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       # taz.de -- NPD provoziert mit Webseite: .kz
       
       > Die Webseite der Nazi-Partei ist mit dem kasachischen Länderkürzel „.kz“
       > zu erreichen. Verantwortlich dafür ist eine bekannte Partei-Größe.
       
   IMG Bild: Hat offenbar KZ-Sehnsuchtsphantasien: Matthias Faust.
       
       BERLIN taz | Kasachische Sympathisanten will die NPD wohl nicht ansprechen
       mit der Domain, unter der die Bundespartei seit einiger Zeit im Netz zu
       erreichen ist – denn Internationalismus ist kaum der Anspruch der
       Nazi-Partei. Viel eher muss es als bloße Provokation und Ringen um
       Aufmerksamkeit um jeden Preis verstanden werden, dass neben der offiziellen
       Adresse npd.de auch die Adresse npd.kz zur Webseite der Bundespartei führt.
       Der Tag der Domain-Anmeldung könnte ebenfalls nicht zynischer gewählt sein:
       Es ist der 9. November 2014, der Jahrestag der Reichspogromnacht.
       
       Für die Registrierung mit dem Länderkürzel Kasachstans zeichnet sich laut
       dem Datenbanksystem [1][Whois] der ehemalige stellvertretende
       Bundesvorsitzende Matthias Faust verantwortlich. Zuletzt war der frühere
       Vorsitzende der Deutschen Volksunion (DVU), der die Fusion mit der NPD
       maßgeblich vorangetrieben hatte, nur noch Beisitzer im Bundesvorstand. Doch
       als Redakteur der NPD-Hauspostille „Deutsche Stimme“ hat Faust eine der nur
       noch wenigen Stellen, die die notorisch klamme Partei zu vergeben hat.
       
       Für Faust und die Partei könnte die positive Bezugnahme auf die
       Massenvernichtung in den Konzentrationslagern folgenlos bleiben. Zwar ist
       das Verherrlichen von NS-Zeit und KZs sowie die Verhöhnung der Opfer
       strafbar, nicht aber die Anmeldung einer Domain in einem anderen Land. Doch
       in der Debatte um ein [2][neuerliches NPD-Verbotsverfahren], das die
       Innenminister der Länder derzeit vor dem Bundesverfassungsgericht
       anstrengen, könnte der Fall womöglich als ein weiteres Indiz für die
       Verfassungsfeindlichkeit der Partei dienen.
       
       „Die NPD will als seriöse Partei wahrgenommen werden und kokettiert
       gleichzeitig mit Holocaust-Anspielungen“, sagt Ulli Jentsch vom
       [3][Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Apabiz] in Berlin.
       Nachdem die Partei bei der Vereinnahmung der Hooligan-Mobiliserung Hogesa
       [4][völlig gescheitert] und auch durch die Pegida-Proteste nicht
       profitieren konnte, bleibt wohl nur noch die Abkehr vom einstigen Motto
       [5][„seriöse Radikalität“]. Dies hatte der ehemalige Bundesvorsitzende
       Holger Apfel im Jahr 2011 als Partei-Strategie ausgegeben. Was bleibt sind
       verzweifelte Aktionen wie diese. „Das ist Hetze und sie ist politisch
       gewollt“, so Jentsch.
       
       ## Spielen mit Codes
       
       Mit ihrer perfiden Idee bedienen Faust und die NPD das beliebte Spiel der
       Nazis mit Zahlen- und Buchstabenkürzeln. So stehen in Nazikreisen HH und 88
       für den Nazi-Gruß „Heil Hitler“ die 18 für die Initialen Adolf Hitlers.
       Auch Autokennzeichen mit Buchstabenkombinationen wie KZ, SS oder HJ
       erfreuten sich in bestimmten Kreisen so großer Beliebtheit, dass viele
       Bundesländer deren Vergabe inzwischen ausgeschlossen haben.
       
       Im Web dagegen weichen Nazis schon lange auf Server im Ausland aus, meist
       um deutsche Gesetze zu umgehen und volksverhetzende Inhalte ungestört
       verbreiten zu können. So ist es für deutsche Behörden in der Regel
       unmöglich, etwa einen US-amerikanischen Host einer Webseite zur Löschung
       bestimmter Inhalte zu bewegen.
       
       Als Partei muss die NPD dagegen vorsichtiger sein, welche Inhalte sie auf
       ihrer Seite verbreitet. Die kz-Domain zeigt dennoch deutlich auf, welche
       Geisteshaltung bei den Betreibern der Seite und in der Partei anzutreffen
       ist. Gebraucht hätte es das nicht.
       
       Update: Gegenüber dem [6][Onlinemagazin Vice] hat NPD-Sprecher Klaus Beier
       dementiert, dass die Partei etwas mit der Domain zu tun habe. Demnach heißt
       es in einer Pressemitteilung der Partei: „Die NPD ist nicht für diese
       zynische Domain verantwortlich. Sie hat diese Adresse weder registriert
       noch nutzt sie diese in irgendeiner Art und Weise". Matthias Faust habe
       damit ebenfalls nichts zu tun: „Herr Faust hat versichert, dass die Domain
       selbstverständlich nicht von ihm registriert wurde.“
       
       20 Apr 2015
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] http://who.is/
   DIR [2] /!157271/
   DIR [3] http://www.apabiz.de/
   DIR [4] /!149168/
   DIR [5] /!71092/
   DIR [6] http://www.vice.com/de/read/die-npdkz-domain-ist-ein-fake-sagt-die-npd-272
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Erik Peter
       
       ## TAGS
       
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