# taz.de -- Überwachung von SIM-Karten: Mithören leicht gemacht
> Geheimdienste haben Schlüsselcodes für SIM-Karten abgefangen und können
> so einen guten Teil der Kommunikation abhören.
IMG Bild: Wer den Code hat, kann in den Karten lesen
BERLIN taz | Der US-Geheimdienst NSA und der britische Dienst GCHQ haben in
großem Stil Verschlüsselungscodes für SIM-Karten abgegriffen – und können
so die Handykommunikation von Millionen von Nutzern mithören. Das geht aus
Folien des britischen Geheimdienstes GCHQ aus dem Fundus von Edward Snowden
hervor, die das Portal The Intercept nun
//firstlook.org/theintercept/2015/02/19/great-sim-heist/:in Teilen
veröffentlicht hat. Demnach haben sich Geheimdienstmitarbeiter Zugriff auf
die Schlüssel des weltweit größten SIM-Kartenherstellers, des
niederländischen Unternehmens Gemalto, verschafft. Gemalto teilte mit, die
Veröffentlichung ernst zu nehmen und den Hinweisen nachzugehen. Es ist
davon auszugehen, dass auch Kunden in Deutschland betroffen sind.
Die Schlüssel sind für Geheimdienste interessant, weil neue Generationen
des Mobilfunks – auf den Telefonen meist angezeigt als 3G, 4G oder LTE –
nicht mehr so leicht abhörbar sind wie ältere 2G-Telefone. Wer unbefugt an
die Kommunikation – seien es Gespräche, Nachrichten oder Datenverbindungen
– gerät, braucht einen Schlüssel, um sie zu decodieren. Ohne passenden
Schlüssel kann viel Zeit und Rechenaufwand nötig sein, um die Kommunikation
im Klartext zu erhalten.
Damit der Mobilfunkanbieter die verschlüsselte Kommunikation bereitstellen
kann, erhält er eine Kopie des Schlüssels – und hier gibt es eine
Schwachstelle, die die Geheimdienste nutzten: Die Schlüssel müssen vom
Hersteller der SIM-Karte an den Mobilfunkanbieter übertragen werden. Das
geschah per E-Mail oder mittels des Übertragungsprotokolls FTP. Und dabei
hatten es die Geheimdienste mitunter einfach: Denn die Daten wurden bei der
Übertragung teilweise nur unzureichend, mitunter auch gar nicht
verschlüsselt.
Laut Intercept geht es um Millionen von Schlüsseln, die abgegriffen wurden,
und das allein in einen Zeitraum von drei Monaten im Jahr 2010, auf den
sich das Dokument bezieht. Schadsoftware auf den Rechnern, erlaubte den
Spionen Zugang. „Wir glauben, dass wir das gesamte Netzwerk haben“, heißt
es in der Präsentation. Auch eine nachträgliche Entschlüsselung früher
abgefangener Kommunikation ist möglich. Denn eine Technologie, die bei
jeder Sitzung neue Schlüssel erzeugt, das sogenannte Perfect Forward
Secrecy, gibt es bei SIM-Karten nicht.
## Sind weitere Systeme betroffen?
Gemalto arbeitet nach eigenen Angaben mit weltweit 450 Mobilfunkanbietern
zusammen. Wer alles darunter ist, ist nicht bekannt, The Intercept nennt
jedoch die Deutsche Telekom. Im Jahr 2011 seien dem Dokument zufolge
450.000 Karten allein in einer einzigen Ladung von einer Fabrik in Mexiko
nach Deutschland geliefert worden. Die Telekom teilte mit, dass man eine
Variante des Verschlüsselungsalgorithmus nutze – aber nicht ausschließen
könne, dass auch diese kompromittiert sei.
Offen ist derzeit, ob weitere Systeme betroffen sind. Denn Gemalto stellt
neben SIM-Karten unter anderem Zugangskarten für Gebäude, Bankkarten und
elektronische Pässe her. So kooperiert das Unternehmen etwa bei der
Bezahlung mittels Handy mit Vodafone. Kunden sind auch Audi, die Deutsche
Post, Visa und Mastercard. Auch etwas, das nahezu jeder Deutsche im
Portemonnaie hat, kommt unter anderem von Gemalto: die elektronische
Gesundheitskarte.
20 Feb 2015
## AUTOREN
DIR Svenja Bergt
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