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       # taz.de -- Kommentar Zweiter Arbeitsmarkt: Kein Platz für Angeknackste
       
       > Die "Integration" von Erwerbslosen in den ersten Arbeitsmarkt ist fast
       > alleiniges Ziel. Was mit denen passiert, die nie dorthin gelangen,
       > interessiert Schwarz-Gelb nicht.
       
       Das Gesetz zu den "Eingliederungschancen" am Jobmarkt und die
       milliardenschweren Kürzungen bei den Beschäftigungsmaßnahmen, die infolge
       des Sparpakets fällig werden, markieren auch eine ideologische Wende.
       
       Eingedampft wird der "zweite Arbeitsmarkt", also Maßnahmen, die
       Tagesstruktur, sinnvolle Betätigung und ein Zubrot verschaffen, aber kaum
       Eingliederung in einen regulären Vollzeitjob versprechen. Dabei werden auch
       die alten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) gesetzlich beerdigt.
       
       Man wolle mit dem Abschied vom "zweiten Arbeitsmarkt" den "Lock-in"-Effekt
       vermeiden, heißt es beim Bundesarbeitsministerium. Damit sind Biografien
       gemeint, in denen die Erwerbslosen eine Maßnahme nach der andern
       absolvieren und dadurch angeblich sogar davon abgehalten werden, sich auf
       dem härteren ersten Arbeitsmarkt einen Job zu suchen. Die "Integration" der
       Erwerbslosen in einen sozialversicherungspflichtigen Job ist jetzt fast das
       alleinige Ziel.
       
       Diese Begründung klingt vordergründig - sie entspricht aber nicht den
       Gegebenheiten bei vielen Empfängern von Arbeitslosengeld II. Die
       Grundsicherung ist längst auch zu einem Auffangbecken geworden für eine
       Klientel, die aus gesundheitlichen oder Altersgründen den Anschluss an die
       Erwerbswelt nicht mehr schafft. Darunter sind Menschen, die sich in anderen
       EU-Ländern in der Invalidensicherung befinden, bei uns aber in Hartz IV
       landen.
       
       In einer Gesellschaft, wo der Bezug von Erwerbsminderungsrenten erschwert
       ist und der gesetzliche Ruhestand immer später beginnt, dürfte der Anteil
       dieser Betroffenen zunehmen. Ob und wie man diesen BürgerInnen sinnvolle
       Beschäftigungsmöglichkeiten bietet, ist eine künftige soziale Frage. Die
       Bundesregierung interessiert sich leider derzeit nicht dafür.
       
       23 Sep 2011
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Barbara Dribbusch
   DIR Barbara Dribbusch
       
       ## TAGS
       
   DIR Müsli
       
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