22:1 Der Seher Bileam: 22,1 - 24,25 Die Israeliten brachen auf und schlugen ihr Lager in den Steppen von Moab auf, jenseits des Jordan bei Jericho. 22:2 Balak, der Sohn Zippors, hatte gesehen, was Israel den Amoritern alles angetan hatte. 22:3 Moab erschrak sehr vor dem Volk (der Israeliten), weil es so gross war, und es packte ihn das Grauen vor den Israeliten. 22:4 Da sagte Moab zu den Aeltesten von Midian: Jetzt wird uns dieser Haufen ringsum alles abfressen, wie die Rinder das Gras auf den Weiden abgrasen. Damals war Balak, der Sohn Zippors, Koenig von Moab. 22:5 Er schickte Boten zu Bileam, dem Sohn Beors, nach Petor am Strom, ins Land seiner Stammesgenossen, um ihn rufen zu lassen. Er liess ihm sagen: Aus Aegypten ist ein Volk herangezogen, das das ganze Land bedeckt und nun mir gegenueber sich niedergelassen hat. [Der "Strom" ist der Eufrat.] 22:6 Darum komm her, und verfluch mir dieses Volk; denn es ist zu maechtig fuer mich. Vielleicht kann ich es dann schlagen und aus dem Land vertreiben. Ich weiss: Wen du segnest, der ist gesegnet; wen du verfluchst, der ist verflucht. [24,9; Gen 12,3; 27,29] 22:7 Die Aeltesten von Moab und die Aeltesten von Midian machten sich auf den Weg, mit Wahrsagerlohn in den Haenden. Als sie zu Bileam kamen, wiederholten sie ihm die Worte Balaks. 22:8 Bileam sagte zu ihnen: Bleibt ueber Nacht hier, dann werde ich euch berichten, was der Herr zu mir sagt. Da blieben die Hofleute aus Moab bei Bileam. 22:9 Gott kam zu Bileam und fragte ihn: Wer sind die Maenner, die bei dir wohnen? 22:10 Bileam antwortete Gott: Balak, der Sohn Zippors, der Koenig von Moab, hat Boten zu mir geschickt und laesst mir sagen: 22:11 Das Volk, das aus Aegypten herangezogen ist, bedeckt das ganze Land. Darum komm, und verwuensch es fuer mich! Vielleicht kann ich es dann im Kampf besiegen und vertreiben. 22:12 Gott antwortete Bileam: Geh nicht mit! Verfluch das Volk nicht; denn es ist gesegnet. 22:13 Am Morgen stand Bileam auf und sagte zu den Hofleuten Balaks: Kehrt in euer Land zurueck; denn der Herr erlaubt mir nicht, mit euch zu gehen. 22:14 Da machten sich die Hofleute aus Moab auf den Weg und kehrten zu Balak zurueck. Sie berichteten: Bileam hat sich geweigert, mit uns zu kommen. 22:15 Balak schickte noch einmal Hofleute aus, mehr und vornehmere als das erstemal. 22:16 Sie kamen zu Bileam und sagten zu ihm: So sagt Balak, der Sohn Zippors: Lass dich nicht abhalten, zu mir zu kommen. 22:17 Ich will dir einen sehr hohen Lohn geben; alles, was du von mir verlangst, will ich tun. Nur komm, und verwuensch mir dieses Volk! 22:18 Bileam antwortete den Dienern Balaks: Auch wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gaebe, koennte ich dem Befehl des Herrn, meines Gottes, nicht zuwiderhandeln, sei es in einer unwichtigen oder einer wichtigen Sache. 22:19 Doch bleibt auch ihr jetzt ueber Nacht hier, bis ich weiss, was der Herr weiter zu mir sagt. 22:20 In der Nacht kam Gott zu Bileam und sprach zu ihm: Wenn die Maenner gekommen sind, um dich zu holen, dann mach dich auf den Weg, und geh mit! Aber du darfst nur das tun, was ich dir sage. 22:21 Am Morgen stand Bileam auf, sattelte seinen Esel und ging mit den Hofleuten aus Moab. 22:22 Aber Gott wurde zornig, weil Bileam mitging, und der Engel des Herrn trat Bileam in feindlicher Absicht in den Weg, als Bileam, begleitet von zwei jungen Maennern, auf seinem Esel dahinritt. 