# taz.de -- Flüchtlingshilfe des Bundes: Geld, das woanders nicht fehlen soll
> Sechs Milliarden Euro will der Bund 2016 für Flüchtlinge bereitstellen.
> In der Koalition glaubt man, die Ausgaben mühelos finanzieren zu können.
IMG Bild: Die Flüchtlingsunterbringung soll verbessert werden, ohne den Haushalt an anderer Stelle zu beschneiden – Landesunterkunft für Asylsuchende in Neumünster, Schleswig-Holstein
Berlin taz | | Aus den Haushaltsüberschüssen diesen Jahres will die
Koalition 6 Milliarden Euro für Flüchtlinge für 2016 zur Verfügung stellen.
Der Entwurf des Bundeshaushalts, den der Bundestag diese Woche berät, wird
entsprechend geändert. Die bisher beschlossenen Ausgaben für
Steuersenkungen, Investitionen, höhere Entwicklungshilfe und
Steuerentlastungen stünden aber nicht infrage, sagte Eckardt Rehberg, der
haushaltspolitische Sprecher der Union.
Die zusätzlichen Ausgaben gehen zur Hälfte an Länder und Kommunen, die
davon unter anderem die Unterbringung der 800.000 Flüchtlinge finanzieren
sollen, die allein in diesem Jahr erwartet werden. Weitere 3 Milliarden
Euro wird der Bund ausgeben. Außerdem plant das Innenministerium in den
kommenden drei Jahren 3.000 zusätzliche Stellen bei der Bundespolizei ein,
um die Länder zu unterstützen.
Weil die Wirtschaft gut läuft und die Steuereinnahmen steigen, hat die
Große Koalition die Hoffnung, die zusätzlichen Ausgaben mühelos zu
finanzieren. Im Vergleich zur vergangenen Steuerschätzung und zum
Haushaltsplan kalkuliert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit
einem Überschuss von mindestens 5 Milliarden Euro. Laut Haushaltgesetz
müsste dieses Geld in die Tilgung alter Schulden fließen. Das soll ein
Nachtragshaushalt – der zweite in diesem Jahr – verhindern. Damit
reserviert der Bundestag das Geld für 2016.
Der Entwurf für den Bundeshaushalt 2016, den das Parlament ab Dienstag
debattiert, wird entsprechend geändert. Eine Variante: Die Einnahmen und
Ausgaben steigen von derzeit geplanten 312 auf 318 Milliarden Euro, so
Unions-Haushälter Rehberg. Die Einzelheiten klären die Regierungsfraktionen
bis zur sogenannten Bereinigungssitzung am 12. November.
## Keine Abstriche
An den bisher geplanten Ausgaben soll sich dabei nichts ändern – das ist
die gemeinsame Ansage von Union und SPD. Man will den Eindruck vermeiden,
dass die Ausgaben für Flüchtlinge zulasten anderer Vorhaben gehen.
Beispielsweise hat die Koalition ein Programm für zusätzliche Investitionen
in Höhe von 10 Milliarden Euro zwischen 2016 und 2018 beschlossen.
1,3 Milliarden Euro fließen allein nächstes Jahr in Straßen, Schienen und
neue Datenleitungen. „Wir nehmen keine Abstriche bei der Infrastruktur
vor“, so Rehberg. Außerdem soll die Entwicklungshilfe bis 2019 um 8,3
Milliarden Euro steigen. Nicht zuletzt erfüllt Finanzminister Schäuble
seiner Partei den Wunsch einer wenigstens kleinen Steuerentlastung. Und
alles zusammen will die Koalition ohne neue Schulden finanzieren. Der
ausgeglichene Bundeshaushalt ist das große finanzpolitische Projekt dieser
Regierung.
8 Sep 2015
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DIR Hannes Koch
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