas ältesten Machthabern.
       
       Dennoch ist diese Wahl eine Niederlage für Musevenis Regierung, denn
       Ugandas Image ist dahin: Vier Mal in einer Woche verhaftete die Polizei
       Herausforderer Besiyge, umzingelten Mbabazis Haus. Am Wahltag selbst sowie
       am Tag danach schlug die Polizei nur mit Mühe und Not Proteste nieder.
       Militärpolizei und Spezialeinheiten der Armee mussten ausrücken um die Lage
       unter Kontrolle zu bekommen. Die Wahlkommission lieferte am Wahltag die
       Urnen mit bis zu sechs Stunden Verspätung aus, Wähler verbrannten aus
       Protest Stimmzettel. Die Regierung schaltete die sozialen Netzwerke
       Facebook und Twitter aus – die ganze Welt konnte beobachten, wie sehr
       Musevenis Regierung an der Macht festhält und wie instabil das Land
       langfristig ist.
       
       ## Kritik an Verzögerungen
       
       Von lokalen und internationalen Wahlbeobachtern werden sie dafür stark
       kritisiert. „Der willkürliche Einsatz von Polizei ist nicht akzeptabel“,
       erklärt Eduard Kukan, Vorsitzender der EU-Wahlbeobachter in der
       Pressekonferenz kurz vor der Verkündung der Ergebnisse. „Wahlen sollten in
       einer freie Atmosphäre stattfinden und nicht in Angst“. Er kritisiert die
       Wahlkommission wegen der enormen Verspätung. „Das machte nur unnötige
       Probleme“, so Kurkan.
       
       Interessant ist: Bei den Parlamentswahlen wird Musevenis Machtzirkel von
       den Wählern abgestraft. Zahlreiche „Big Men“, also Politgrößen die mit
       Museveni vor 30 Jahren das Land erobert haben oder mit ihm verwandt sind,
       verloren in ihren Wahlbezirken. Dies wird zumindest im Parlament und
       Kabinett die politische Landschaft Ugandas stark verändern.
       
       Während die Ergebnisse verkündet werden, sitzen Besiyge und Mbabazi in
       ihren Häusern umzingelt von Polizei und Militär. „Ich rufe alle Ugander und
       die Internationale Gemeinschaft auf, den Betrug der vollzogen wurde
       zurückzuweisen und zu verurteilen“, schreibt Besiyges FDC-Partei in einer
       Pressemitteilung. Sie behauptet Besigye habe die Wahl gewonnen und nennt
       die Ergebnisse einen „schleichenden Staatsstreich“.
       
       Während die Ergebnisse verlesen werden, patrouillieren Militärpolizisten
       durch die Straßen Kampalas, die Läden sind geschlossenen, die Ugander
       verkriechen sich zu Hause. Alle fürchten erneut gewaltsame Proteste – doch
       alles bleibt ruhig. Auch feiert niemand den Sieg des Präsidenten. Im
       Kneipenviertel Kabalagala, wo die Mehrheit die Opposition gewählt hat, ist
       es gespenstisch still.
       
       Ein paar hunderte junge Männer verfolgen die Fußballspiele: „Wir können es
       uns nicht noch einen Tag Chaos leisten“, sagt Arsenal-Fan Geoffrey Mulora,
       ein junger Motorradtaxifahrer und Vater von vier Kindern. Nächste Woche
       gehe die Schule nach den langen Ferien wieder los. „Wir brauchen Stabilität
       – das ist alles, das Leben geht weiter“, sagt er feuert weiter Arsenal an.
       
       20 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Simone Schlindwein
       
       ## TAGS
       
   DIR Uganda
   DIR Yoweri Museveni
   DIR Uganda
   DIR Uganda
   DIR Uganda
   DIR Uganda
   DIR Afrika
   DIR Uganda
   DIR Uganda
   DIR Uganda
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Stadt der Flüchtlinge in Uganda: Jede Familie bekommt einen Acker
       
       Uganda verfolgt eine liberale Flüchtlingspolitik. Aus dem Lager Nakivale
       ist eine Stadt geworden, in der sich Flüchtlinge ein neues Leben aufbauen.
       
   DIR Wahlen in Uganda: Inkorrekt, aber korrekt
       
       Das Verfassungsgericht weist eine Anfechtung der Wahlen ab. Aber die
       Wahlgesetze sollten reformiert werden.
       
   DIR Unruhen in Uganda: Massaker mit Macheten
       
       Seit der umstrittenen Wahl ist der Westen des Landes ein Schauplatz von
       Morden. Wer dahintersteckt, ist ein Rätsel.
       
   DIR Nach der Wahl in Uganda: Pfefferspray und Nagelbretter
       
       Wer Präsident Musevenis Wahlsieg anzweifelt, bekommt Probleme.
       Oppositionelle werden behindert oder verhaftet, Journalisten festgenommen.
       
   DIR Wahl in Uganda: Tränengas und Frust
       
       Nach dem mutmaßlichen Wahlsieg von Präsident Museveni gibt es Unruhen in
       der Hauptstadt. Die Polizei verhaftet den Oppositionsführer.
       
   DIR Präsidentschaftswahl in Uganda: Stimmzettel flattern auf den Platz
       
       Keine Stimmzettel bis zum Mittag, Urnen ohne Deckel und Fälschungsvorwürfe:
       Die Wahl in Uganda versinkt vielerorts im Durcheinander.
       
   DIR Repression vor der Wahl in Uganda: Jugendmilizen und Tränengas
       
       Die Angst vor Gewalt steigt, oppositionelle Politiker werden schikaniert,
       die Hauptstädter verbarrikadieren sich. Es brodelt in Kampala.
       
   DIR Wahlkampf in Uganda: Das Familienduell
       
       Seit 30 Jahren ist Yoweri Museveni Präsident Ugandas. Bei der Wahl am
       Donnerstag fordert ihn ein alter Weggefährte heraus: Amama Mbabazi.