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       # taz.de -- Folgen des VW-Skandals: Die EU will schärfer kontrollieren
       
       > Nationale Behörden und Kfz-Zulassungsstellen sollen stärker überprüft
       > werden. Die EU-Industriekommissarin sucht das Gespräch mit Dobrindt und
       > Gabriel.
       
   IMG Bild: Will stärker kontrollieren lassen: Elżbieta Bieńkowska
       
       Wolfsburg/Brüssel dpa | Wegen des VW-Skandals will die EU-Kommission die
       nationalen Behörden und ihre Kfz-Zulassungsstellen schärfer unter die Lupe
       nehmen. „Die Genehmigungssysteme der Mitgliedstaaten haben versagt“, sagte
       EU-Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska [1][der Süddeutschen Zeitung].
       „Wir wollen künftig kontrollieren und überprüfen, ob die nationalen
       Behörden ordnungsgemäß arbeiten.“ Zudem sollten die Mitgliedstaaten die
       Ergebnisse von Fahrzeug-Tests untereinander austauschen.
       
       Volkswagen drohen Milliardenkosten und -strafen. Europas größter Autobauer
       hatte jahrelang Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Zudem hatte
       das Dax-Schwergewicht falsche Angaben beim CO2-Ausstoß und damit auch beim
       Spritverbrauch gemacht.
       
       Die EU-Kommission werde im Dezember Details zu den Plänen vorstellen, die
       dann mit den EU-Staaten und dem Europaparlament abgestimmt werden müssen,
       sagte Bieńkowska. Mit Blick auf VW betonte sie: „Es geht nicht darum, Geld
       zu zahlen und dann ist der Fall vorbei. Wir müssen Gewissheit haben. Es
       geht darum, das ganze System zu ändern.“ Dem Bericht zufolge will sich
       Bieńkowska am Donnerstag und Freitag in Berlin mit Wirtschaftsminister
       Sigmar Gabriel (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sowie
       mit VW-Verantwortlichen treffen.
       
       Wegen der falschen CO2-Werte könnten Volkswagen auch EU-Strafen drohen.
       Bevor die EU-Kommission über mögliche Geldbußen entscheide, müssten aber
       erst die Fakten geklärt werden, erläuterte eine Sprecherin der Brüsseler
       Behörde. Seit 2012 gibt es für die Autohersteller CO2-Grenzwerte, die sie
       im Durchschnitt ihrer gesamten Flotte einhalten müssen. Wenn diese nicht
       erfüllt werden, können Strafzahlungen fällig werden.
       
       Der Auto Club Europa (ACE) warf VW vor, trotz der Ankündigung des neuen
       Konzernchefs Matthias Müller zu mehr Transparenz weiter nicht mit offenen
       Karten zu spielen. „Mit dem jüngsten Eingeständnis verfälschter CO2-Werte
       tritt VW die Flucht nach vorne an, ohne die Fehler aber genau zu benennen –
       das wirft viele Fragen auf und verunsichert die Verbraucher weiter“, sagte
       ACE-Sprecher Klaus-Michael Schaal.
       
       Einige Tricks bei Labortests würden als rechtliche Grauzone gelten, sagte
       Schaal. „Dass VW nun von sich aus Fehler zugibt, deutet darauf hin, dass
       die Firma diese Grauzone hier eindeutig verlassen hat. VW macht das nicht
       aus Gutmenschentum, vielmehr geht man wohl davon aus, die Fehler würden
       irgendwann von externer Stelle entdeckt – also lieber jetzt von sich aus an
       die Öffentlichkeit.“
       
       Damit Autobesitzer von drohenden höheren Steuerzahlungen verschont bleiben,
       bereitet die Bundesregierung eine gesetzliche Regelung vor. VW sei in der
       Verantwortung und in der Pflicht, den entstandenen Schaden für die Kunden
       zu beheben, sagte Verkehrsminister Dobrindt am Mittwoch im Bundestag. Am
       CO2-Ausstoß hängt bei Pkw mit Erstzulassung ab 1. Juli 2009 auch die
       Kfz-Steuer.
       
       ## Die VW-Aktie fällt um 10 Prozent
       
       An der Börse reagierte die VW-Aktie mit einem dramatischen Kursverfall. Das
       Papier sackte an der Frankfurter Börse zeitweise um mehr als 10 Prozent ab.
       Die Ratingagentur Moody‘s stufte angesichts der Ausweitung des
       Abgas-Skandals die Bewertung von Volkswagen herab.
       
       Unter den 800.000 Fahrzeugen mit falschen CO2-Werten sind nach Angaben
       Dobrindts auch 98.000 Benziner. Damit sind erstmals seit Bekanntwerden des
       Abgas-Skandals Mitte September nicht mehr nur Diesel betroffen. Volkswagen
       betonte, die Unregelmäßigkeiten bei CO2- und Verbrauchsangaben seien nicht
       durch technische Hilfsmittel verursacht worden. „Es geht um Werte, die
       einfach zu niedrig angegeben wurden“, sagte ein Konzernsprecher in
       Wolfsburg. Unter den betroffenen Autos seien viele Modelle mit dem Label
       „BlueMotion“, mit Volkswagen Fahrzeuge als besonders schadstoffarm
       vermarktet.
       
       Wenn CO2-Werte wie zu erwarten nach oben korrigiert werden müssten, habe
       dies Auswirkungen auf die Kfz-Steuer, sagte Dobrindt. „Das gilt auch
       rückwirkend.“ In Abstimmung mit dem Bundesfinanzministerium arbeite sein
       Ressort daher „an einer Gesetzgebung, die dafür sorgt, dass nicht der Kunde
       durch diese Mehrkosten bei der Kfz-Steuer belastet wird, sondern der
       Volkswagen-Konzern.“
       
       VW hatte am Dienstag mitgeteilt, es gebe „Unregelmäßigkeiten“ beim
       CO2-Ausstoß. Dabei geht es um die Modelle Polo, Golf, Passat, Audi A1 und
       A3 sowie Skoda Octavia und Seat Leon und Ibiza. Volkswagen taxierte die
       zusätzlichen wirtschaftlichen Risiken der falschen CO2-Angaben in einer
       ersten Schätzung auf rund zwei Milliarden Euro.
       
       5 Nov 2015
       
       ## LINKS
       
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