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       #Post#: 247--------------------------------------------------
       Muslime haben Sarrazin und Salafisten so satt
   DIR By: Ben
       Date: June 10, 2012, 6:11 am
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       Islam in den Medien 10.06.2012
       Muslime haben Sarrazin und Salafisten so satt
       Integration
       Eine deutsche Schlüsselfrage
       
       Wohin gehöre ich? In Deutschland leben mehr als 15 Millionen
       Menschen mit Migrationshintergrund, fast jeder fünfte Einwohner.
       Ihre Integration in die deutsche Gesellschaft verläuft nicht
       immer problemfrei - von beiden Seiten. Und überhaupt: Was heißt
       eigentlich Integration? Und wo hinein sollen sich die Zuwanderer
       integrieren?
       
       Integration - Eine deutsche Schlüsselfrage
       Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
       Deutsche Medien berichten gern und viel über den Islam. Ein
       Thema, das polarisiert. Doch 90 Prozent der Muslime fühlen sich
       keineswegs durch das repräsentiert, was über sie geschrieben
       wird, 60 Prozent sogar bedroht. Was läuft da so grandios schief?
       Eigentlich liegt es Ali Suham fern, etwas zu meckern zu haben an
       Deutschland. 1991 floh er aus dem Irak, um nicht wie sein Bruder
       im Golfkrieg zu sterben, nach drei Jahren Istanbul beantragte er
       1994 Asyl in Deutschland. Heute verkauft er Döner auf der
       Leipziger Karl-Liebknecht-Straße. Er ist voll des Lobes für sein
       Gastland. Wenn er auf dem Arbeitsamt in der Schlange steht,
       merke er, dass hierzulande Ausländer und Deutsche gleich
       behandelt werden, niemand werde diskriminiert. «In Deutschland
       ist alles möglich, wir haben Freiheit und der Staat unterstützt
       uns.»
       Er sei «voll dagegen», dass manche Migranten gleich
       «Diskriminierung» schreien, wenn beim Amt ein Papier verlangt
       wird, das sie nicht haben, dass mancher Moslem - «mit Bart», wie
       er sagt - zur Gewalt aufrufe oder Imame Jugendliche in der
       Moschee einer «Gehirnwäsche» unterzögen. Deshalb sagt Ali Suham
       auch erst mal, «stört mich überhaupt nicht» auf die Frage, wie
       er denn die Berichterstattung über Muslime in den Medien finde.
       87,6 Prozent der Muslime in Deutschland sehen das allerdings
       anders. Das zumindest ergab eine Studie, die das Institut für
       interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der
       Universität Bielefeld gemeinsam mit einer britischen Universität
       durchgeführt hat. Sie fühlen sich von den etablierten Medien
       nicht repräsentiert, fast 90 Prozent gaben in einer
       Onlinebefragung an, Muslime würden stereotyp dargestellt. Knapp
       60 Prozent der Befragten fühlen sich durch Berichte über
       Islamophobie sogar bedroht.
       «Islam bedeutet für mich nur die Gebete und Ramadan»
       Medienschelte, wieder einmal. Aber ist sie gerechtfertigt?
       «Muslime in Deutschland - Weder Salafisten noch
       Fundamentalisten» hieß kürzlich eine Dokumentation in der ARD.
       «Muslime kritisieren Gauck für Islam-Äußerung» titelte die Bild,
       «Islamfeindlichkeit hat alle sozialen Schichten erfasst», hieß
       ein Artikel der Süddeutschen Zeitung. Zufällige Stichproben zum
       Thema, die eher besonnen und sachlich klingen.
       Aber natürlich findet sich auch das: «Irrer Islamist kriegt
       Hartz IV», «Wie gefährlich sind die Salafisten?»,
       «Islamisten-Anschläge in Deutschland möglich», das alles sind
       Schlagzeilen der Bild. Oder auch bei news.de: «Salafisten wollen
       Deutschland bekehren» und «So radikal sind junge Muslime»
       konnten Sie bei uns lesen.
