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       # taz.de -- Kommentar Schuldenschnitt Ukraine: Schwerter zu Blumenvasen
       
       > Die Unterstützung des IWF hat die Einigung mit den Gläubigern ermöglicht.
       > Offen bleibt, ob die Ukraine das Geld für Reformen oder für Waffen
       > ausgibt.
       
   IMG Bild: „Hülse“ mit Strauß drin: Die ukrainische Finanzministerin Natalia Jaresko hat gut Lachen
       
       Kiew hatte hoch gepokert. In seinen Bemühungen um einen Teilerlass der fast
       20 Milliarden Dollar Schulden hatte es Kiew gut verstanden, Druck auf seine
       Partner auszuüben.
       
       Mal drohte man mit einem Rückzahlungsmoratorium, mal stand die Drohung im
       Raum, bei einer Nichteinigung sei auch die Westorientierung des Landes
       gefährdet, und ukrainische Medien warnten gar vor einem zweiten
       Griechenland. So hat Kiew seine Gläubiger, die noch vor Wochen kein Prozent
       der Schulden erlassen wollten, weichgekocht.
       
       Dieser Sieg war spätestens Ende Juli abzusehen, als der Internationale
       Währungsfonds (IWF) eine weitere Rate von 1,7 Milliarden Dollar überwiesen
       hatte, obwohl eine Einigung Kiews mit den Gläubigern in weiter Ferne
       schien. Damit hatte sich der IWF auf die Seite Kiews gestellt.
       
       Lange Zeit hatte der IWF weitere Kredite von einer Einigung des Landes mit
       den Schuldnern abhängig gemacht. Ausgelassen jubelten denn auch die
       ukrainischen Kabinettsmitglieder in einer kurzfristig einberufenen
       Feierstunde.
       
       Doch was macht Kiew eigentlich mit den neu gewonnenen finanziellen
       Spielräumen? Wird es nun das Arbeitslosengeld erhöhen, den Studenten mehr
       Förderung angedeihen lassen, die Renten und Löhne der staatlichen
       Bediensteten anheben? Oder wird es weitere Schulden bedienen, die
       Devisenreserven aufstocken, Gelder in die Kriegsmaschinerie stecken?
       
       Innenminister Arsen Awakow überraschte sie alle. Als er dem Premier und der
       Finanzministerin zu dem Teilschuldenschnitt gratulierte, schenkte er beiden
       je eine bunt bemalte Hülse eines Panzergeschosses. Und in die Hülsen
       steckte er Blumensträuße.
       
       Wollte Awakow damit zu verstehen geben, dass man in Abwandlung des
       „Schwerter zu Pflugscharen“ nun Geschosshülsen zu Blumenvasen umwandeln
       werde? Oder wollte er damit einfach nur zeigen, dass man nun das Geld für
       neue Geschosshülsen hat?
       
       27 Aug 2015
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernhard Clasen
       
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