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#Post#: 246--------------------------------------------------
Islamisten-Prediger kreuzbrav
DIR By: Ben
Date: June 9, 2012, 6:31 pm
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09.06.2012 20:45
Pierre Vogel
Islamisten-Prediger kreuzbrav
Von Jörg Diehl, Köln
Monatelang hielt sich Pierre Vogel in Ägypten auf, jetzt meldet
sich der umstrittene Prediger zurück in seiner Heimat.
Ausgerechnet im Rheinland, wo kürzlich noch Salafisten auf
Polizisten losgingen, predigt der Ex-Boxer über Frieden,
Freundschaft und Verständigung.
Es ist noch gar nicht so lange her, da dozierte der ehemalige
Berufsboxer Pierre ausführlich auch über sehr ernste Themen,
etwa darüber, warum man Dieben zur Strafe die Hand abhacken
sollte. Schließlich sei es auch für den Dieb besser, so
argumentierte Vogel damals allen Ernstes, dass die Sünden
bereits auf Erden abgegolten würden, als dass der Mensch seine
Schuld mit ins Jenseits nähme.
Pierre Vogel war als Boxer einmal Deutscher Junioren-Meister im
Halbschwergewicht, seine mäßige Karriere als Profi aber gab er
recht zügig auf und konvertierte stattdessen mit 22 Jahren zum
Islam. Besser als im Ring gelang es dem bulligen Rheinländer
dort, mit wuchtigen Posen und derben Auftritten zum Star einer
schnell wachsenden Szene fundamentalistischer Muslime zu
avancieren.
Inzwischen gilt der 33-Jährige als einer der wichtigsten
Prediger der sogenannten Salafisten - einer besonders strengen
und rückwärtsgewandten Strömung des Islam. Laut
Verfassungsschutz streben Salafisten in letzter Konsequenz einen
Gottesstaat an, in dem wesentliche Grundrechte und
Verfassungspositionen nicht mehr gelten. Einige Radikale nehmen
dafür auch den Einsatz von Gewalt in Kauf.
Vogel spricht sich öffentlich zwar gegen Gewalt aus, doch die
Behörden stufen ihn als gefährlich ein. Die vergangenen Monate
verbrachte er angeblich im Norden Kairos, wo er eine
Sprachschule besucht haben soll. Staats- und Verfassungsschützer
fragten sich daher, ob er die Zeit vielleicht nicht auch nutzte,
um neue Kontakte zu knüpfen. Hat er sich - wie schon andere vor
ihm - im selbstgewählten Exil weiter radikalisiert? Vogels
ersten öffentlichen Auftritt in Deutschland, wo es in den
vergangenen Wochen zu brutalen Übergriffen von Salafisten auf
Polizisten gekommen war, erwarteten die Beamten mit großer
Spannung.
Es brodelt in der Menge, dann greift Vogel zum Mikrofon
Die Zielgruppe des in Frechen geborenen Predigers sind die
Jungen, die Suchenden und Taumelnden. Etwa 300 von ihnen stehen
an diesem Samstagnachmittag auf einem staubigen Schotterplatz im
Kölner Stadtteil Deutz. Sie tragen volle Bärte und lange
Gewänder, Burkas und Schleier, Jeans und T-Shirts,
Ray-Ban-Sonnenbrillen und Gucci-Täschchen. Sie warten und
diskutieren.
"Euer Gott ist kein Gott", ruft ein hagerer Kerl mit Brille
einer engagierten Christin zu.
"Sie reden ohne Beweise", schreit ein anderer.
"Sure 33, Sure 33", ereifert sich ein Dritter.
Sie haben einen Kreis um die Frau gebildet, der immer enger
wird. Es brodelt in der Menge, über eine Stunde warten sie nun
schon, als da, endlich, Pierre Vogel die Ladefläche eines
Sixt-Lastwagens erklimmt. Roter Bart, breite Schultern, Bauch -
der Prediger pustet routiniert in das Mikrofon und sagt: "Als
ich hier einige von euch gesehen habe, standen mir Tränen in den
Augen."
Der Verfassungsschutz schätzt, dass es in Deutschland zwischen
3000 und 5000 Salafisten gibt. In den vergangenen Jahren haben
die Anhänger dieser fundamentalistischen Religionsschule vor
allem unter jungen Männern neue Mitglieder gewonnen, weil sie
sich nach außen als hart und kompromisslos geben. Der Salafismus
hat sich zu einer islamischen Subkultur geformt, die vor allem
die Kinder und Enkel von Einwanderern anzieht.
