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       # taz.de -- Roman "Schaumschwestern": Wünsche älterer Männer
       
       > In den "Schaumschwestern" von Thor Kunkel muss ein Geheimagent in ferner
       > Zukunft eine Sexpuppenfirma ausspionieren. Der Roman ist komprimiert und
       > zurückhaltend.
       
   IMG Bild: Junge Gespielinnen in ferner Zukunft: Sexpuppen in "Schaumschwestern".
       
       Die Krankheit namens Mensch ist verschwunden." Diese Fiktion rahmt die
       eigentliche Erzählung von Thor Kunkels Roman "Schaumschwester". Im Jahr
       3011 ist die Menschheit auf wenige Reste reduziert worden, und Grund dafür
       sind nicht etwa Naturkatastrophen oder eine Superbombe. Kunkel konstruiert
       den Exodus aus zwei aktuellen Entwicklungen: der Verbindung von Sexualität
       und Technologie und der Steigerung des gesellschaftlichen
       Altersdurchschnitts.
       
       Die Erfindung der titelgebenden Schaumschwestern erfüllt den Wunsch älterer
       Männer nach jungen Sexualpartnerinnen. Das Aufkommen der Schaumschwester
       und ihre Beliebtheit wird nicht von allen Erdbewohnern begrüßt, sodass der
       Geheimagent Kolther einen gefährlichen Auftrag bekommt: Er soll die
       Sexpuppenfirma ausspionieren und stoppen.
       
       Jener Kolther ist ein Geheimagent, wie er im Comic steht. Zur durch den
       Roman geisternden Textzeile "Go up, go down/then call it progress/for
       happiness is a warm puppet" untersucht er mit seiner Kollegin Lora den
       Fall. Er nimmt seine Rolle als Spielball der verschiedensten Seiten mit dem
       Zynismus, der nur Agenten zusteht: "Das Leben als Phänomen ist ohnehin weit
       überschätzt."
       
       Kunkel gelingt in "Schaumschwester" eine ausgewogene Kombination: Gerne
       comichaft trashig, aber nie übertrieben pornografisch - obwohl das Sujet
       immer wieder zur ausschweifenden Beschreibung der Körper reizen würde. Nur
       manche philosophische Einstreuung ist etwas fehl am Platz und will nicht so
       recht zum Cocktail aus Houellebecqscher Weltuntergangslust und
       E.T.A.-Hoffmannschen Pygmalionfantasien passen.
       
       Wo Kunkel in seinem bekanntesten Werk, dem Nazi-Porno-Machwerk "Endstufe"
       (2004), zu laut, zu viel und ziellos war, präsentiert sich "Schaumstufe"
       komprimiert und zurückhaltend. Da finden schöne Sätze ihren Platz wie etwa
       dieser Satz, der das im ganzen Roman drohende Unglück vorwegnimmt: "Die
       Ablösung des Menschen durch die Maschinen vollzog sich im Stillen, im
       Halbdunkel, fast zärtlich."
       
       Thor Kunkel: "Schaumschwester". Matthes & Seitz, Berlin 2010, 228 Seiten,
       
       14,80 Euro
       
       6 Aug 2010
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Elias Kreuzmair
       
       ## TAGS
       
   DIR Deutscher Film
       
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