# taz.de -- Friedensverhandlungen in der Türkei: Kleine Hoffnung auf Deeskalation
> Vertreter der AKP-Regierung und der kurdischen HDP loten Chancen für
> einen Waffenstillstand aus. Es geht um die Beendigung des Krieges mit der
> PKK.
IMG Bild: In Istanbul protestieren seit Anfang der Luftangriffe viele für den Frieden.
Istanbul taz | Obwohl die Angriffe zwischen der PKK und der türkischen
Armee weitergehen, gab es Anzeichen einer möglichen Deeskalation. Erstmals
seit dem Anschlag in Suruçtrafen sich am Mittwoch in Ankara Vertreter der
kurdisch-linken HDP mit Angehörigen der AKP-Übergangsregierung von Premier
Ahmet Davutoğlu. Gleichzeitig reiste der Ko-Chef der HPD, Selahattin
Demirtas, am Mittwoch überraschend nach Brüssel – unter anderem zu
Gespräche mit wichtigen PKKlern im Exil.
Vorausgegangen war am Dienstag ein Treffen der Parteispitzen von HDP und
der sozialdemokratisch-kemalistischen CHP, bei dem über Möglichkeiten zur
Beendigung des Krieges mit der PKK diskutiert wurde. CHP-Chef Kemal
Kılıçdaroğlu, der auch mit der AKP über eine Koalition verhandelt, sicherte
der HDP jede Unterstützung zu, um einen Waffenstillstand zu erreichen.
Demirtas hatte in den letzten Tagen die PKK und die Regierung aufgefordert,
die Waffen ruhen zu lassen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Einfluss nehmen kann er im besten Fall auf die PKK und hier scheint es
Fortschritte zu geben. Da die Regierung im Moment den Zugang zum
inhaftierten historischen PKK-Chef Abdullah Öcalan verbietet, traf Demirtas
sich in Brüssel mit den einflussreichen PKK-Funktionären Zübeyir Aydar und
Remzi Kartal. Obwohl die Gespräche vertraulich waren, hieß es aus Kreisen
der HDP, die PKK sei im Prinzip bereit wieder zu verhandeln, wenn die
Angriffe der Regierung aufhörten.
Auch das Gespräch der HDP-Delegation mit einem Staatssekretär der Regierung
führte zu einem Ergebnis. Wie der HDP-Abgeordnete Sirri Süreyya Önder in
einer Pressekonferenz am Donnerstag mitteilte, wurde ihnen in Aussicht
gestellt, am kommenden Dienstag Öcalan besuchen zu können.
„Die Leute sind von der HDP enttäuscht“, berichteten Einwohner von
Diyarbakır der taz. „Die meisten hatten erwartet, dass die HDP nach dem
Wahlsieg am 7. Juni für Frieden sorgen wird.“ Ahmat S., ein Veteran der
kurdischen Bewegung, sagte: „Nach der Euphorie über den Wahlsieg ist die
Stimmung gekippt. Die HDP muss mehr tun, wenn sie bei Neuwahlen ihre
Stimmen behalten will“.
6 Aug 2015
## AUTOREN
DIR Jürgen Gottschlich
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