# taz.de -- Krise in Burundi: Gerüchte vom Bürgerkrieg
> Berichte über Kämpfe mit unidentifizierten Rebellen schüren Angst vor
> Krieg. UN warnt vor „Explosion der Gewalt“. Neue Wahlverschiebung in
> Arbeit.
IMG Bild: Brennende Barrikaden in der Hauptstadt von Burundi (Archivbild von Anfang Juni 2015).
BERLIN taz | Die politische Krise in Burundi erreicht eine neue Qualität.
Zum ersten Mal seit Beginn der Proteste und Unruhen im Zusammenhang mit der
geplanten Kandidatur von Präsident Pierre Nkurunziza zu einer dritten
gewählten Amtszeit sind offenbar Kämpfe zwischen Regierungstruppen und
bewaffneten Regierungsgegnern ausgebrochen. Lokale Medien meldeten unter
Berufung auf Militärkreise am Freitagmittag, es seien heftige Gefechte im
Distrikt Kayanza im Norden des Landes im Gange.
Die Angreifer im Bezirk Kabarore seien unter schweren Verlusten
„zurückgeschlagen“ worden, sagte ein ungenannter Militärsprecher. Ihre
Identität war unklar. In ersten Berichten war von bis zu 3.000 bewaffneten
Männern die Rede gewesen, die vom benachbarten Ruanda aus die Grenze
überschritten hätten. Andere Quellen sagten, die Bewaffneten seien aus dem
Kongo gekommen. Für keine Version gab es eine unabhängig Bestätigung.
Burundis Regierung behauptet seit langem, geflohene Gegner von Präsident
Nkurunziza würden sich in Ruanda sammeln, um von dort aus mit Unterstützung
des dortigen Präsidenten einen Umsturz in Burundi zu planen. Burundis
Polizei sowie Jugendmilizen der Regierungspartei gehen seit April mit
brutaler Gewalt gegen Demonstranten in der Hauptstadt Bujumbura vor, die
eine Kandidatur Nkurunzizas bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen
ablehnen. Auch in den ländlichen Gebieten gibt es massive
Einschüchterungen.
Über 150.000 Menschen haben das Land verlassen. Menschenrechtler sprechen
von zahlreichen Verschwundenen und Hinrichtungen, vor allem seit dem
Scheitern eines Putschversuches der Armee am 13. Mai, nachdem zahlreiche
hohe Militärs Burundi verließen.
## Am Rande des Abgrunds
In den letzten Tagen hatten mehrere burundische Exilmilitärs mit Krieg
gegen Nkurunziza gedroht und erklärt, ihre Kämpfer im Land stünden bereit.
Am Donnerstag warnte der Leiter der UN-Menschenrechtskommission vor dem
UN-Sicherheitsrat, Burundi drohe eine „Explosion der Gewalt“, da neben der
Jugendmiliz der Regierungspartei nun auch andere bewaffnete Gruppen in
Erscheinung träten. Ein dem Sicherheitsrat vorgelegter Bericht des
UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon zur Lage im Land warnte, Burundi stehe „am
Rande des Abgrunds“.
Die Spannung verschärft sich, je näher die geplante Präsidentschaftswahl
rückt. Zwar steht Nkurunzizas Sieg in Ermangelung anderer Kandidaten fest,
aber der Wahltag zwingt alle Bürger dazu, sich persönlich zum Präsidenten
zu bekennen oder eben auch nicht.
Der Wahltag wurde bereits mehrfach auf internationalen Druck hin verschoben
und ist derzeit für den 15. Juli geplant. Am Freitag allerdings erklärte
die Regierung, sie habe die Wahlkommission angewiesen, einen neuen Termin
zu suchen; vor einer Woche hatte die Regionalorganisation EAC
(Ostafrikanische Gemeinschaft) eine Verschiebung auf den 30. Juli
gefordert. Die Regierung sagt, die Wahl müsse bis zum 26. Juli stattfinden;
im Gespräch ist nun der 22. Juli.
10 Jul 2015
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DIR Dominic Johnson
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