# taz.de -- Fußball-Bundesliga Relegation: Einzig die Latte ist erstligareif
> Der HSV präsentiert sich im Hinspiel gegen den Karlsruher SC wie ein
> Absteiger. Weil die Gäste ihre Chancen nicht nutzen, reicht es zu einem
> 1:1.
IMG Bild: Kommentar zum Spiel, Pierre-Michel Lasogga?
Hamburg dpa | – Die Spieler klatschten sich verhalten ab, die Fans auf der
Nordtribüne schwiegen zunächst: Nach dem 1:1 (0:1) im Hinspiel gegen den
Karlsruher SC steht der HSV endgültig am Rand des Abgrunds nach 52 Jahren
in der Fußball-Bundesliga. Nach dem frühen Rückstand durch den ehemaligen
Hamburger Jugendspieler Rouwen Hennings in der vierten Minute gelang Ivo
Ilicevic erst in der 73. Minute der Ausgleich für den Bundesliga-16. gegen
den Zweitliga-Dritten. „Wir sind nicht als Verlierer vom Platz gegangen,
das ist wichtig“, betonte HSV-Torschütze Ilicevic.
Im Rückspiel am kommenden Montag würde der Mannschaft von Trainer Bruno
Labbadia ein 0:0 nicht reichen wegen des Auswärtstores der Karlsruher. „Der
Wildpark soll brennen“, betonte KSC-Kapitän und Torwart Dirk Orlishausen.
„Heute konnte man sich eine gute Ausgangsposition schaffen. Es ist auf
jeden Fall machbar, den Dino in die zweite Liga zu schicken“, sagte
Hennings.
Mit einem 2:2 oder einem Unentschieden mit mehr Toren bliebe der HSV im 53.
Jahr nacheinander in der Bundesliga – bei einem Sieg sowieso. Der KSC kann
hingegen mit einem torlosen Remis die Rückkehr ins Oberhaus nach sechs
Jahren besiegeln. Vor einem Jahr hatte sich Dauer-Krisenclub HSV nach einem
0:0 daheim mit einem 1:1 auswärts gegen die SpVgg Greuther Fürth in der
Relegation gerettet.
Im ersten Duell mit dem KSC-Team von Trainer Markus Kauczinski rannte der
HSV über eine Stunde meist ideenlos einem Rückstand hinterher, nachdem
Hennings die KSC-Führung erzielt hatte. „Wir sind nicht der FC Bayern“,
echauffierte sich Labbadia, „auch die haben gegen Mannschaften, die hinten
tief stehen, ihre Schwierigkeiten“.
Mit einem satten Linksschuss aus rund 16 Metern nach Vorlage von Dimitrij
Nazarov hatte Hennings, Torschützenkönig der vergangenen Zweitliga-Saison,
die Hamburger Not vergrößert. René Adler streckte sich im HSV-Tor
vergeblich. „Das Tor ist nicht zu verhindern“, betonte Labbadia nach dem
Spiel.
## Anspannung überall
Unmittelbar nach dem Rückstand wirkte HSV-Vorstandschef Dietmar
Beiersdorfer auf der Tribüne alles andere als entspannt, in der
Coaching-Zone versuchte Labbadia das Team zu ordnen und anzutreiben. Mit
der gleichen Mannschaft wie beim 2:0 am Samstag gegen den FC Schalke 04
wollte er auch den Grundstein für die nächste Bundesliga-Saison der
Hanseaten legen.
Doch die Gastgeber ließen die Präzision im Zuspiel vermissen, während die
kompromisslosen Karlsruher einfach, aber effektiv agierten. Wenn sie zu
ihren Kontern antraten, herrschte höchste Alarmstufe vor dem HSV-Tor. Die
Hamburger hatten auch keine Mittel, die zwei Viererketten der Gäste zu
überwinden. Das wurde in der zweiten Halbzeit etwas besser, allerdings
hätten die Hamburger vor ihrer Drangphase auch noch höher in Rückstand
geraten können: Binnen Sekunden trafen Manuel Torres (52.) und Nazarov
(53.) aber nur die Latte.
20 Minuten später gelang Ilicevic der Ausgleich mit einem Rechtsschuss im
Strafraum ins lange Eck. Labbadia rannte mit geballter Faust in
Boris-Becker-Manier an der Seitenlinie entlang, die Fans skandierten
bereits: “Immer erste Liga.“
29 May 2015
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