URI:
       # taz.de -- Gentrifizierung in Kreuzberg: Bizim Bakkal darf vorerst bleiben
       
       > Hauseigentümer nimmt umstrittene Kündigung des Gemüseladens in der
       > Kreuzberger Wrangelstraße zurück. Nachbarschaftsini bleibt misstrauisch.
       
   IMG Bild: Solidaritätstreffen für den Gemüseladen „Bizim Bakkal“ in der Kreuzberger Wrangelstraße am 1. Juli 2015, auf der bekannt wurde, dass der Vermieter die Kündigung zurückgenommen hat.
       
       Die Nachricht verbreitete sich per Twitter wie ein Lauffeuer:
       [1][“Kündigung des Gemüseladens ‚Bizim Bakkal‘ zurückgenommen“]. Auch in
       der Wrangelstraße kam die frohe Botschaft am Mittwochabend an, platzte
       mitten in die Solidaritätsveranstaltung zur Rettung des
       Familienunternehmens von Ahmet Caliskan. Seitdem feiern Freunde und
       Unterstützer on- und offline ihren Sieg. Aber ist „Bizim Bakkal“ (“Unser
       Laden“) wirklich gerettet?
       
       Bei der Nachbarschaftsinitiative „Bizim Kiez“, die seit Monaten für den
       kleinen Laden kämpft, ist man vorsichtig. „Es gibt bislang keinen neuen
       Vertrag und der alte ist jederzeit wieder kündbar“, erklärt Magnus Hengge,
       Anwohner und aktiv bei „Bizim Kiez“. Merkwürdig sei zudem, dass es noch am
       Mittwochnachmittag ein Treffen der Anwälte gegeben habe, bei dem auch Ahmet
       Caliskan dabei war – da sei von einer Rücknahme der Kündigung keine Rede
       gewesen. Richtig feiern will man daher erst, wenn der neue Vertrag für
       Bizim Bakkal unterzeichnet ist.
       
       Seit Wochen treffen sich jeden Mittwochabend hunderte Anwohner, um gegen
       den Rauswurf von Bizim Bakkal zu demonstrieren – und wöchentlich werden es
       mehr. Medien, auch internationale, überschlagen sich mit Berichterstattung.
       Der Obst- und Gemüseladen, den die Familie Caliskan seit 30 Jahren
       betreibt, ist zum Symbol der Gentrifizierungsgegner geworden.
       
       Schon lange ist das östliche Kreuzberg eine hochpreisige und Tourismus
       verseuchte Gegend, schon viele Mieter mussten gehen, viele kleine Geschäfte
       schließen. Warum den verbliebenen Anwohnern ausgerechnet jetzt der Kragen
       platzt, bleibt ein wenig rätselhaft. Tatsache ist: der Fall Bizim Bakkal
       hat die Kreuzberger wieder zusammen und auf die Straße gebracht.
       
       ## Viele Fragen bleiben offen
       
       Dass sie die Entwicklung des Kiezes grundsätzlich ändern können, ist nicht
       anzunehmen. Auch im Fall Bizim Bakkal bleiben einige Fragen offen. So weiß
       bislang niemand, was mit den anderen Mietern der Wrangelstraße 77 ist, die
       der Hauseigner, die Offenbacher Immobilienfirma Gekko Real Estate, die für
       das Objekt eigens eine „Wrangelstraße 77 GmbH“ gegründet hat, ebenfalls
       loswerden will.
       
       Zudem versuchen die Anwälte des Eigentümers den Anschein zu erwecken, als
       sei Ahmet Caliskan in gewisser Weise selbst Schuld an der Situation. So
       heißt es in einer am Mittwochabend verschickten Pressemitteilung, Caliskan
       selbst sei es gewesen, der im Februar auf die Eigentümer zugegangen war,
       „mit der Überlegung, seinen Laden aus persönlichen Gründen aufzugeben“.
       
       Die Initiative sagt, dies sei eine „Falschmeldung“. Vielmehr habe sich
       Caliskan nach dem Eigentümerwechsel absichern und einen neuen Vertrag mit
       fester Laufzeit aushandeln wollen, in dem auch sein Sohn mit aufgeführt
       ist, „damit es für die Familie weitergehen kann“, wie es auf der
       [2][Facebookseite von „Bizim Kiez“] heißt.
       
       Für die Unterstützer des Gemüsehändlers ist die Strategie des Eigentümers
       klar: „Bewusst werden Halbwahrheiten gestreut, um die Solidarität zu
       zermürben.“ Dies werde aber nicht gelingen, versprechen die Anwohner auf
       Facebook, „wir stoppen diese trickreiche Verdrängungspraxis“. Die
       Mittwochstreffen in der Wrangelstraße gehen also weiter.
       
       2 Jul 2015
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://twitter.com/rbbonline/status/616309738897285120
   DIR [2] https://www.facebook.com/bizimkiez?ref=ts&fref=ts
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Susanne Memarnia
       
       ## TAGS
       
   DIR Berlin-Kreuzberg
   DIR Gentrifizierung
   DIR Bizim Bakkal
   DIR Bizim Kiez
   DIR Berlin-Kreuzberg
   DIR Berlin-Kreuzberg
   DIR Bizim Bakkal
   DIR Berlin-Kreuzberg
   DIR Bizim Bakkal
   DIR Berlin-Kreuzberg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Berlin-Kreuzberg und der Widerstand: Die Wut ist vergessen
       
       Was hat der alte Mythos von Kreuzberg mit einem Gemüseladen heute zu tun?
       Und kann der Widerstand so freundlich sein? Eine Selbstbefragung.
       
   DIR Berlin-Kreuzberg und der Protest: Bonjour Mythos
       
       Geht es um Widerspenstigkeit in Berlin, schaut man nach Kreuzberg. Das
       liegt an den alten Krawallgeschichten – doch der Mythos SO 36 funktioniert
       bis heute.
       
   DIR Geschäft Bizim Bakkal schließt: Ein Kreuzberger Symbol verschwindet
       
       Der Ladeninhaber Ahmet Çalışkan gibt aus gesundheitlichen Gründen auf. Aber
       der Kampf um den Schutz des Kleingewerbes in SO 36 geht weiter.
       
   DIR Flüchtlingsprotest in Berlin-Kreuzberg: Info-Container abgeschoben
       
       Der Bezirk räumt den Info-Container der Protest-Bewegung am Oranienplatz ab
       – angeblich mit Einverständnis der Flüchtlinge. Diese bestreiten das.
       
   DIR Kampf um „Bizim Bakkal“: Das ist unser Kiez
       
       Die Kündigung des Ladens „Bizim Bakkal“ in der Wrangelstraße ist
       aufgehoben. Für die Initiative „Bizim Kiez“ geht der Kampf gegen
       Verdrängung weiter.
       
   DIR Verdrängung im Wrangelkiez: Sie sollen einfach rausfliegen
       
       „Bizim Bakkal“ ist das letzte inhabergeführte Gemüsegeschäft im
       Wrangelkiez, jetzt soll es weichen. Der Protest dagegen wächst.