# taz.de -- Kolumne Wichtig: Re:Re:Re:Re:Re:Re:Re: Homolobby fü
> „Schwul & Schwuler“ klagen über Fettleibigkeit. Absurd. Die eigentlichen
> Opfer produziert die Schönheitsindustrie, die Frauen vorschreibt, sich
> schön zu finden.
IMG Bild: Die meisten Frauen gehen durch die „Average“-Tür.
Wer über Fettleibigkeit klagt, obwohl er [1][so schmuck aussieht wie die
Herren Schwul und Schwuler], ist tatsächlich ein talentiertes Opfer. Und
zwar seiner Selbstwahrnehmung. Während Adipositas nämlich eine richtige,
echte Krankheit ist, sind ein paar gefühlte Kilo zu viel maximal ein
Luxusproblem
Gute Ideen, wie man zwei Kilo in zwei Tagen los wird, gibt es übrigens auf
[2][gutefrage.net]: Haare entfernen. Arm abschneiden. Einfach das Gehirn so
lange ablegen. Ich für meinen Teil habe gestern Abend ja gekotzt.
Allerdings nur, weil das Essen verdorben war. Bei Interesse gebe ich aber
gerne die Anschrift des Schnellimbisses weiter. Eine Magen-Darm-Grippe ist
meistens schwieriger aufzutreiben.
Jedenfalls ist es immer noch besser, ein Opfer der Schönheitsindustrie zu
sein, als für sie zu arbeiten. Womit wir bei der Pflegemarke Dove wären.
Der total uneigennützigen Unilever-Tochter geht es ja hauptsächlich darum,
dass alle Frauen ihre wahre Schönheit erkennen. Sogar die dicken und alten.
Das findet auch die Brigitte ganz toll, die längst wieder Profi-Models
anstatt normaler Frauen engagiert, aber nur, weil die Leserinnen sich im
Vergleich mit den normalen Frauen noch schlechter fühlen als sonst.
Gerade kursiert jedenfalls ein Video im Netz, mit dem Dove seine neue
Aktion promotet. Darin gehen Frauen durch Türen und kommen auf der anderen
Seite wieder raus. Welchen der beiden Eingänge sie benutzen, lässt
Rückschlüsse auf ihr Selbstwertgefühl zu: Über dem linken steht
„Beautiful“, über dem rechten „Average“.
Dass die meisten durch die rechte Tür gehen und sich demnach als
durchschnittlich empfinden, untermauert ganz wunderbar die Ergebnisse der
hauseigenen Studie. Die besagt, dass sich nur 2 Prozent der deutschen
Frauen als schön bezeichnen würden. Auf die restlichen 98 Prozent will Dove
aber keinesfalls verzichten, denn das sind ja alles kaufkräftige Kundinnen.
Los, findet euch schön!, flüstert die Bodylotion. Gebt euch nicht auf!,
raunt das Körperöl. Dafür braucht ihr aber mich, ruft die Creme, nur ich
zeichne eure Haut so weich wie die Kamera im Video.
Abgesehen davon, dass eine dritte Tür mit der Aufschrift „Ugly“ interessant
gewesen wäre, fühle ich mich von der Aufforderung „Choose Beautiful“ unter
Druck gesetzt. Entschuldigung, aber ich kann mich wirklich nicht immer
schön finden. Das ist doch viel zu anstrengend. Außerdem hat es mit der
Tagesform zu tun, wie gut oder schlecht ich mich fühle. Wenn früh aufstehen
mit fettigen Haaren und PMS zusammenfällt, dann will ich verdammt noch mal
durch die hässliche Tür gehen!
Einfach, weil ich es kann. Und weil ich mir an diesem speziellen Tag
ausnahmsweise mal keine Gedanken um mein Aussehen machen möchte. Vielleicht
konzentriere ich mich stattdessen auf die Gefühle, die nichts mit meinem
Körper zu tun haben. Ja, doch, die gibt’s auch. Oder auf mein Gehirn. Es
sei denn, ich habe es gerade abgelegt, weil ich zwei Kilo abnehmen will.
13 Apr 2015
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DIR Franziska Seyboldt
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