# taz.de -- Kommentar Asyl- und Bleiberecht: Kein Ende der Internierung
> Ziel des Aufenthaltsbeendigungsgesetzes war das Bleiberecht für
> Geduldete. Für viele Flüchtlinge bedeutet es aber das Gegenteil –
> Ausweisung oder Haft.
IMG Bild: Von Unterstützern gefordert, von CDU und SPD versprochen und nicht konsequent umgesetzt: Bleiberecht für langjährig Geduldete.
Nein, sagt das Innenministerium, es sei alles ganz anders. Weder gehe es
bei der aktuellen Reform darum, dass Flüchtlinge in Zukunft von Deutschland
nichts weiter sehen als Gefängniszellen von innen. Noch wolle man
verhindern, dass sich langjährig Geduldeten endlich ein Ausweg aus dem
elenden Schwebezustand bietet, in dem sie leben. Schließlich hat man sich
mit der SPD per Regierungsprogramm auf eine Bleiberechtsregelung für diese
Gruppe verpflichtet. Dass diese nun kommt, ist ein echter Fortschritt.
Doch wirklich mittragen mochten zumindest Teile der Union dieses Vorhaben
wohl nicht. Anders ist nicht zu erklären, dass sie trotz aller Kritik eine
effektive Hintertür für alle Ausländerbehörden einbaut – auch, wenn sie
diese Absicht in der Gesetzesbegründung von sich weist. Wozu die Klauseln
sonst gut sein sollen, bleibt ihr Geheimnis.
Fakt ist: Wer geduldet ist, dem kann allein deshalb in Zukunft der weitere
Aufenthalt in Deutschland verboten werden – und somit das eigentlich
winkende Bleiberecht. Dass die Ausländerbehörden darauf verzichten, von
ihren neuen Möglichkeiten im Kampf gegen unerwünschten Aufenthalt Gebrauch
zu machen, ist ausgeschlossen.
Und während die Syriza-Regierung in Griechenland tatsächlich Ernst zu
machen scheint mit dem Ende der Internierung, geht Deutschland den
umgekehrten Weg. Im Frühsommer hatten Gerichte Deutschland dafür gerügt,
Flüchtlinge in normalen Gefängnissen in Abschiebehaft zu nehmen. Viele
hatten damals gehofft, die Abschiebehaft könnte komplett abgeschafft
werden.
Jetzt kommt es anders, auch wenn dafür wohl eine ganze Reihe neuer
Abschiebeknäste gebaut werden müssen. Für alle Flüchtlinge, die über einen
anderen EU-Staat kommen heißt dies: Knast, von Anfang an.
6 Mar 2015
## AUTOREN
DIR Christian Jakob
## TAGS
DIR Abschiebehaft
DIR CDU
DIR Flüchtlinge
DIR Bleiberecht
DIR Asylrecht
DIR Abschiebe-Gefängnis
DIR Abschiebehaft
DIR Bertelsmann-Stiftung
DIR Deutschland
DIR Asylrecht
DIR Abschiebung
DIR Schwerpunkt Pegida
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Drohende Abschiebung Richtung Kosovo: Der Unrechtsstaat wohnt in Leer
Nachdem ein Familienvater ohne Rechtsgrundlage elf Tage lang in
Abschiebehaft saß, soll er am Donnerstag mit seiner Frau und sechs Kindern
das Land verlassen.
DIR Geplantes Abschiebegesetz: Aktivisten besetzen SPD-Zentrale
Ein neues Bündnis für Bleiberecht startet eine Aktionswoche. Auftakt ist
Besetzung des Willy-Brandt-Hauses, Schlusspunkt eine Kundgebung.
DIR Einwanderung nach Deutschland: „Gegenseitiges Nehmen und Geben“
Laut einer Emnid-Umfrage werden Einwanderer in Deutschland offener
empfangen. Auch Migranten zeigen sich immer zufriedener mit der
Willkommenskultur.
DIR Änderung des Asyl- und Bleiberechts: Einladen, einsperren oder abweisen
Die Reform des Bleiberechts für langjährig Geduldete soll am Freitag
beschlossen werden. Doch mit ihr werden auch die Haftgründe erweitert.
DIR Kommentar Einwanderungsgesetz: Auf das Kleingedruckte kommt es an
Reines Nützlichkeitsdenken bei der Zuwanderung ist keine Lösung. Denn es
ist nur eine Illussion, dass Zuwanderung passgenau steuerbar ist.
DIR Oranienplatz-Verfahren abgeschlossen: "Entscheidend ist der politische Wille"
Rechtsanwältin Berenice Böhlo kritisiert, die Berliner Ausländerbehörde
habe bei den Oranienplatz-Verfahren ihre juristischen Spielräume nicht
genutzt.
DIR Abgeschobene Roma-Familie: Das Elend grün-roter Realpolitik
Erst kam die Abschiebung aus Baden Württemberg. Jetzt muss eine
Roma-Familie unter katastrophalen Bedingungen in Serbien leben.
DIR Kolumne German Angst: Hauptsache Familienfrieden
Wenn Ausländer gejagt und Flüchtlinge aus dem Land gewünscht werden, dann
sind deutsche Befindlichkeiten Thema.