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       # taz.de -- Ethical Hacker über digitale Zerstörung: "Hacker sind Künstler"
       
       > Cyber-Attacken hat er den Krieg erklärt. Trotzdem findet der
       > IT-Sicherheitsbeauftragte Michael Schönborn durchaus Worte der
       > Bewunderung für eine Zunft, die er eigentlich bekämpft.
       
   IMG Bild: Masken des Hacker-Kollektivs Anonymous: "Haben Lust daran, Systeme zu überlisten."
       
       taz: Herr Schönborn, was genau bringen Sie Ihren Klienten bei, damit sie
       zum Ethical Hacker werden? 
       
       Michael Schönborn: Ich vermittle ihnen die Möglichkeiten zu hacken. Da
       schauen wir dann zum Beispiel, was es an öffentlich zugänglichen
       Informationen über eine Firma gibt und wie man diese für das Hacken gezielt
       nutzen könnte. Ich zeige auch, wie man Trojaner platziert oder Passwörter
       ausspäht.
       
       Geht es also nicht um die Abwehr von Cyber-Attacken? 
       
       Doch, natürlich. Das ist wie bei der Kriegsführung: Man muss wissen, wie
       angegriffen wird, um sich ausreichend schützen zu können. Das Ganze spielt
       sich aber nicht nur virtuell ab. Wir schauen uns auch an, wie gut der
       Serverraum einer Firma gesichert ist und was für Schlösser verwendet
       werden.
       
       Ist es nicht leichtsinnig, so ein gefährliches Wissen einfach
       weiterzugeben? 
       
       Das ist eine schwierige Frage. Das Wissen um diese Technik ist neutral. Es
       kommt darauf an wie man sie einsetzt. Man kann vielleicht die Frage
       stellen: Kann ich mir einen Staat ohne Armee erlauben, wenn er dadurch
       verwundbar würde? Mit dem Wissen, das ich anbiete, kann man auf jeden Fall
       viel Schaden anrichten, ähnlich wie ein Staat mit seiner Armee. Aber dieses
       Wissen ist auch unentbehrlich, um sich ausreichend schützen.
       
       Ist das Attribut "ethisch" dann nicht irreführend? 
       
       Die Bezeichnung Ethical Hacker hört sich natürlich äußerst brisant an. Zwei
       gegensätzliche Begriffe, so ähnlich wie „schwarze Milch". „Ethisch" an
       meiner Arbeit ist, dass ich dasselbe Wissen eines Hackers habe, es aber im
       Positivem anwende. Ich selbst würde mich auch als ethischen Menschen
       bezeichnen. Ich würde nie einer Fliege etwas zuleide tun.
       
       Stellen Sie dann auch sicher, dass bei Ihnen nur ethisch einwandfreie
       Menschen geschult werden? 
       
       Was mache ich denn mit einem Geschäft, das Messer verkauft? Das kann auch
       nicht jeden Käufer vorher überprüfen, ob er damit nichts Böses anstellen
       wird. Allerdings muss man dazusagen, dass der Kurs bei mir wahnsinnig teuer
       ist, was Privatpersonen ohnehin abschreckt. Die meisten werden von Firmen
       geschickt. Um Hacker zu werden, muss man auch nicht mein Training
       absolvieren. Dazu reicht ein Blick ins Netz.
       
       Wie sieht denn der "klassische" Hacker aus? 
       
       Das lässt sich so einfach nicht sagen: Es gibt professionelle
       Industriehacker, die auf Firmen angesetzt werden, aber auch sogenannte
       "Skriptkiddies", die beim Hacken nur auf Zerstörung aus sind und daran Spaß
       haben. In Russland und der Ukraine, wo ich viel unterwegs bin, gibt es
       viele kriminelle Banden, die durch Hacken Millionäre geworden sind. Da
       werden Leute hoffnungslos ausgebeutet. Das ist furchtbar. Auf der anderen
       Seite gibt es aber auch Hacker, die nur Interesse daran haben, die Grenzen
       der Technik auszuloten und sie weiterzuentwickeln.
       
       Wie leicht ist es denn, Daten auszuspähen? 
       
