URI:
       # taz.de -- Feministische Kampagne nach Köln: Immer. Überall. #ausnahmslos
       
       > Mit einer neuen Kampagne fordern Feminist_innen mehr Schutz vor
       > sexualisierter Gewalt und wehren sich gegen Vereinnahmung durch
       > Rassist_innen.
       
   IMG Bild: Protest gegen sexualisierte Gewalt – und Rassismus: Demonstration in Köln
       
       BERLIN taz | Ganz Deutschland scheint sich derzeit den Kampf gegen
       sexualisierte Gewalt auf die Fahnen geschrieben zu haben. Erfreulich,
       könnte man meinen. Doch von der SPD über die CDU bis zu den
       Rechtspopulist_innen von der AfD ist man sich einig, auch schon das
       richtige Mittel dafür gefunden zu haben: mehr Abschiebungen. Unter dem
       Hashtag [1][#ausnahmslos] wehren sich Feminist_innen nun gegen die
       Vereinnahmung ihrer jahrelangen Forderungen nach besserem Schutz vor
       sexualisierter Gewalt.
       
       Dem Hashtag vorausgegangen war [2][ein Aufruf der Feministinnen Anne
       Wizorek, Kübra Gümüşay und 20 anderen Aktivistinnen]. Darin fordern sie den
       konsequenten Einsatz gegen sexualisierte Gewalt jeder Art und verwehren
       sich der Instrumentalisierung dieses Anliegens, „um gegen einzelne
       Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die
       Silvesternacht getan wird“. Unter den mehr als 400 Mitzeichner_innen
       befinden sich Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD), Claudia Roth (Grüne)
       und Katja Kipping (Linke), aber auch die amerikanische Aktivistin Angela
       Davis und die britische Autorin Laurie Penny.
       
       In der vergangenen Woche war Feminist_innen von populistischer Seite immer
       wieder vorgeworfen worden, [3][ihr #aufschrei gegen Sexismus] reagiere
       überzogen auf „harmlose Herrenwitze“, schweige aber nun, weil ihnen die
       Thematisierung der Herkunft der Täter nicht passe. Während „altdämliche
       Herrenanmachversuche“ zu einem Generalverdacht gegen „die Hälfte der
       Bevölkerung“ führten, handle es sich nun eher um einen „Aufschrei 0.0“,
       schrieb etwa Birgit Kelle im Focus. Bisher war sie vor allem mit dem
       Ratschlag aufgefallen: „Dann mach doch die Bluse zu“ – so auch der Titel
       ihres 2013 erschienenen Buches.
       
       Allenthalben wird der #aufschrei auf einmal in Mündern geführt, die vorher
       noch nie ein Interesse an einem besseren Schutz vor sexualisierter Gewalt
       verkündet hatten. Diese dürfe „nicht nur dann thematisiert werden, wenn die
       Täter die vermeintlich ‚Anderen’ sind“, heißt es im #ausnahmslos-Aufruf.
       Ausnahmslos alle Menschen sollten vor verbalen und körperlichen Übergriffen
       geschützt sein. „Das sind die Grundlagen einer freien Gesellschaft.“ Dass
       dies in Deutschland und in der EU keineswegs der Fall ist, belegen eine
       Erhebung der Agentur für Europäischen Union für Grundrechte (FRA) sowie die
       Kriminalstatistiken der deutschen Polizei.
       
       [4][Der Erhebung zufolge] wurde mehr als die Hälfte der in der EU lebenden
       Frauen schon einmal sexuell belästigt, ein Drittel hat in der Vergangenheit
       körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Allein in Deutschland [5][würden
       laut Kriminalstatistik] jedes Jahr mehr als 7.300 Vergewaltigungen
       angezeigt. Dabei ist bekannt, dass die Mehrzahl solcher Übergriffe aus
       Scham oder Angst nie zur Anzeige gebracht wird, die Dunkelziffer also
       weitaus höher liegen muss. Diese Zahlen mit „Nordafrikanern“ oder
       Flüchtlingen zu erklären, kann niemand ernsthaft versuchen.
       
       So sind denn auch die Forderungen des Aufrufs dieselben, die Feminist_innen
       seit Jahren stellen: mehr Unterstützung für Beratungsstellen und
       Frauenhäuser, eine offenere und kritischere Debatte, mehr Zivilcourage und
       vor allem ein konsequenteres Sexualstrafrecht. Denn sexuelle Belästigung
       ist in Deutschland kein eigener Straftatbestand, und die Definition einer
       Vergewaltigung ist so eng, dass viele Fälle vor Gericht keine Chance haben.
       Und daran werden auch Abschiebungen und rassistische Stereotype nichts
       ändern.
       
       11 Jan 2016
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://twitter.com/search?q=%23ausnahmslos
   DIR [2] http://ausnahmslos.org
   DIR [3] /!t5034532
   DIR [4] /EU-Umfrage-zu-Uebergriffen/!5047159
   DIR [5] http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2015/05/pks-und-pmk-2014.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dinah Riese
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR Sexualisierte Gewalt
   DIR Anne Wizorek
   DIR #Aufschrei
   DIR #ausnahmslos
   DIR Laurie Penny
   DIR Islamische Theologie
   DIR Gender
   DIR Birgit Kelle
   DIR Feminismus
   DIR Laurie Penny
   DIR Sexismus
   DIR Haushaltsgeräte
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR Sexismus
   DIR Strafrecht
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR Sexualstrafrecht
   DIR Silvester
   DIR Gewalt
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR Polizei
   DIR CDU
   DIR Polizei
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR Sexismusdebatte
   DIR Rechtspopulismus
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Essay Islamischer Feminismus: Die Arbeit im Stillen
       
       Islamischer Feminismus muss nicht auf öffentlicher Bühne stattfinden, um
       Erfolg zu haben. Kübra Gümüşay wünscht sich echte Solidarität.
       
