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       # taz.de -- Kommentar Hochwasserschutz: So langsam zieht Vernunft ein
       
       > Endlich: Der Bund stellt 300 Millionen Euro zur Verfügung, damit die
       > Länder neue Überschwemmungsflächen für Elbe, Rhein und Donau schaffen.
       
   IMG Bild: Soll künftig besser bekämpft werden: Hochwasser, hier im bayerischen Deggendorf Anfang Juni 2013.
       
       Nach jedem der sogenannten Jahrhundert-Hochwasser, die zuletzt in immer
       dichteren Abständen auftraten, war bisher das gleiche Spiel zu beobachten:
       Alle politischen Akteure beteuerten, dass dem Wasser wieder mehr Raum
       gegeben werden müsse, indem Deiche zurückverlagert werden. Doch
       anschließend wurden meist nur die bestehenden Deiche verstärkt – und das
       Hochwasserproblem wurde damit nur an einen anderen Ort verlagert.
       
       Ein Grund dafür ist, dass für den Hochwasserschutz in Deutschland bisher
       die Bundesländer zuständig sind. Und die sind naturgemäß wenig interessiert
       daran, in ihrem eigenen Gebiet für viel Geld neue Überschwemmungsflächen zu
       schaffen, von denen dann vor allem andere, weiter flussabwärts gelegene
       Länder profitieren.
       
       Darum ist es eine gute Nachricht, dass sich nach der letzten katastrophalen
       Flutwelle im Sommer 2013 nun die Bundesregierung in das Thema eingeschaltet
       hat. Sie koordiniert nicht nur die Aktivitäten der Länder, sondern nimmt
       mit relevanten Geldbeträgen auch direkten Einfluss darauf, dass jene
       Projekte umgesetzt werden, die insgesamt gesehen den größten Nutzen für den
       Hochwasserschutz bringen.
       
       Auf diese Weise soll jetzt endlich vieles umgesetzt werden, was
       Umweltschützer schon lange fordern: Durch die Schaffung von
       Überschwemmungsflächen, sogenannten Poldern, und durch die Rückverlegung
       von bestehenden Deichen bekommen die Flüsse wieder mehr Raum. Das mildert
       Hochwasserwellen ab und schafft gleichzeitig neue Naturräume.
       
       Es ist bedauerlich, dass es so viele Hochwasserkatastrophen gebraucht hat,
       bis die Vernunft eingezogen ist. Doch auch wenn es lange gedauert hat:
       Immerhin scheint die Politik diesmal am Ende aus Schaden tatsächlich klug
       zu werden.
       
       29 Apr 2015
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Malte Kreutzfeldt
       
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