       Auch Ali Suham wird jetzt nachdenklich. «Für mich bedeutet
       Islam, wie ich ihn von meinem Vater mitbekommen habe, fünfmal am
       Tag beten und der Ramadan. Das ist alles.» So ähnlich geht es
       den meisten Muslimen. Salafisten und Selbstmordattentate haben
       so viel mit ihnen zu tun wie mit Nicht-Muslimen Kinderschänder
       und Serienmörder. Nur, dass bei letzteren die Medien nicht
       gleich titeln: «Neigen Agnostiker zum Serienmord?» oder auch:
       «Immer mehr Christen hinterziehen Steuern».
       Die Zwischentöne sind da - aber sie werden kaum wahrgenommen
       Doch seit dem 11. September polarisiert der Islam, und es
       scheint kein Ende in Sicht. Die Bielefelder Forscher haben auch
       mit Journalisten gesprochen. Wenig Zeit für intensive Recherche
       und hintergründige Geschichten und der Druck, mit der knackigen
       Überschrift Leser zu locken, motiviert die meisten zur
       zugespitzten Schlagzeile. Eine Journalistin brachte selbst das
       Beispiel Kölner Moschee-Bau, erzählt Jörg Heeren, der gemeinsam
       mit Professor Andreas Zick die Studie erstellt hat.
       Die Medien ventilierten hitzig, ob das hohe Minarett nicht einen
       Machtanspruch des Islams manifestiere oder, ob der Muezzin über
       Ehrenfeld rufen darf. Dabei ging es bei dem Moscheebau
       eigentlich darum, Muslimen neben den stickigen Hinterhofmoscheen
       auch einen angemessenen Raum zum Beten zu bieten. Und es gab
       auch Muslime, die den Bau der Großmoschee übertrieben fanden.
       «Es fehlen die Zwischentöne», resümiert Jörg Heeren. Mehr
       Features, die die Vielfalt der Meinungen zeigt, den Alltag, die
       Widersprüche. Aber die existieren doch auch, verteidigen sich
       die Journalisten. Wahrscheinlich nähmen eben Muslime, genau wie
       die meisten anderen Mediennutzer, auch eher die laute
       Schlagzeile als den leisen Hintergrundbericht wahr, der um 23
       Uhr auf Phönix läuft, räumt Heeren ein.
       Dabei sieht auch er, dass es einen Lernprozess gegeben hat.
       Wurden in der Sarrazin-Debatte viel zu lange seine plakativen
       Thesen ventiliert, bekamen die meisten Medien bei der
       Berichterstattung über die Islamstudie des Innenministeriums
       schneller die Kurve. Anfangs bliesen sie noch plakativ heraus,
       ein Viertel der jungen Muslime wolle sich nicht integrieren.
       Doch bald stellten die meisten Medien richtig: Eigentlich
       zeichneten die Wissenschaftler ein vielschichtiges,
       selbstkritisches und durchaus freundliches Bild der Muslime in
       Deutschland.
       Randgruppen taugen gut für Schlagzeilen
       Was war passiert? Kaum ein Journalist hat oder nimmt sich die
       Zeit, so eine Studie tatsächlich zu lesen. Stattdessen wird
       zunächst jede plakative Zuspitzung nachgeplappert und dazu ad
       hoc knackige Politiker-Statements eingeholt. Als Zitat
       gekennzeichnet ist das zwar journalistisch sauber - geht aber
       nicht in die Tiefe.
       Für Jörg Heerens sind die Ergebnisse symptomatisch. Er vermutet,
       dass bei anderen Religionen, Minderheiten oder Randgruppen ganz
       ähnliche Ergebnisse herauskämen. Die katholische Kirche,
       Obdachlose oder Homosexuelle zum Beispiel taugen ebenso oft für
       die fette Schlagzeile in der Zeitung oder den schnellen Klick im
       Internet.
       Ali Suhams Chef kommt an den Tisch, er ist Türke und betreibt
       den Dönerladen, in dem Ali arbeitet. In Istanbul habe er selbst
       als Journalist gearbeitet, erzählt er. Was er von der
       Berichterstattung hierzulande hält? «Nein, dazu sage ich nichts.
       Ich bin das Thema so leid, ich habe keine Lust mehr. Ich bin
       müde.»
  HTML http://www.news.de/gesellschaft/855318238/islam-in-den-medien-muslime-haben-sarrazin-und-salafisten-satt/1/
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