Zulauf von den jungen Zornigen
Für die Sicherheitsbehörden gilt die Regel, die
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gerne bei jeder
sich bietenden Gelegenheit vorbetet: "Nicht jeder Salafist ist
ein Terrorist, aber jeder Terrorist war einmal ein Salafist."
Die Jungen und Zornigen, das meint Friedrichs Sinnspruch, sind
das Reservoir, aus dem die Radikalsten Zulauf erhalten, es ist
ein Anti-Abklingbecken, das Selbstdarsteller wie Vogel immer
weiter aufheizen.
Wobei sich der Heimgekehrte am Samstag fast schon verdächtig
zahm gibt. Er palavert zunächst eine Weile auf der Bühne mit dem
"Lindenstraßen"-Darsteller Willi Herren, der Vogel sodann
öffentlich als "herzensguten Menschen" lobpreist und seine
eigene Religiosität offenbart: "Einmal im Monat gehe ich in den
Dom." Es folgen einige Anekdoten aus Vogels Familienleben und
ein kreuzbraver, stundenlanger Vortrag über das Wirken des
Propheten Mohammed. Friede, Freude, Völkerverständigung. "Vogel
im Schafspelz", wird später ein Staatsschützer der Polizei
scherzen.
Nur einmal lässt der Prediger aufblitzen, wie er vielleicht
wirklich denkt. Er lenkt die Rede ganz unwillkürlich auf die
vergangenen Wochen, als Islamisten Beamte der
nordrhein-westfälischen Bereitschaftspolizei mit Messer, Steinen
und Knüppeln attackiert hatten. Die Polizisten mussten
gerichtlich genehmigte Kundgebungen der rechtsextremen
Splitterpartei "Pro-NRW" schützen, bei denen auch
Mohammed-Karikaturen gezeigt wurden - in den Augen der Muslime
eine Provokation.
"Ich kann verstehen", sagt Vogel also, "dass man ausflippt." Und
er fügt nach einer kurzen Pause hinzu: "Aber das bringt uns
nicht weiter."
"Pro-NRW"-Gegenkundgebung fällt nur kurz aus
Dabei ist es wohl längst mehr als nur ein Ausraster im Affekt.
Wie aus einer vertraulichen Lageneinschätzung des
Bundeskriminalamts ("VS - Nur für den Dienstgebrauch")
hervorgeht, wurden "aus dem islamistischen Spektrum gezielt
persönliche Informationen zu 'Pro-NRW-Aktivisten'" gesammelt.
Der Landesvorsitzende der Partei spricht am Samstag sogar
erstmals öffentlich von "Morddrohungen" und "Telefonterror". Der
Kölner Polizei indes gab er bereits zu Protokoll, seine
Mitglieder seien erheblich beunruhigt.
Die "Pro-NRW"-Gegenkundgebung am Samstag fällt dann auch
ziemlich kurz aus. Zwei Dutzend Aktivisten lassen sich kurz
blicken und kaum sind die Fotografen und Kameraleute abgezogen,
rollen sie auch schon wieder ihre Transparente zusammen. Die
Polizei hatte sie ohnehin geschickt einige hundert Meter von den
Islamisten entfernt in einer Ecke des weitläufigen Platzes
postiert.
Beunruhigender ist, dass zu den neuesten Fans des Pierre Vogel
offenbar auch ein Mann zählt, der schon Erfahren in der
Auseinandersetzung gegen den Staat gesammelt hat. Bernhard F.,
der dem Prediger gebannt lauscht, kämpfte in den neunziger
Jahren als Kopf einer Antiimperialistischen Zelle mit
Schusswaffen und Bomben gegen die Bundesrepublik. Nach einer
Serie von Sprengstoffanschlägen auf Politiker saß der Physiker
dann viele Jahre lang im Gefängnis.
Dort trat der Dortmunder zum Islam über, wie die "Westdeutsche
Allgemeine Zeitung" am Samstag berichtete. Demnach soll F. im
Netz auch bereits zur Gründung eines internationalen
Kalifatstaates und zu Anschlägen auf eine US-Militärbasis in
Rheinland-Pfalz aufgerufen haben. Bernhard F. wollte sich nicht
zu den Vorwürfen äußern. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz
gegen ihn. Die Ermittler sind alarmiert.
HTML http://www.spiegel.de/politik/deutschland/islamisten-prediger-vogel-in-koeln-zurueck-im-schafspelz-a-837947.html
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