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       Was ich als Frau nicht akzeptieren kann
   DIR By: Ben
       Date: June 9, 2012, 9:10 am
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       Was ich als Frau nicht akzeptieren kann
       Ich will nicht akzeptieren, dass einige Muslime unsere Toleranz
       nicht als Ausdruck von Stärke, sondern als Symptom für unsere
       Schwäche sehen. Ich will nicht, dass deutsche Männer das
       verharmlosen. Von Cora Stephan
       Rätselhaftes Deutschland. Nachdem man sich über eine "deutsche
       Leitkultur" nicht einigen konnte, wird die Debatte neuerdings
       unter der Überschrift "Was gehört zu Deutschland" fortgesetzt.
       Die Diskussion hat ihre skurrilen Seiten, aber vielleicht sollte
       man sie ernst nehmen. Schließlich hat Deutschland heute eine
       Schlüsselposition, nicht nur in der EU. Da wüsste man schon
       gern, mit wem man es zu tun hat, nicht nur als Grieche oder
       Franzose. Was handelt man sich mit Deutschland ein?
       Es hat ein sozialistisch und protestantisch sozialisiertes
       Führungspersonal. Die Mehrheit seiner Bürger stellt die
       Gerechtigkeit vor die Freiheit. Es besteht aus stupender und
       stupider Wirtschaftsmacht. Es gehört zum freien Westen – und
       kokettiert mit kuscheligem Paternalismus. Und es ist
       friedliebend und tolerant bis zur eigenen Wehrlosigkeit.
       Keine Klarheit in der Debatte
       Die neuerdings (vor allem bei Männern) beliebte Aussage "Der
       Islam gehört zu Deutschland" dürfte kaum Klarheit schaffen. Erst
       recht nicht öffentliche Überlegungen, ob man den Rechtsstaat
       durch Elemente der Scharia veredeln und "Islamfeindlichkeit"
       ächten sollte.
       Oder gar, ob man es als kulturelle Besonderheit verstehen müsse,
       wenn Männer mit "Hintergrund" Frauen, Schwestern oder Töchter
       misshandeln. Ruprecht Polenz (CDU) ist Vorsitzender des
       Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, müsste eigentlich wissen
       um die Außenwirkung deutscher Debatten.
       Auf Facebook stieß er jüngst eine Debatte über Monika Marons
       Essay auf "Welt Online" an, in dem sie gute Gründe angeführt
       hatte, warum der Islam nicht zu Deutschland gehört. "Der Islam",
       widerspricht Polenz, "wirkt mit an der Ausprägung dessen, was
       wir die deutsche Identität nennen." Mit Weitblick auf die
       muslimische Geburtenrate dekretiert er: "Jede und jeder gehört
       dazu, wenn es darum geht, (die) Zukunft zu gestalten."
       Islam und Rechtsstaat sind kein Widerspruch
       Ein hübscher Gruß an die Frauen. Aber wie soll der Islam
       deutsche Identität prägen? Sollen mit solchen Floskeln
       verängstigte deutsche Muslime beruhigt werden? Will der CDU-Mann
       "Biodeutsche" zu mehr Sensibilität und Toleranz ermahnen? Oder
       möchte er kämpferischen Islamisten signalisieren, dass wir die
       Guten sind, also nach der Machtübernahme geschont werden müssen
       Etwa den Salafisten, die hier auf Mission gehen? Für einen von
       der Überlegenheit des Islam und des muslimischen Mannes
       Überzeugten ist solch deutsche Gutherzigkeit nichts anderes als
       ein Unterwerfungsangebot – ohne Gegenleistungen. Recht hat er:
       Wer die eigene Identität als buntes Warenhausangebot deutet und
       Beliebigkeit predigt, die er als weltoffen fantasiert, darf von
       anderen keinen Respekt vor den eigenen "Errungenschaften"
       erwarten.
       Und deshalb muss man an dieser Stelle Christian Wulff in Schutz
       nehmen. Der hat nämlich nicht nur den mittlerweile totzitierten
       Satz gesagt, sondern auch "Das Christentum gehört zweifelsfrei
       zur Türkei!". Das übrigens ausgerechnet vor dem türkischen
       Parlament und verbunden mit der Aufforderung, Christen doch
       bitte die gleichen Rechte und Freiheiten zu gewähren, wie sie
       Muslime in Deutschland genießen. Die Türkei habe nun die Chance
       zu zeigen, dass Islam und Rechtsstaat kein Widerspruch sind.