       Man kann nicht einfach denken: Da gibt es ein Passwort und das muss ich nur
       knacken, schon bin ich drin. Hacker betätigen sich eher als Künstler. Dabei
       muss man oft um viele Ecken denken und kreativ sein. Das reicht von
       "Dumpster Diving", also das Wühlen im Müll, um an Daten einer Firma zu
       kommen, bis hin zu "Social Engineering", das Knüpfen von Kontakten zu
       frustrierten Angestellten. Beliebt sind auch "Phishing"-Attacken. Da lockt
       man User über einen Link auf eine Seite, wo sie Daten angeben, die dann
       ausgespäht werden.
       
       Und das fällt nicht auf? 
       
       Über Umleitungen kann man das so aufbauen, dass die Person kaum merkt, dass
       sie gerade gehackt wurde.
       
       Klingt kompliziert... 
       
       Hacken ist ja generell die Lust daran, Systeme zu überlisten. Das ist damit
       vergleichbar, sein Mofa zu frisieren, dass es schneller fährt. Im Prinzip
       also nichts Negatives. Die meisten Hacker sind keine üblen Menschen, wie es
       die Presse oftmals darstellt. Das sind einfach Menschen mit Neugier. Aber
       natürlich passiert es dann schnell, dass man auf die kriminelle Seite
       gerät.
       
       Ist Hacking in dieser massiven Form ein neues Phänomen? 
       
       Das Problem ist, dass IT-Systeme heutzutage immer komplexer werden. Ein
       gutes Beispiel ist die Entwicklung, dass jeder vom Handy aus Zugriff auf
       seine Emails hat. Allein dadurch ist für Hacker ein komplett neues
       Betätigungsfeld entstanden. Das eigentliche Problem dabei ist aber, dass
       die Entwickler solcher Systeme nicht immer das Thema Sicherheit im
       Hinterkopf haben. Für sie steht eher die Funktionalität und die
       Nutzerfreundlichkeit im Vordergrund. Das können Hacker dann ausnutzen.
       
       Wie beim Abhörskandal in Großbritannien? 
       
       Ja. Das war eigentlich ein ganz einfacher Hack. Den hätte jeder machen
       können. Um Mailboxnachrichten auszuspähen, genügt es schon, ein paar Codes
       durchzuprobieren. Die meisten haben simple Zahlenfolgen, die sich einfach
       knacken lassen. Viele verwenden auch gar keinen Sperrcode. Das System ist
       einfach nicht sicher.
       
       Gibt es also noch zu wenige von Ihrer Zunft? 
       
       Ja, auf jeden Fall. Die meisten IT-Leute spezialisieren sich eben nur auf
       die Firewall, also dass der Zugang zum Internet geschützt ist. Wenn Firmen
       ihre IT-Experten dann zu mir schicken, sind die häufig total überrascht,
       was es für Hacking-Möglichkeiten gibt. Das ist vergleichbar mit jemandem,
       der eine einbruchsichere Haustür hat, aber nicht an das Toilettenfenster
       denkt. Viele Firmen wollen auch einfach nicht so viel Geld für die
       Sicherheit ausgeben, weil man davon keinen unmittelbaren Profit hat.
       
       Was halten Sie eigentlich von politisch motiviertem Hacking à la Anonymous? 
       
       Wenn es destruktiv ist, ist es auf jeden Fall falsch. Ich bin Pluralist und
       Verfechter der freien Meinungsäußerung. Ich habe allerdings keine Sympathie
       dafür, wenn Systeme kaputt gefahren werden. Wenn eine Website gehackt wird,
       um dort eine politische Botschaft zu platzieren, dann ist das für mich wie
       Graffiti. Davon halte ich nicht viel.
       
       Würden Sie uns bei all den Cyber-Attacken empfehlen, lieber offline zu
       bleiben? 
       
       So viele Bereiche sind heutzutage vom Internet abhängig. In England wird
       sogar die Steuererklärung online abgewickelt. Sich vom Netz zu
       verabschieden, dafür ist es zu spät. Ein paar Tipps gibt es schon, um sich
       zu schützen: Bei Kreditkarten sollte man ein relativ niedriges Limit haben,
       falls mal was passiert. Und man sollte sich immer dessen bewusst sein, dass
       der eigene PC ausgespäht werden könnte. Auch Virenprogramme sind nur zu 90
       Prozent sicher.
       
       22 Jul 2011
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Marcus Goossens
       
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   DIR Staatstrojaner
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   DIR Cyberkriminalität
   DIR Schwerpunkt Überwachung
       
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