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#Post#: 241--------------------------------------------------
Was ich als Frau nicht akzeptieren kann
DIR By: Ben
Date: June 9, 2012, 9:10 am
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Was ich als Frau nicht akzeptieren kann
Ich will nicht akzeptieren, dass einige Muslime unsere Toleranz
nicht als Ausdruck von Stärke, sondern als Symptom für unsere
Schwäche sehen. Ich will nicht, dass deutsche Männer das
verharmlosen. Von Cora Stephan
Rätselhaftes Deutschland. Nachdem man sich über eine "deutsche
Leitkultur" nicht einigen konnte, wird die Debatte neuerdings
unter der Überschrift "Was gehört zu Deutschland" fortgesetzt.
Die Diskussion hat ihre skurrilen Seiten, aber vielleicht sollte
man sie ernst nehmen. Schließlich hat Deutschland heute eine
Schlüsselposition, nicht nur in der EU. Da wüsste man schon
gern, mit wem man es zu tun hat, nicht nur als Grieche oder
Franzose. Was handelt man sich mit Deutschland ein?
Es hat ein sozialistisch und protestantisch sozialisiertes
Führungspersonal. Die Mehrheit seiner Bürger stellt die
Gerechtigkeit vor die Freiheit. Es besteht aus stupender und
stupider Wirtschaftsmacht. Es gehört zum freien Westen – und
kokettiert mit kuscheligem Paternalismus. Und es ist
friedliebend und tolerant bis zur eigenen Wehrlosigkeit.
Keine Klarheit in der Debatte
Die neuerdings (vor allem bei Männern) beliebte Aussage "Der
Islam gehört zu Deutschland" dürfte kaum Klarheit schaffen. Erst
recht nicht öffentliche Überlegungen, ob man den Rechtsstaat
durch Elemente der Scharia veredeln und "Islamfeindlichkeit"
ächten sollte.
Oder gar, ob man es als kulturelle Besonderheit verstehen müsse,
wenn Männer mit "Hintergrund" Frauen, Schwestern oder Töchter
misshandeln. Ruprecht Polenz (CDU) ist Vorsitzender des
Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, müsste eigentlich wissen
um die Außenwirkung deutscher Debatten.
Auf Facebook stieß er jüngst eine Debatte über Monika Marons
Essay auf "Welt Online" an, in dem sie gute Gründe angeführt
hatte, warum der Islam nicht zu Deutschland gehört. "Der Islam",
widerspricht Polenz, "wirkt mit an der Ausprägung dessen, was
wir die deutsche Identität nennen." Mit Weitblick auf die
muslimische Geburtenrate dekretiert er: "Jede und jeder gehört
dazu, wenn es darum geht, (die) Zukunft zu gestalten."
Islam und Rechtsstaat sind kein Widerspruch
Ein hübscher Gruß an die Frauen. Aber wie soll der Islam
deutsche Identität prägen? Sollen mit solchen Floskeln
verängstigte deutsche Muslime beruhigt werden? Will der CDU-Mann
"Biodeutsche" zu mehr Sensibilität und Toleranz ermahnen? Oder
möchte er kämpferischen Islamisten signalisieren, dass wir die
Guten sind, also nach der Machtübernahme geschont werden müssen
Etwa den Salafisten, die hier auf Mission gehen? Für einen von
der Überlegenheit des Islam und des muslimischen Mannes
Überzeugten ist solch deutsche Gutherzigkeit nichts anderes als
ein Unterwerfungsangebot – ohne Gegenleistungen. Recht hat er:
Wer die eigene Identität als buntes Warenhausangebot deutet und
Beliebigkeit predigt, die er als weltoffen fantasiert, darf von
anderen keinen Respekt vor den eigenen "Errungenschaften"
erwarten.
