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       # taz.de -- „Tatort“ aus Dortmund: Bittere Pille
       
       > Die „Tatort“-Kommissare sind mies drauf. Doch kein anderes Team ist dabei
       > so unterhaltsam wie die Dortmunder – und so glaubwürdig.
       
   IMG Bild: Nachwuchskommissar (Stefan Konarske) in Rage.
       
       Bitter schmeckt das Kokain, deshalb spuckt das kleine Mädchen ein paar der
       blauen Kügelchen auch gleich wieder aus. Doch nicht genug, das Mädchen
       stirbt im nassen Spielplatzsand: Herzversagen, Kreislaufkollaps. Bitter ist
       das.
       
       Überhaupt stehen in diesem „Tatort“ alle Beteiligten, mehr noch als sonst
       in Dortmund, kurz vor dem Zusammenbruch. Kommissarin Bönisch (Anna Schudt)
       rangelt mit ihrem Noch-Ehemann um das Sorgerecht für die Kinder (die lieber
       zum Vater wollen). „Seh ich so aus, als ob ich gleich Amok laufen würde?“,
       schnauzt sie ihren Chef Faber (Jörg Hartmann) an, als sie wutschnaubend in
       das Büro des örtlichen Drogenbosses marschiert. Ja, tut sie.
       
       Der Nachwuchs auf dem Revier (Aylin Tezel, Stefan Konarske), privat frisch
       voneinander getrennt, probieren derweil aus, wie man den anderen mit
       welchen Worten am effizientesten verletzen kann. Und Faber – „Mir geht’s
       nicht beschissen. Mir geht’s scheiße!“ – hat ohnehin immer schwer zu
       kämpfen.
       
       Kein anderes „Tatort“-Team hadert dabei gerade so unterhaltsam mit sich und
       der Welt wie die Dortmunder: zynisch und staubtrocken und mit stark
       entwickelten, glaubwürdigen Charakteren. Die Leiden von Faber und Co.
       funktionieren inzwischen auch als ihre eigene Fortsetzungsgeschichte, da
       ist der Crime-Faktor beinahe egal.
       
       Ach ja, der Fall: Ein Überwachungsvideo zeigt zwei Afrikaner, die das
       Kokain auf dem Spielplatz verstecken. Die Frau ist kurz darauf tot,
       erschlagen: Revierstreitigkeiten? Rache für das tote Mädchen? Schon ist man
       mittendrin in der Einwanderungsdebatte. „Wen wollen Sie denn für den Tod
       des Mädchens ans Kreuz nageln?“, fragt Faber seine Kollegin. Den
       inkompetenten Rettungssanitäter? Die Dealer, die mit dem Drogen-Geld ihre
       Familien daheim unterstützen? Die Käufer? Die Einwanderungspolitik? Gute
       Frage.
       
       18 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Klöpper
       
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