22:23 Der Esel sah den Engel des Herrn auf dem Weg stehen, mit dem gezueckten Schwert in der Hand, und er verliess den Weg und wich ins Feld aus. Da schlug ihn Bileam, um ihn auf den Weg zurueckzubringen. [23-35: Vgl. 2 Petr 2,16. Die Erzaehlung vom sprechenden Esel will zeigen, wie toericht die Wahrsagerei der Heiden ist: Selbst ein Esel ist klueger als ein Wahrsager, der meint, die Geheimnisse der Gottheit zu kennen.] 22:24 Darauf stellte sich der Engel des Herrn auf den engen Weg zwischen den Weinbergen, der zu beiden Seiten Mauern hatte. 22:25 Als der Esel den Engel des Herrn sah, drueckte er sich an der Mauer entlang und drueckte dabei das Bein Bileams gegen die Mauer. Da schlug ihn Bileam wieder. 22:26 Der Engel des Herrn ging weiter und stellte sich an eine besonders enge Stelle, wo es weder rechts noch links eine Moeglichkeit gab auszuweichen. 22:27 Als der Esel den Engel des Herrn sah, ging er unter Bileam in die Knie. Bileam aber wurde wuetend und schlug den Esel mit dem Stock. 22:28 Da oeffnete der Herr dem Esel den Mund, und der Esel sagte zu Bileam: Was habe ich dir getan, dass du mich jetzt schon zum drittenmal schlaegst? 22:29 Bileam erwiderte dem Esel: Weil du mich zum Narren haeltst. Haette ich ein Schwert dabei, dann haette ich dich schon umgebracht. 22:30 Der Esel antwortete Bileam: Bin ich nicht dein Esel, auf dem du seit eh und je bis heute geritten bist? War es etwa je meine Gewohnheit, mich so gegen dich zu benehmen? Da musste Bileam zugeben: Nein. 22:31 Nun oeffnete der Herr dem Bileam die Augen, und er sah den Engel des Herrn auf dem Weg stehen, mit dem gezueckten Schwert in der Hand. Da verneigte sich Bileam und warf sich auf sein Gesicht nieder. 22:32 Der Engel des Herrn sagte zu ihm: Warum hast du deinen Esel dreimal geschlagen? Ich bin dir feindlich in den Weg getreten, weil mir der Weg, den du gehst, zu abschuessig ist. [zu abschuessig: Der Sinn des hebraeischen Wortes ist unklar. Wenn es hier richtig uebersetzt ist, dann ist es wohl in uebertragener Bedeutung gemeint.] 22:33 Der Esel hat mich gesehen und ist mir schon dreimal ausgewichen. Waere er mir nicht ausgewichen, dann haette ich dich vielleicht jetzt schon umgebracht, ihn aber am Leben gelassen. 22:34 Bileam antwortete dem Engel des Herrn: Ich habe gesuendigt, aber nur, weil ich nicht wusste, dass du mir im Weg standest. Jetzt aber will ich umkehren, wenn dir mein Vorhaben nicht recht ist. 22:35 Der Engel des Herrn antwortete Bileam: Geh mit den Maennern, aber rede nichts, ausser was ich dir sage. Da ging Bileam mit den Hofleuten Balaks. 22:36 Als Balak hoerte, dass Bileam kam, ging er ihm entgegen bis zur Grenzstadt Moabs am Arnon, unmittelbar an der Grenze. 22:37 Balak sagte zu Bileam: Ich hatte dich rufen lassen. Warum bist du nicht zu mir gekommen? Kann ich dir nicht einen hohen Lohn geben? 22:38 Bileam antwortete Balak: Jetzt bin ich zwar bei dir. Aber kann ich jetzt etwas reden? Ich kann nur sagen, was Gott mir in den Mund legt. 22:39 Bileam ging mit Balak weiter nach Kirjat-Huzot. 22:40 Balak schlachtete Rinder und Schafe und liess damit Bileam und die Hofleute, die dabeiwaren, bewirten. 22:41 Am naechsten Morgen nahm Balak Bileam mit sich und fuehrte ihn zu den Baalshoehen hinauf. Von dort konnte er bis zum Volk sehen. [bis zum Volk, woertlich: bis an den aeussersten Rand des Volkes (Israel).]