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       # taz.de -- Fehlende Vielfalt im BVG-Spot: Alles Weiße? Is‘ nich‘ egal
       
       > Im Spot der Berliner Verkehrsbetriebe gibt es nur weiße Passagiere. Man
       > muss sich schon anstrengen, um in Berlin eine solch homogene U-Bahn zu
       > finden.
       
   IMG Bild: Der einzige Türke in der Bahn: Kazim Akboga mit Nebendarstellern
       
       Berlin taz | U-Bahn-Fahren in Berlin ist immer ein Happening. Kaum eine
       Fahrt vergeht, ohne dass es eine Anekdote zu erzählen gibt. Der Typ, der
       Döner isst, das Kind, das erst nicht ein- und dann nicht aussteigen will,
       die neuen Möbel auf dem Weg in die WG, die Beziehung, die in einem lauten
       Telefonat ihr Ende findet, [1][das Pony im Fahrradabteil], [2][knutschende
       Jungs], die fast ihre Haltestelle verpassen, Passagiere ohne Hose oder
       aufwändig kostümiert. All das ist [3][ein ganz normaler Tag bei der BVG].
       
       Und das hat eine Werbefirma nun erfolgreich in Reklame verwandelt. Der
       Musiker Kazim Akboga tanzt als Kontrolleur verkleidet durch Bus und Bahn
       und singt eine umgedichtete Version seines [4][Youtube-Hits „Is Mir Egal“].
       Er trifft Punks mit Jahreskarte, einen als Automaten verkleideten
       Schwarzfahrer, einen Mann mit Sofa, einen mit Pferd, zwei aufeinander
       sitzende Männer in Lederjacken, eine Zwiebeln schneidende Frau, feiernde
       Hertha-Fans, eine Frau mit BVG-Sitzmuster-Anzug. „Is‘ mir egal“, wiederholt
       Akboga immer und immer wieder. Hier sitzt Berlin in seiner ganzen vielfalt.
       
       Nicht ganz.
       
       Denn im Clip kommen nur weiße Berliner vor. Punks mit Jahreskarte? Weiße.
       Hund mit Hai? Gehört einer Weißen. Mann auf Pferd? Weiß. Mann auf Mann?
       Beides Weiße. Zwiebel schneiden? Weiße Frau. Kind mit Bommel? Weiß. Mann
       macht Spagat? Weiß. Für zwei Minuten, so scheint es, ist Kazim Akboga der
       einzige Türke in Berlin. Die einzigen People of Color im Clip sind die
       Mexikaner in riesigen Sombreros, die – wie auch Akboga – Musik machen.
       
       „Die Botschaft ist: Es ist egal, wie Du aussiehst, wo Du herkommst“,
       [5][sagte eine BVG-Sprecherin zu Spiegel Online]. Nur scheint beides nicht
       wirklich egal zu sein. Die gezeigten Abteile sind so segregiert wie ein Bus
       in den USA der 1950er Jahre. Keine Schwarzen in der U-Bahn, keine Türken
       oder Araber, keine Asiaten, keine Frauen mit Kopftuch. Niemand, dessen Haut
       dunkler ist als eine geschälte Kartoffel. Man muss sich schon sehr
       anstrengen, um eine solch homogene U-Bahn in Berlin zu finden.
       
       ## Bevölkerungsteile einfach vergessen?
       
       Der Spot grenzt auch auf andere Weisen aus. Minderheiten wie Homosexuelle
       und Transpersonen kommen nur in besonders auffälligen Klischees vor und
       Arme sind ganz bewusst nicht willkommen. Alles ist egal, nur nicht, kein
       Geld zu haben. Kein Motz-Verkäufer ist egalerweise im Video, kein
       Obdachloser sucht egalerweise Schutz vor der Kälte. Schon das ist
       bemerkenswert, handelt das [6][Originallied] von Akboga doch vom Leben in
       Armut.
       
       „Im Spot werden viele verschiedene Minderheiten sichtbar. Da eine Aussage
       gegen andere Minderheiten rauszulesen, ist falsch“, [7][twittert die BVG]
       auf die Frage nach der fehlenden ethnischen Vielfalt. Doch auch was nicht
       gesagt wird, ist relevant. Alles was im Werbeclip in der U-Bahn gemacht
       wird, wird auch von nicht-weißen Menschen gemacht. Dass sie vergessen
       wurden, obwohl sie in Berlin nicht selten sind, ist rassistisch – wenn auch
       wahrscheinlich unabsichtlich so.
       
       Klar, es ist eine andere Liga als gewalttätige Neonazis oder
       [8][biologistische AfDler]. Aber Ausgrenzung fängt nicht bei einer Tracht
       Prügel an. Nur wenn nicht-weiße Deutsche erst unsichtbar gemacht werden,
       können sie auch zunächst als Fremde wahrgenommen und dann als Eindringlinge
       angefeindet werden.
       
       Das is‘ nich‘ egal.
       
       14 Dec 2015
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://twitter.com/Fokko_Mellema/status/394424428974862336
   DIR [2] http://twitter.com/abgelegt/status/667332045228609536
   DIR [3] http://www.buzzfeed.com/sebastianfiebrig/dinge-die-dir-nur-in-der-berliner-bahn-passieren-konnen
   DIR [4] http://www.youtube.com/watch?v=ob0l82NNS28
   DIR [5] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/is-mir-egal-kazim-akboga-die-bvg-und-virale-werbung-a-1067344.html
   DIR [6] https://www.youtube.com/watch?v=ob0l82NNS28
   DIR [7] http://twitter.com/BVG_Kampagne/status/676324569842589696
   DIR [8] /Rassistische-Rede-von-AfD-Politiker/!5261384
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Lalon Sander
       
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   DIR Schwerpunkt Rassismus
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   DIR Stefan Gelbhaar
       
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