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       # taz.de -- Unsere Sotschi-Vierbeiner: Ein Herz für Hunde
       
       > Einer der reichsten Russen will ein Adoptionsprojekt für einsame Bellos
       > auflegen. Doch das angekündigte Tierheim gibt es gar nicht.
       
   IMG Bild: Pfiffi und Brutus, 11 Monate alt, suchen ein neues Zuhause. Verspielt, kuscheln gerne.
       
       SOTSCHI taz | Sie sind allgegenwärtig, die Straßenköter von Sotschi. Wer
       durch die Olympiastadt bummelt, dem wird bald ein herrenloser Hund
       begegnen. Und wer sich via Twitter über die Spiele informiert, dem wird
       schnell auffallen, dass es von gefühligen Tweets über die olympischen
       Straßenhunde [1][nur so wimmelt].
       
       Oft ist da von Massakern an den Tieren die Rede, von Tötungsprogrammen, die
       die Stadtverwaltung initiiert haben soll, und von fiesen Hundejägern, die
       um des Kopfgelds wegen auf alles schießen, was vier Beine hat. Und seit der
       Freeskier [2][Gus Kenworthy], Silbermedaillengewinner im Slopestyle, unweit
       des Pressezentrums in Krasnaja Poljana einen Wurf mit vier Welpen entdeckt
       und angekündigt hat, alles dafür zu tun, dass er die die Hunde mit nach
       Hause nehmen kann, werden in seinem Heimatland USA haufenweise
       Adoptionswünsche geäußert.
       
       Einer der reichsten Männer Russlands hat nun angekündigt, ein
       Adoptionsprogramm anschieben zu wollen. [3][Oleg Deripaska], in dem von der
       Geldpostille Forbes veröffentlichten russischen Reichenranking mit einem
       Vermögen von 8,8 Milliarden Euro auf Platz 14 geführt, will die
       Straßenhunde in einem Tierheim aufnehmen und von dort aus weitervermitteln.
       
       Seit Mittwoch ist eine [4][Facebookseite online], die über das Projekt des
       Oligarchen informiert. Der hat der BBC mitgeteilt, dass er ein großer
       Hundefreund sei, weil er in seiner Jugend selbst einen kleinen Köter von
       der Straße aufgelesen habe, den er dann als Haustier gehalten habe. Seine
       Stiftung Wolnoje Djelo hat 15.000 Euro für ein Tierheim springen lassen,
       heißt es auf der Seite. Für den Unterhalt sollen weitere 56.000 Euro pro
       Jahr fließen.
       
       Die billige Imagepflege für den russischen Aluminiumkönig scheint sich
       auszuzahlen. US-Medien wie [5][Fox News feiern Deripaska] schon als Helden.
       Das ist der Mann von westlichen Medien nicht gewöhnt. Er hat am Bau des
       neuen Hafens von Adler ebenso mitgewirkt wie bei der Fertigstellung des
       olympischen Dorfs sowie der Erweiterung des Flughafens. Er ist einer jener
       Olympiagewinnler, wegen derer die Spiele so teuer geworden sind. Als
       korrupter Olympiaerbauer will er sich nicht bezeichnen lassen, die
       Geschichten über sein Herz für Tiere liest er gewiss viel lieber.
       
       Dabei gibt es das Tierheim, von dem bei Facebook schon Bilder zu sehen
       sind, noch gar nicht. In Baranowka, einem kleinen Bergdorf auf den Hügeln,
       die sich direkt hinter Sotschi erheben, sollen die Hundegehege sein, so
       teilt es die Stiftung mit. Wer dort oben danach fragt, der blickt in
       staunende Gesichter. Niemand weiß etwas von Deripaskas Geschenk an die
       Hundefreunde dieser Welt. Dafür kennen sie ein anderes Tierheim. Hinter dem
       Dorf, an einem der Küste abgewandten Hang, seien 150 Hunde untergebracht,
       heißt es.
       
