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       # taz.de -- Kommentar Bauernproteste in Frankreich: Die andere Europa-Krise
       
       > Nicht nur die Griechenland-Krise spaltet die EU. Auch die
       > Landwirtschaftspolitik der Union sorgt für Ärger. Das zeigt sich nun in
       > Frankreich.
       
   IMG Bild: Bauernprotest in Saint-Malo in Nordwesten Frankreichs
       
       Die Bauernproteste in Frankreich sind ein Alarmsignal. Nicht nur für die
       Regierung in Paris, die jetzt in panischer Angst vor einer Ausweitung und
       Radikalisierung der Aktionen mit einem improvisierten Unterstützungsplan
       und vage klingenden Zusicherungen reagiert.
       
       Was aber die französischen Viehzüchter und Milchproduzenten auf die
       Barrikaden treibt, ist auch ein europäisches Problem. Die EU hat nicht
       (bloß) mit der griechischen Schuldenkrise Existenzsorgen, welche die
       Zukunft der Gemeinschaft infrage stellen.
       
       In der Landwirtschaft driftet diese Wirtschaftsunion mit divergierenden
       Interessen und Methoden ebenfalls auseinander. Mit der letzten Revision der
       Gemeinsamen Agrarpolitik, die das System der Subventionen den Realitäten
       angepasst hat, wurde am Grundproblem kaum etwas geändert: Der Binnenmarkt
       ist offen, die europäische Konkurrenz frei, doch von einer Harmonisierung
       der Sozial- und Umweltnormen oder der Fiskalpolitik ist die EU immer noch
       weit entfernt.
       
       Den Preis dafür bezahlen unter anderem die französischen Landwirte. Sie
       müssen nach französischen Gesetzen und Standards produzieren, doch die
       Preise, die sie für ihre Produkte erhalten, entsprechen den europäischen
       Marktbedingungen und den billigeren Produktionskosten quasiindustrieller
       Großbetriebe in anderen EU-Staaten.
       
       Das ist aus französischer Sicht ein unfairer Wettbewerb. Gemäß
       Marktgesetzen kann das nur mit dem Ruin der kleinen Familienbetriebe enden.
       Wer will das? Den Konsumenten, die nicht immer willig sind, aus
       Patriotismus für einheimische Produkte mehr zu bezahlen, kann man nicht die
       ganze Verantwortung zuschieben.
       
       Das Alarmsignal der Straßenblockaden in der Normandie geht nach Brüssel an
       die EU, die sich mit dieser Konkurrenz mit Sozial- und Umweltdumping
       befassen muss. Nicht nur wegen des Überlebens der französischen Bauern,
       sondern auch wegen der Qualität unserer Nahrung.
       
       23 Jul 2015
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Rudolf Balmer
       
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