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       # taz.de -- Der „Focus“ zu den Kölner Übergriffen: Titel der Schande
       
       > Der „Focus“ inszeniert sexuelle Gewalt als erotische Fantasie. Das ist
       > nicht Kritik an Rape Culture, das ist Rape Culture. Und rassistisch.
       
   IMG Bild: Will Sexismus anprangern, ist selbst sexistisch: „Focus“-Titel vom 8. Januar 2016
       
       Der Focus-Titel ist so schauerlich, dass er zunächst wie ein Witz wirkt.
       Man könnte das Blatt dafür auslachen, wenn dieses Muster nicht so
       niederträchtig wäre. Die Zeitschrift gibt vor, sexuelle Gewalt anzuprangern
       und wirft sich in aufklärerische Pose. Dabei ist sie aufklärerisch, wenn
       auch unfreiwillig: Der Titel ist das elegante Sinnbild für alles, was in
       den vergangenen Tagen in der Diskussion um die sexuellen Übergriffe in Köln
       falsch gelaufen ist. Er attackiert den Sexismus der „Anderen“, ist aber
       selbst sexistisch und erotisiert sexuelle Gewalt.
       
       Das ist nicht Kritik [1][an Rape Culture], es ist Rape Culture.
       
       Zu sehen ist eine nackte, weiße, schlanke Frau, die sich die Hände vor
       Brüste und Vulva hält, von reißerischen Textbalken notdürftig bedeckt. Die
       Frau ist nicht nur nackt, sondern ihre Ungeschütztheit wird erotisiert, ihr
       Mund ist leicht geöffnet. Das ist besonders bitter, weil der Titel selbst
       somit den betroffenen Frauen die Kleider vom Körper reißt.
       
       Ohnehin ist der Focus Teil der deutschen Rape Culture, die Frauen auf ihren
       Körper reduziert. Auf Magazin-Titelseiten [2][illustrieren nackte Frauen
       alle möglichen Themen], wie im öffentlichen Raum nackte Frauenkörper
       [3][alle möglichen Produkte bewerben]. Übergriffe werden bagatellisiert,
       zum Beispiel, indem sie „Sex-Attacken“ genannt werden, als hätten sie etwas
       mit Sex zu tun.
       
       Dieser Titel bemüht einen Klassiker sexistischer Werbung, die geköpfte
       Frau: Ihre Augenpartie ist nicht mehr im Bild. Sie ist auf ihren Körper
       reduziert, de-individualisiert. Sie wird betrachtet, kann aber nicht
       zurückschauen, ist Opfer und nicht Handelnde.
       
       Zugleich gibt es in Deutschland [4][keine angemessene rechtliche Handhabe],
       sexualisierte Gewalt zu verfolgen. Sie [5][ist quasi straffrei], wie
       Feminist_innen immer wieder betonen. Wenn sexuelle Gewalt thematisiert
       wird, schreien normalerweise Tausende Männerrechtlertrolle
       „Unschuldsvermutung!!!“. Und auch jetzt entblödet sich Focus-Chefredakteur
       Ulrich Reitz nicht, [6][im Newsletter] Sexismus unter dem Stichwort
       „Herrenwitz“ zu verharmlosen.
       
       Wie sonst auch geht es in dieser Debatte weniger um die Opfer sexistischer
       Gewalt und den Kampf gegen den alltäglichen Sexismus. Das ist nur
       vorgeschoben – sexuelle Gewalt wird hier offenbar erst dann als solche
       anerkannt, wenn sie von nichtweißen Männern ausgeübt wird. Feminist_innen
       [7][wehren sich] gegen diese [8][rassistische Vereinnahmung] und zeigen,
       [9][was stattdessen zu tun wäre].
       
       Der Focus beteiligt sich an dieser Hetze, indem er eine vermeintlich offene
       Gesellschaft für die Übergriffe verantwortlich macht: „Nach den
       Sex-Attacken von Migranten: Sind wir noch tolerant oder schon blind?“ Damit
       bezieht er sich nicht darauf, dass die deutsche Gesellschaft schon immer
       tolerant mit Sexualstraftätern umgegangen ist und vor sexualisierter Gewalt
       die Augen verschließt. Nein, die falsche Toleranz hat „Migranten“ allgemein
       gegolten.
       
       ## Gängiges rassistisches Motiv
       
       Auf dem Focus-Titel ist der Körper der Frau mit schwarzen Handabdrücken
       bedeckt. Auch die Süddeutsche Zeitung [10][illustriert das Thema in der
       Wochenendausgabe] ähnlich mit einer Schwarzweiß-Grafik: Ein schwarzer Arm
       greift zwischen zwei weiße Frauenbeine.
       
       Die Vorstellung, dass dunkle Haut abfärbt, ist ein altes und gängiges
       rassistisches Motiv, das dunkle mit dreckiger Haut gleichsetzt. Das Bild
       von schwarzen Händen, die nach einem weißen Körper greifen, von nichtweißen
       Männern, die [11][weißen Frauen nachstellen], stammt zudem von tief unten
       aus dem Reich [12][rassistischer sexueller Fantasien]: die Beschmutzung der
       weißen Frau. „Rassenschande“.
       
       Engagement gegen Sexismus wäre bitter nötig. Aber solche Illustrationen
       sind Rassismus unter dem Vorwand, Sexismus anzuprangern. Und sind dabei
       selbst sexistisch.
       
       9 Jan 2016
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Rape-Culture/!5075574
   DIR [2] /Kolumne-Luft-und-Liebe/!5033516
   DIR [3] http://www.buzzfeed.com/philippjahner/post-feminismus
   DIR [4] /Verschaerfung-des-Strafrechts/!5263352
   DIR [5] /Kolumne-Luft-und-Liebe/!5035540
   DIR [6] http://mailings.focus-magazin.de/go/s64639jahxezbncog7ctdjuc29qd5gdxur604kggo2gx
   DIR [7] http://www.vice.com/de/read/die-rape-culture-wurde-nicht-nach-deutschland-importiert-sie-war-schon-immer-da-aufschrei-118
   DIR [8] /Gewalt-gegen-Frauen/!5263311
   DIR [9] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/margarete-stokowski-ueber-sexualisierte-gewalt-a-1070905.html
   DIR [10] http://www.facebook.com/ihre.sz/photos/pb.215982125159841.-2207520000.1452339292./947365025354877/?type=3&theater
   DIR [11] /Ressentiments-gegen-Fluechtlinge/!5246298
   DIR [12] http://www.facebook.com/442349675959722/photos/a.442394149288608.1073741828.442349675959722/443983732462983/?type=3&theater
       
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       Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker legt Frauen Verhaltensregeln
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       Sexuelle Gewalt ist an keine Ethnie gebunden. Wer anderes behauptet, ist
       nicht nur rassistisch, sondern auch frauenverachtend.