   DIR Kommentar Birgit Kelle und die CDU: Sachsens Gefühl fürs Abendland
       
       Die Sachsen-CDU hat die Antifeministin Birgit Kelle als Referentin
       eingeladen. Wo, wenn nicht in Sachsen, sollten solche „Experten“ willkommen
       sein?
       
   DIR Birgit Kelle und die Christdemokraten: „Gendergaga“ in Dresden
       
       Zwei CDU-Bundestagsabgeordnete haben die Buchautorin Birgit Kelle zu einem
       Vortrag eingeladen. Dagegen baut sich Widerstand auf.
       
   DIR Islamische Frauenbilder und Feminismus: „Wir müssen Rassismus mitdenken“
       
       Die muslimische Feministin Kübra Gümüşay über die Schockstarre nach
       Silvester, Frauenbilder im Islam und darüber, was in der Sexismus-Debatte
       falschläuft.
       
   DIR Laurie Penny über Feminismus & Bücher: „Utopien sind keine guten Storys“
       
       Sie prägte den modernen Feminismus, jetzt schreibt sie auch
       Kurzgeschichten. Ein Gespräch über die Macht von Science-Fiction und das
       Vorbild-Sein.
       
   DIR Sexualisierte Gewalt gegen Frauen: Seit Köln ist alles wieder da
       
       Ja, es gibt importierten Sexismus unter Migranten. Wir dürfen die Gründe
       dafür nicht verschweigen, nur weil wir Angst vor Rassismus haben.
       
   DIR Technische Revolutionen: Gut, dass es Waschmaschinen gibt!
       
       Das Internet ist die wichtigste Erfindung aller Zeiten? Unsinn, sagt der
       Ökonom Chang Ha-joon. Ein einfaches Haushaltsgerät ist viel bedeutender.
       
   DIR Kommentar Rassismus nach Köln: Die Erfindung des Nordafrikaners
       
       Es wird in Deutschland dieser Tage viel über den „Nordafrikaner”
       debattiert. Statt den Rassismus zu benennen, machen die Medien mit.
       
   DIR Sexuelle Gewalt auf dem Oktoberfest: „Der Blick muss sich verändern“
       
       Kristina Gottlöber von „Sichere Wiesn“ über alltäglichen Sexismus, die
       Dunkelziffer sexueller Übergriffe und Präventionsmaßnahmen.
       
   DIR Verschärfung des Sexualstrafrechts: Der Wille der Opfer
       
       Die Ereignisse in Köln rücken das Thema sexualisierte Gewalt in den Fokus.
       Expertinnen fordern eine grundlegende Reform des Rechts.
       
   DIR Kolumne Die Kriegsreporterin: Sie meinen „Pimmelmacht“
       
       „Focus“, „Stern“, „SZ“: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Die Medien! Und
       wenn er kommt? Dann hyperventilieren sie.
       
   DIR Konsequenzen für grapschende Männer: Unter Umständen straflos
       
       Die Silvesterübergriffe offenbaren Lücken im deutschen Strafrecht. Ein
       Gesetzentwurf des Justizministers könnte sie zumindest teilweise schließen.
       
   DIR Gewalttätige „Spaziergänge“ in Köln: Menschenjagd in der Innenstadt
       
       Per Facebook rufen Hooligans, Rocker und Rechte zur Hatz auf
       Andersaussehende auf. Viele kommen, die Polizei reagiert mit einem
       Großaufgebot.
       
   DIR Debatte zur Hysterie nach Köln: Schlicht die neue Ebene von Sexismus
       
       Medial verstärkte Ängste, politischer Aktionismus: Den Zustand, in dem sich
       unsere Gesellschaft gerade befindet, nennen Forscher „moral panic“.
       
   DIR Kommentar: Deutsche Männer fürchten um „ihre“ Frauen: Die rassistische Empörung
       
       Die plötzliche Aufregung über sexualisierte Gewalt gegen Frauen bedient
       einen rassistischen Diskurs. Um Frauen geht es dabei nicht wirklich, um
       Sexismus schon gar nicht
       
   DIR Kommentar Kölner Polizeiversagen: Eine Frage der politischen Hygiene
       
       Das polizeiliche Desaster von Köln will keiner verantworten. De Maizière
       wird bleiben, Jäger auch. Eine andere muss um ihren Job fürchten.
       
   DIR Union will Änderung im Sexualstrafrecht: CDU hört feministische Signale
       
       Die Union ist fortschrittlicher als Justizminister Heiko Maas und will bei
       Vergewaltigungen das „Nein“ des Opfers für die Strafbarkeit anerkennen.
       
   DIR Sexuelle Gewalt in Schweden: Vertuschte Polizei Übergriffe?
       
       In Schweden soll es an Silvester zu ähnlichen Vorfällen wie in Köln
       gekommen sein. Jetzt wird bekannt: Es ist nicht das erste Mal.
       
   DIR Der „Focus“ zu den Kölner Übergriffen: Titel der Schande
       
       Der „Focus“ inszeniert sexuelle Gewalt als erotische Fantasie. Das ist
       nicht Kritik an Rape Culture, das ist Rape Culture. Und rassistisch.
       
   DIR Gewalt gegen Frauen: Willkommen in der Hölle, Ladys
       
       Seit der Kölner Silvesternacht wird einer sexismusfreien Zeit
       hinterhergetrauert. Die hat es in Deutschland nie gegeben.
       
   DIR Kommentar Übergriffe in Köln: Ein Täter ist ein Täter ist ein Täter
       
       Sexuelle Gewalt ist an keine Ethnie gebunden. Wer anderes behauptet, ist
       nicht nur rassistisch, sondern auch frauenverachtend.