Und deshalb muss man an dieser Stelle Christian Wulff in Schutz
nehmen. Der hat nämlich nicht nur den mittlerweile totzitierten
Satz gesagt, sondern auch "Das Christentum gehört zweifelsfrei
zur Türkei!". Das übrigens ausgerechnet vor dem türkischen
Parlament und verbunden mit der Aufforderung, Christen doch
bitte die gleichen Rechte und Freiheiten zu gewähren, wie sie
Muslime in Deutschland genießen. Die Türkei habe nun die Chance
zu zeigen, dass Islam und Rechtsstaat kein Widerspruch sind.
Lautstarke Minderheit
Vom Jubel der Christen in der Türkei hat man nicht viel gehört,
wahrscheinlich gab es keinen Grund dafür. Doch auch in
Deutschland ist nur der andere Satz im Gedächtnis geblieben,
dessentwegen er nun der Präsident der Herzen aller beleidigten
Muslime ist. Das wären andere Politiker offenbar auch gern.
Machen sie sich keine Gedanken über den Preis, der dafür zu
zahlen ist?
Um es zu wiederholen: Ja, sie sind eine Minderheit, die
deutschen und in Deutschland lebenden Muslime, die
patriarchalische Vorstellungen vom Zusammenleben mit einer der
orthodoxeren Interpretationen des Islam verbinden und
hierzulande für sich und ihre Familien "ausleben" (eine
entlarvende Formulierung der Justizministerin).
Doch sie sind eine lautstarke Minderheit. Manche haben die
Saudi-Araber, manche die Regierung Erdogan im Rücken, die in den
türkischen Deutschen eine Art 5. Kolonne zu sehen und
Integration für Teufelszeug zu halten scheint.
Patriarchalisch gestimmter Kulturstolz
Nicht nur die Salafisten sehen deutsche Toleranz nicht als
Ausdruck von Souveränität und Stärke, sondern begreifen sie als
Symptom für die Schwäche unserer Kultur. Wo sich der
Dominanzanspruch des Islam mit einem patriarchalisch gestimmten
Kulturstolz verbindet, prallt den deutschen Weicheiern nur
Verachtung entgegen.
Verachtung, weil sie ihre eigene Kultur preisgegeben haben, ja
noch nicht einmal eine eigene "Leitkultur" kennen, geschweige
denn eine Identität besitzen, die gefestigt wäre und nicht offen
für alles und jedes. Verachtung, weil die "Biodeutschen" nicht
begreifen, dass sie verachtet werden.
Wenn es eines Beweises bedurfte, dass die westlichen Werte nicht
weiter ernst zu nehmen sind, dann liefern ihn die
Phrasendrescher unter unseren Politikern tagtäglich. Doch nicht
die westlichen Werte machen uns schwach, sondern all die, die
sie nicht verteidigen. Die Meinungsfreiheit. Die
Gleichberechtigung. Den Rechtsstaat. Die Menschenrechte. Die
Freiheit, eben.
Wertschätzung der Freiheit
Ach ja, die Freiheit. Als Joachim Gauck Bundespräsident werden
sollte, warf man ihm als Erstes vor, über der Freiheit die
Gerechtigkeit zu vernachlässigen. Als ob "Gerechtigkeit"
hierzulande präsidiale Befürworter brauchte, die irreale
Sehnsucht danach hat längst die Wertschätzung der Freiheit
abgelöst, der Wunsch, in warmer Gemeinschaft aufgehoben zu sein,
schiebt sich vor die Fröste, die das Risiko der
Selbstverantwortung begleiten.
Längst hat der Bürger dem Staat die Entscheidung darüber in die
Hand gegeben, wie er sein Leben zu führen hat. Vielleicht macht
ja diese Sehnsucht nach paternalistischer Fürsorge den Islam
attraktiv? Seine orthodoxen Strömungen geben feste Regeln und
Rollen vor, versprechen Halt, Ordnung und Bindung und geben dem
Individuum das Gefühl, Teil eines schützenden Ganzen zu sein.
Nie mehr selbst entscheiden müssen, wie man leben will – wäre
das nicht schön? Ein Albtraum. Männer mögen das gelassen sehen,
schreibt Monika Maron. "Als Frau kann ich das nicht." Ich auch
nicht.
HTML http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106414066/Was-ich-als-Frau-nicht-akzeptieren-kann.html
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