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       # taz.de -- Kriminalität im Ausgehkiez: Vorsicht vor Antänzern!
       
       > Im Ausgehkiez Revaler Straße nehmen die Straftaten zu. Auch ein Freund
       > der Sängerin Jennifer Weist wurde Opfer. Die Polizei warnt auf Facebook.
       
   IMG Bild: RAW-Gelände in Friedrichshain.
       
       Erst zwei Holländer. Dann ein Bekannter der Sängerin Jennifer Weist. Im
       Ausgehkiez Revaler Straße in Friedrichshain ist es am Wochenende zu bisher
       nie da gewesenen Gewaltvorfällen gekommen. In beiden Fällen gingen
       Taschendiebe, die am Klauen gehindert worden waren, mit äußerster
       Brutalität auf ihre Opfer los. Die Holländer wurden zusammengeschlagen, der
       Bekannte der Sängerin wurde mit einem Messer am Hals verletzt. Die Polizei
       hat inzwischen Tipps auf Facebooks veröffentlicht, wie sich Nachtschwärmer
       vor Kriminalität schützen können.
       
       Jennifer Weist, Frontfrau der Rockband Jennifer Rostock, war zugegen, als
       ihr Bekannter am frühen Sonntagmorgen auf dem RAW-Gelände attackiert wurde.
       Das Foto der zehn Zentimeter langen genähten Wunde hat sie zusammen mit dem
       Tathergang bei Facebook veröffentlicht: „Zwei kleine Jungs“ hätten zunächst
       versucht, ihr die Brieftasche zu klauen. Sie habe das bemerkt und die
       Jungen weggeschubst. Dabei sei ihrem Begleiter die Halskette vom Hals
       gerissen worden. Als dieser dem Dieb hinterhergerannt sei, „kamen noch drei
       andere Typen von der anderen Straßenseite“. Sie habe um Hilfe gerufen, so
       Weist. „Zwei Typen versuchten noch, uns zu helfen, aber es war zu spät“.
       Einer der Angreifer habe ihren Begleiter mit einem Messer am Hals schwer
       verletzt. „Es fehlten nur ein paar Millimeter, und er wäre direkt auf der
       Straße in meinen Armen gestorben“, so Weist.
       
       Man sei mit „Hochdruck“ dabei, Zeugen zu vernehmen, sagte Polizeisprecher
       Thomas Neuendorf am Mittwoch zur taz. „Es gibt vielversprechende
       Ermittlungsanhaltspunkte“. Der 26-jährige Begleiter von Weist hat das
       Krankenhaus inzwischen verlassen.
       
       Ähnlich war es in derselben Nacht zwei 19-jährigen holländischen Touristen
       im Revaler Kiez ergangen. Einer der Hollände hatte einen Taschendieb
       festgehalten, der seinem Freund das Portemonnaie stehlen wollte. Daraufhin
       hatte der Täter Verstärkung gerufen. Die Holländer wurden von rund 15
       Personen umstellt und von diesen zu Boden geschlagen und getreten. Auch sie
       wurden im Krankenhaus behandelt.
       
       Die Zahl der Straftaten rund um das RAW-Gelände sei in diesem Jahr
       angestiegen, teilte Polizeisprecher Neuendorf mit. Das gelte auch für den
       Drogenhandel. Jedoch gingen Drogenhandel und Taschendiebstahl auf das Konto
       verschiedener Täterkreise. Beim Taschendiebstahl sei die Tendenz zu
       vermehrter Körperverletzung und Raub zu beobachten. Zielgruppe seien junge
       Partygäste. Die Diebe näherten sich ihren Opfern „durch Antanzen“. Darüber,
       dass es sich um organisierte Diebesgruppen oder Banden handele, gebe es
       derzeit keine Erkenntnisse. Die Polizei gehe von kiezorientierten
       Mehrfachtätern aus, die zum Teil sehr jung seien.
       
       Auf Facebook rät die Polizei Nachtschwärmern, Wertsachen zu Hause zu
       lassen, bei einem Diebstahl laut „Hey, stopp!“ zu brüllen und zu den Tätern
       auf Distanz zu gehen. Im Zweifel sei es immer besser, die Sachen freiwillig
       herauszugeben, als diese festzuhalten. Der Eintrag von Jennifer Weist ist
       inzwischen über 55.000-mal geteilt und mehr als 10.000-mal kommentiert
       worden. Vor allem Mitgefühl wird bekundet, zum Teil aber auch Hass auf
       Migranten und Ausländer.
       
       Gegen Letzteres verwahrt sich die Band. „Wir tolerieren keine
       fremdenfeindliche Hetze auf unseren Profilen.“ Es gehe um die Aufklärung
       eines unfassbaren Verbrechens „und nicht darum, dass jetzt
       Kartoffel-Bürgerwehren durch Friedrichshain spazieren“. Die Sängerin wohnt
       selbst in Friedrichshain.
       
       19 Aug 2015
       
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