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       # taz.de -- Die Wahrheit: Die Virusliga
       
       > Am Freitag ist es wieder soweit, die Fußballsaison beginnt. Eine
       > grauenhafte Krankheit wird von uns Besitz ergreifen. Sieger und Verlierer
       > stehen schon fest.
       
   IMG Bild: Ausgelassen feiern die Fußballer des SV Darmstadt 98 (v.l.): Benjamin Gorka, Aytac Sulu, Marco Sailer, Jan Rosenthal und Hanno Behrens.
       
       Jetzt geht es wieder los. Am Freitag! Ich kann nicht mehr! Ich kann Fußball
       nicht mehr ertragen! Trotzdem gehe ich immer wieder hin. Es ist eine
       Viruskrankheit. Man kann sich nicht dagegen wehren. Die neue
       Bundesligasaison beginnt.
       
       Am Freitagabend spielt Bayern München gegen den Hamburger SV und wird
       mindestens 7:0 gewinnen, und wir wissen ab dann eine komplette Saison lang,
       wer Absteiger und wer Deutscher Meister werden wird. Samstag spielt dann
       Dortmund gegen Gladbach, der BVB mit neuem Trainer. Wieso weiß ich so was?
       Ja, weil ich in Dortmund wohne und weil hier niemand wohnen darf, der das
       nicht weiß!
       
       Fußball ist ein gruseliger Sport. Nicht nur wegen Herrn Blatter. In
       Deutschland ist er beliebt wie keine andere Sportart, von der Schweiz aus
       wird er korrumpiert wie sonst nur noch der internationale Waffenhandel. Die
       schlimmste Fußballkrankheit nennt man inzwischen „Blattern“: das Vergeben
       von WM-Turnieren gegen Hingeblättertes. Für Wortspielfetischisten: So kam
       es zu schwerem Katar. Ich entschuldige mich bei allen Wortspielhassern.
       
       Das Auswärtige Amt warnt inzwischen sogar schon vor Kamelritten im Nahen
       Osten, die könnten Viruskrankheiten übertragen, aber das Innenministerium
       warnt nicht vor Fußballspielen in Deutschland.
       
       Fußball ist eine Sportart, deren Prinzip der Sieg durch geduldetes
       Foulspiel ist. Permanentes Unfair-Play, das „taktische Foul“, wird schon
       den Kleinsten vermittelt. Eltern in D- und C-Jugendspielen gebärden sich
       wie Hooligans in der Kurve. Jugendliche Schiedsrichter brauchen
       Personenschutz. So ist Deutschlands liebstes Spiel. Damit prägen wir jede
       neue Kindergeneration. „Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht foult, ist dumm!“
       
       Neben dem Platz wird es ganz dumpf, denn da sitzt Deutschland, wie es leibt
       und lebt. Bei einem meiner letzten Bundesligaspiele, das ich sah, hockte
       einige Plätze weiter im Kölner Stadion dieses dumpfe Deutschland, und ein
       Zwölfjähriger rief, als „sein“ Spieler vom Schiedsrichter nach einem Foul
       die gelbe Karte bekam: „Schiri! Du verficktes Warzenschwein! Ich fick dich!
       Ich bring dich um!“ Weder Vater noch andere Mitgereiste kritisierten das
       Kind. Es hieß nur: „Genau. Gib’s ihm!“ Was soll aus diesem Kind werden?
       Bundeskanzler?
       
       Dieses Spiel macht die Welt nicht schlauer. Neulich erst fragten
       Fußballreporter deutsche Spielerinnen, ob es nicht ein Drama sei, dass
       sogenannte Fußballzwerge zu den Frauen-WMs anreisen. Das Frauenteam hatte
       gerade 10:0 gegen die Elfenbeinküste gewonnen. Fußballreporter, die
       Geistesriesen der Republik! Dann dürfte Brasilien auch nicht mehr bei der
       WM antreten, denn der Fußballzwerg von der Copacabana hat bei der letzten
       Männer-WM gegen die Riesen aus Deutschland 7:1 verloren.
       
       Wo ich selber am Samstag bin? In Hannover. In einer Kneipe. Im Shakespeare.
       Ich muss Darmstadt gegen Hannover schauen. Meine Freundin ist Fan. Da häng
       ich mit drin. Und abends gewinnt hoffentlich Dortmund gegen Gladbach!
       
       4 Aug 2015
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernd Gieseking
       
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