URI:
       # taz.de -- Kommentar FDLR-Prozess: Ein Richter ruft um Hilfe
       
       > In Stuttgart wurden die zwei Führer der ruandischen Hutu-Miliz FDLR wegen
       > Gräueltaten im Ausland verurteilt. Die Urteile sind kurios.
       
   IMG Bild: Die aktuelle deutsche Strafprozessordnung taugt nicht für die Aufklärung von Völkerstraftaten im Ausland.
       
       Ein historisches Urteil ist es nicht, das das Oberlandesgericht Stuttgart
       nach über vier Jahren Prozess gegen die beiden politischen Führer der
       ruandischen Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas)
       [1][gefällt hat].
       
       Es war der erste Prozess in Deutschland gegen Führer einer ausländischen
       bewaffneten Gruppe wegen Führungsverantwortlichkeit für Kriegsverbrechen
       und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach den Regeln des
       Völkerstrafrechts, übernommen vom Internationalen Strafgerichtshof. Jetzt
       müssen alle Beteiligten sehen, was sie mit dem Wirrwarr anfangen, den ihnen
       die Stuttgarter Richter hingelegt haben.
       
       Einerseits erklären die Richter die FDLR, die barbarische Gräueltaten an
       Zivilisten im Kongo begangen hat, zur „terroristischen Vereinigung“–
       andererseits sagen sie, die FDLR habe keine „Verbrechen gegen die
       Menschlichkeit begangen“, also ausgedehnte und systematische Angriffe auf
       die Zivilbevölkerung, sondern bloß „Kriegsverbrechen“, also Schweinereien,
       die im Krieg halt passieren, zumal im Kongo.
       
       Einerseits erklären sie FDLR-Präsident Ignace Murwanashyaka und Straton
       Musoni, die die Miliz aus Deutschland heraus jahrelang ungestört politisch
       führten, zu „Rädelsführern“ – andererseits verurteilen sie Murwanashyaka
       lediglich wegen „Beihilfe“ zu den Verbrechen seiner Organisation, nicht als
       Vorgesetzten, und Musoni in diesem Zusammenhang überhaupt nicht: Er
       verlässt das Gericht als freier Mann, weil er seine Haftstrafe bereits
       abgesessen hat.
       
       Das ist Rechtsstaat, könnte man einwenden. Aber der vorsitzende Richter hat
       noch ein drittes Urteil gefällt. Sein Resümee dieses Verfahrens, sagte er,
       ließe sich in vier Worten zusammenfassen: „So geht es nicht!“ Genauer: Die
       deutsche Strafprozessordnung taugt in ihrer heutigen Form nicht für die
       Aufklärung von Völkerstraftaten im Ausland. Die kuriosen Urteile sollen
       diese Feststellung wohl untermauern.
       
       Das mag eine überfällige Debatte befördern, wie Deutschland mithalten kann
       im Unterfangen, nach einigermaßen einheitlichen Standards internationale
       Gerechtigkeit zu schaffen und internationale Straflosigkeit bei Verbrechen
       gegen die Menschlichkeit zu beenden. Schade nur, dass die Rechtsprechung in
       diesem konkreten Fall das Bauernopfer zu werden droht.
       
       28 Sep 2015
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Urteil-im-FDLR-Prozess-in-Stuttgart/!5236145/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
   DIR Hutu-Miliz FDLR
   DIR Hutu
   DIR Schwerpunkt Kongo-Kriegsverbrecherprozess
   DIR FDLR
   DIR Kongo
   DIR FDLR-Rebellen
   DIR Lesestück Meinung und Analyse
   DIR Hutu-Miliz FDLR
   DIR Kongo
   DIR Hutu-Miliz FDLR
   DIR FDLR
   DIR Ruanda
   DIR Schwerpunkt Kongo-Kriegsverbrecherprozess
   DIR Kongo
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Verfügung aus Stuttgart: Ex-FDLR-Führer muss ausreisen
       
       Der frühere Vizepräsident der FDLR-Miliz, der Ruander Straton Musoni, darf
       einem Bericht zufolge nicht länger in Deutschland bleiben.
       
   DIR FDLR-Unterstützerprozess in Stuttgart: Harte Vorwürfe gegen Exilruander
       
       Ein Software-Ingenieur aus Ruanda, der im Exil lebt, steht seit Montag in
       Stuttgart vor Gericht, weil er die Webseite der Hutu-Miliz FDLR betreute.
       
   DIR Hutu-Miliz FDLR im Kongo: Es grassiert der Spaltpilz
       
       Seit dem Wochenende kämpfen beide Fraktionen der ruandischen Hutu-Miliz im
       Ostkongo gegeneinander. Die lokale Bevölkerung ist in Panik.
       
   DIR Buch über ruandischen Kriegsverbrecher: Blinder Fleck Afrika
       
       Aus dem deutschen Asyl heraus befehligte Ignace Murwanashyaka seine Truppen
       im Kongo. Die Behörden merkten lange nichts.
       
   DIR Hutu-Miliz im Kongo: FDLR verliert Topkommandeur
       
       Der Stabschef Leopold Mujyambere wurde von Kongos Geheimdienst
       festgenommen. Zuvor hatte die Miliz mehrere Ortschaften angegriffen.
       
   DIR Kongo sucht Hilfe im Nachbarland Ruanda: Die Hutu-Miliz steht unter Druck
       
       Nach dem Urteil gegen die FDLR deutet sich ein Bündnis zwischen Kongo und
       Ruanda an. Sie wollen gemeinsam gegen die Hutu-Miliz vorgehen.
       
   DIR Analyse FDLR-Urteil: Ein Urteil voller Widersprüche
       
       Die Richter erklären die FDLR zur terroristischen Vereinigung. „Verbrechen
       gegen die Menschlichkeit“ habe sie aber nicht begangen.
       
   DIR Urteil im FDLR-Prozess in Stuttgart: Haft für den Präsidenten
       
       Der Präsident der im Kongo kämpfenden ruandischen Hutu-Miliz FDLR muss im
       Gefängnis bleiben. Sein Vize kommt voraussichtlich frei.
       
   DIR FDLR-Prozess in Stuttgart: Die Opfer bleiben anonym
       
       Ist die Führung der FDLR für Kriegsverbrechen verantwortlich? Jetzt soll
       das Urteil gegen den Ex-Chef der ruandischen Hutu-Miliz fallen.
       
   DIR 318. Tag FDLR-Kriegsverbrecherprozess: Zum Abschluss Tränen
       
       Das Schlusswort des 1. FDLR-Vizepräsidenten Straton Musoni verbindet
       Erinnerungen mit Rechtfertigungen. Er hat nichts falsch gemacht, sagt er.
       
   DIR UN-Mission im Kongo: Keine Milizen mehr füttern
       
       Die UN-Mission will die Versorgung demobilisierter Rebellen beenden. Das
       sei Aufgabe der Regierung. Die Hutu-Miliz FDLR ist empört.