URI:
       # taz.de -- STADTENTWICKLUNG: "Nicht richtig geeignet"
       
       > Gemeinschaftliche Wohnprojekte haben es auch weiterhin schwer in Bremen -
       > allen politischen Beteuerungen des guten Willens zum Trotz.
       
   IMG Bild: Vorbild Hamburg: Dort ist man bei der Förderung von Wohnprojekten wie dem StattSchloss mit 23 Wohnungen schon weiter
       
       Die Bedingungen für gemeinschaftliche Wohnprojekte in Bremen werden sich
       auf absehbare Zeit nicht wesentlich verbessern. Das geht aus einer
       Senatsvorlage hervor, mit der kommende Woche eine Kleine Anfrage der SPD
       beantwortet werden soll. Das Problem: Es gibt kaum eine rechtliche
       Handhabe, um solche Wohnprojekte gezielt zu bevorzugen.
       
       Wer bei Immobilien Bremen ein Grundstück erwerbe, dem könne nicht im
       Kaufvertrag auferlegt werden, etwa einen bestimmten Mindestanteil für
       gemeinschaftliches Wohnen zu reservieren. Im Grunde sieht der Senat im
       wesentlichen nur zwei Möglichkeiten, solche Projekte bei der Vergabe
       städtischen Raums zu fördern: Ausschreibungsfristen können verlängert
       werden, um Projekten überhaupt die Chance zu geben, sich auch
       mitzubewerben. Und: Nutzungskonzepte können bei der Vergabe mit
       "berücksichtigt" werden. Weitere Möglichkeiten würden nicht gesehen, heißt
       es in dem Papier.
       
       "Wir haben durchgesetzt, dass es möglich ist, Grundstücke nicht nur nach
       dem höchsten Preis zu veräußern", sagte der grüne Bausenator Reinhard Loske
       der taz schon vor einem Jahr. Und verwies auf das Hansewasser-Grundstück in
       Schwachhausen. Doch es allein für gemeinschaftliches Wohnen auszuschreiben,
       ist nicht zulässig. Es könnte also auch sein, dass hier ein finanzstarker
       Investor zum Zuge kommt - auch wenn Wohnprojekte "prioritär" behandelt
       werden sollen, wie es aus dem Bauressort heißt. Die Genossenschaft Bauen
       und Leben möchte auf dem mehr als 14.000 Quadratmeter großen und mehrere
       Millionen teuren Grundstück eine Solarsiedlung errichten.
       
       Zwar hat Immobilien Bremen Anfang des Jahres in einem Pilotprojekt drei
       Grundstücke speziell für Wohnprojekte ausgeschrieben, ein kleines in der
       Neustadt, zwei in Bremen-Nord. Doch nur für eines davon gab es überhaupt
       InteressentInnen - aber nur zwei. Das Objekt am Buntentorsteinweg war gar
       "nicht richtig geeignet", heißt es jetzt selbstkritisch. Die anderen auch
       nicht: Projektgruppen, sagt selbst der Senat, bevorzugen die
       innerstädtischen Lagen. Zwar ist seit längerem geplant, beim Bauressort
       zumindest eine Koordinierungsstelle für Projekte gemeinschaftlichen Wohnens
       zu errichten. Doch sie existiert noch immer nicht. In Hamburg ist man da
       deutlich weiter: Dort gibt es schon seit 2003 eine Agentur für
       Baugemeinschaften und auch eine spezielle finanzielle Förderung auch von
       Genossenschaften.
       
       Und was ist mit der noch immer mehrheitlich in bremischem Besitz
       befindlichen Gewoba? Ebenso wie im Bauressort betont man dort nachdrücklich
       die eigene Offenheit gegenüber gemeinschaftlichen Wohnformen. Und doch:
       "Derzeit ist definitiv noch nichts in der Umsetzung oder der
       detaillierteren Planung", sagt eine Sprecherin.
       
       Derzeit gibt es nach Angaben des Senats vier entsprechende Projekte im Land
       Bremen, ein selbstverwaltetes in der Neustadt mit 40 BewohnerInnen, das
       schon seit 1993 existiert, dazu das Haus am Fleet im Findorff mit 14
       Wohnungen. In Bremen-Nord wird die Cigarrenmanuafktur
       generationenübergreifend von 23 Menschen bewohnt, in Bremerhaven gibt es
       ein Objekt mit 17 Personen in 11 Wohnungen. Derzeit umgesetzt werden ein
       Projekt in Walle und eines im Geteviertel - privat organisiert.
       
       29 Jul 2010
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jan Zier
   DIR Jan Zier
       
       ## TAGS
       
   DIR Bremen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Stadtentwicklung in Bremen: Baugemeinschaften außen vor
       
       Seit fast zehn Jahren hat Rot-Grün vor, alternative Wohnformen zu fördern.
       Die Verwaltung aber arbeitet dagegen und die Politik guckt weg