       In Augenschein nehmen darf man das Tierheim nicht. Ein Milizionär achtet
       darauf, dass sich niemand den Hunden, deren Bellen von den Hängen
       widerhallt, nähert. Er lässt sich den Pass zeigen, macht ein Foto davon und
       fertigt eine Notiz an. „Ich muss das machen“, sagt er. „Hier kann nicht
       jeder einfach kommen.“ Fragen zu dem Tierheim beantwortet er nicht.
       Immerhin ist ihm zu entlocken, dass die Hundekäfige vom Magistrat der Stadt
       Sotschi aufgestellt wurden.
       
       In Baranowka hat man sich an das Bellen gewöhnt. Seit zwei Monaten seien
       die Hunde hier, sagt der junge Mann, der vor dem Dorfladen steht. Hatte die
       Stadt nicht mitgeteilt, dass schon vor einem Jahr ein Tierheim eröffnet
       worden sei? „Da hat man vielleicht mit der Planung begonnen“, sagt der
       Mann.
       
       Zu Beginn der Spiele hatte Dmitri Tschernischenko, der Chef des lokalen
       Organisationskomitees, genau das gesagt. Bei der Eröffnungspressekonferenz
       im Medienzentrum musste er sich aber auch über den Fragesteller wundern,
       der davon ausgegangen war, dass die Berichte über gezielte Tötungen
       stimmen. Von „Hundediskriminierung“ habe er nie etwas gehört.
       
       Dann bestätigte er, dass man sich Sorgen gemacht habe über die wachsende
       Hundepopulation. Die Bauarbeiter, die in temporären Unterkünften
       untergebracht waren, hätten die Tiere mit Speiseresten angefüttert, so dass
       sich die Stadt entschlossen habe, ein Tierheim einzurichten.
       
       Für Tschernischenko und die Stadt Sotschi geht es in diesem Fall nicht um
       das Wohl der Hunde. Ihnen ist vor allem wichtig, dass die Hunde weg von der
       Straße sind. Die Besucher der Spiele sollen keine Angst haben, dass sie
       angebellt oder gebissen werden. Dass nur noch wenige Hunde über die
       olympischen Anlagen streunen, habe auch mit der Heimreise der Fremdarbeiter
       zu tun. Für ihn ist das Problem gelöst. Und wer sich über das Tierheim
       informieren wolle, dem stehe es frei, es zu besichtigen, sagte
       Tschernischenko.
       
       Wahrscheinlich hat er nicht damit gerechnet, dass sich wirklich jemand auf
       den Weg nach Baranowka macht. Dort oben, wo ein schäbiger Quadpark und ein
       Paintball-Parcours die einzigen Sehenswürdigkeiten sind, lachen die Männer,
       die vor der Bar des Ortes sitzen, als sie auf die Hunde angesprochen
       werden. „Ihr mögt Hunde in Deutschland sehr, nicht wahr?“, fragt er.
       Straßenhunde gehören für sie zum Alltag. Auch in diesem Moment schwänzeln
       zwei kniehohe Straßenmischungen um die Bar herum.
       
       Ob sie glauben, dass in Sotschi Hunde umgebracht werden? Wieder lachen sie.
       „Von irgendwelchen Usbeken vielleicht, damit sie etwas zu essen haben“,
       sagt einer. Von Deripaskas Hundeliebe haben sie auch noch nichts gehört.
       
       Aus dessen Firma Basowyj Element kommt auf die Frage, ob man das neue
       Tierheim besichtigen könne, eine ausweichende Antwort. Am 21. Februar wolle
       man der internationalen Presse die Pläne für das Heim vorstellen. Und auch
       über die Möglichkeiten von Hundeadoptionen solle da informiert werden. Ja,
       es gebe schon ein Tierheim in Baranowka. „Wir sind Nachbarn“, heißt es.
       Deripaskas Herz für Hunde ist vielleicht doch nicht ganz so groß.
       
       15 Feb 2014
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://twitter.com/search?q=dog%20sochi&src=typd
   DIR [2] http://twitter.com/guskenworthy/status/433317626878885888
   DIR [3] /!114576/
   DIR [4] http://www.facebook.com/povoDOG
   DIR [5] http://www.foxnews.com/world/2014/02/10/russian-billionaire-dog-shelter-offers-sochi-strays-second-chance/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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