       Lautstarke Minderheit
       Vom Jubel der Christen in der Türkei hat man nicht viel gehört,
       wahrscheinlich gab es keinen Grund dafür. Doch auch in
       Deutschland ist nur der andere Satz im Gedächtnis geblieben,
       dessentwegen er nun der Präsident der Herzen aller beleidigten
       Muslime ist. Das wären andere Politiker offenbar auch gern.
       Machen sie sich keine Gedanken über den Preis, der dafür zu
       zahlen ist?
       Um es zu wiederholen: Ja, sie sind eine Minderheit, die
       deutschen und in Deutschland lebenden Muslime, die
       patriarchalische Vorstellungen vom Zusammenleben mit einer der
       orthodoxeren Interpretationen des Islam verbinden und
       hierzulande für sich und ihre Familien "ausleben" (eine
       entlarvende Formulierung der Justizministerin).
       Doch sie sind eine lautstarke Minderheit. Manche haben die
       Saudi-Araber, manche die Regierung Erdogan im Rücken, die in den
       türkischen Deutschen eine Art 5. Kolonne zu sehen und
       Integration für Teufelszeug zu halten scheint.
       Patriarchalisch gestimmter Kulturstolz
       Nicht nur die Salafisten sehen deutsche Toleranz nicht als
       Ausdruck von Souveränität und Stärke, sondern begreifen sie als
       Symptom für die Schwäche unserer Kultur. Wo sich der
       Dominanzanspruch des Islam mit einem patriarchalisch gestimmten
       Kulturstolz verbindet, prallt den deutschen Weicheiern nur
       Verachtung entgegen.
       Verachtung, weil sie ihre eigene Kultur preisgegeben haben, ja
       noch nicht einmal eine eigene "Leitkultur" kennen, geschweige
       denn eine Identität besitzen, die gefestigt wäre und nicht offen
       für alles und jedes. Verachtung, weil die "Biodeutschen" nicht
       begreifen, dass sie verachtet werden.
       Wenn es eines Beweises bedurfte, dass die westlichen Werte nicht
       weiter ernst zu nehmen sind, dann liefern ihn die
       Phrasendrescher unter unseren Politikern tagtäglich. Doch nicht
       die westlichen Werte machen uns schwach, sondern all die, die
       sie nicht verteidigen. Die Meinungsfreiheit. Die
       Gleichberechtigung. Den Rechtsstaat. Die Menschenrechte. Die
       Freiheit, eben.
       Wertschätzung der Freiheit
       Ach ja, die Freiheit. Als Joachim Gauck Bundespräsident werden
       sollte, warf man ihm als Erstes vor, über der Freiheit die
       Gerechtigkeit zu vernachlässigen. Als ob "Gerechtigkeit"
       hierzulande präsidiale Befürworter brauchte, die irreale
       Sehnsucht danach hat längst die Wertschätzung der Freiheit
       abgelöst, der Wunsch, in warmer Gemeinschaft aufgehoben zu sein,
       schiebt sich vor die Fröste, die das Risiko der
       Selbstverantwortung begleiten.
       Längst hat der Bürger dem Staat die Entscheidung darüber in die
       Hand gegeben, wie er sein Leben zu führen hat. Vielleicht macht
       ja diese Sehnsucht nach paternalistischer Fürsorge den Islam
       attraktiv? Seine orthodoxen Strömungen geben feste Regeln und
       Rollen vor, versprechen Halt, Ordnung und Bindung und geben dem
       Individuum das Gefühl, Teil eines schützenden Ganzen zu sein.
       Nie mehr selbst entscheiden müssen, wie man leben will – wäre
       das nicht schön? Ein Albtraum. Männer mögen das gelassen sehen,
       schreibt Monika Maron. "Als Frau kann ich das nicht." Ich auch
       nicht.
  HTML http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106414066/Was-ich-als-Frau-nicht-akzeptieren-kann.html
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