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#Post#: 237--------------------------------------------------
Friedrich: Radikaler Salafismus ist wie eine harte Droge
DIR By: Ben
Date: June 9, 2012, 7:12 am
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Freitag, 8. Juni 2012
Friedrich: Radikaler Salafismus ist wie eine harte Droge
Interview mit:
Hans-Peter Friedrich
Medium:
Welt
Salafisten möchten die Demokratie abschaffen, einen islamischen
Gottesstaat errichten und die Scharia einführen. Innenminister
Hans-Peter Friedrich will jetzt mit aller Härte des Gesetzes
gegen die fundamentalistische Strömung des Islam vorgehen.
Die Welt (Welt): Wie friedlich wird am Samstag der "1.
Islamische Friedenskongress" in Köln?
Hans-Peter Friedrich: Wir müssen eine Eskalation der Gewalt
verhindern. Der Kongress darf nicht von radikalen Salafisten
instrumentalisiert werden. Ich hoffe, dass es friedlich bleibt.
Aber die zuständigen Sicherheitsbehörden sind auf alles
vorbereitet.
Welt: Das müssen Sie auch sein: Im Mai lieferten sich Salafisten
in Bonn und Solingen erstmals Straßenschlachten mit der Polizei.
Zwei Beamte wurden mit Messerstichen schwer verletzt. Und der
radikalisierte Arid Uka erschoss 2011 zwei US-Soldaten auf dem
Flughafen Frankfurt am Main. Ist der Heilige Krieg bei uns
angekommen?
So weit will ich nicht gehen. Die unterschiedlichen Fälle zeigen
aber, dass die Hemmschwelle für Gewalt in erschreckender Weise
gesunken ist. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Der Staat
muss mit aller Härte des Gesetzes deutlich machen, dass unsere
Demokratie wehrhaft ist. Salafisten bekämpfen die
freiheitlich-demokratische Rechtsordnung und wollen stattdessen
ihre radikale Ideologie in Deutschland einführen. Wir aber
werden das nicht zulassen. Wir verteidigen mit aller Kraft
unsere Freiheit und unsere Sicherheit.
Welt: Rund 1500 der 4000 deutschen Salafisten gelten als
"gewaltbereit". Sind das potenzielle Terroristen?
Die Zahl 1500 kann ich so nicht bestätigen, denn die Grenzen
zwischen dem politischen und dem gewaltbereiten Salafismus sind
fließend. Damit lässt sich nicht eindeutig feststellen, welche
Gruppierung Gewalt wirklich ausschließt, und welche bereit ist,
sie anzuwenden. Natürlich: Nicht jeder Salafist ist ein
Terrorist. Aber all diejenigen, die im terroristischen Umfeld
gelandet sind, haben einen salafistischen Hintergrund. Der
radikale Salafismus ist wie eine harte Droge. Wer ihr erliegt,
wendet Gewalt an.
Welt: Wie weit ist der Weg von der Ideologie zum Terrornetzwerk
al-Qaida?
Al-Qaida und die Ideologie, die die Salafisten hierzulande
vertreten, erwächst aus dem gleichen radikalen Nährboden.
Welt: Gleichzeitig verschenken Salafisten 300.000 Mal den Koran
in Fußgängerzonen. Eine völlig harmlose Aktion?
Salafisten berufen sich bei der Koranverteilung auf unsere
Religionsfreiheit. Aber es geht ihnen gar nicht um Religion. Was
sie erreichen wollen, ist, die Menschen in ihr ideologisches
System des Salafismus zu ziehen. Darin liegt die Gefahr dieser
Aktion. Und dass sie von unseren Grundrechten nichts halten,
zeigt die Morddrohung gegen Journalisten.
Welt: Wie finden Sie es, dass der Kölner Salafist Abou Nagie,
der Hintermann der Koranverteilung, angeblich 1860 Euro Hartz IV
im Monat für sich und seine drei Kinder erhält?
Ich teile das Unbehagen der Bürger zu 100 Prozent. Dass diese
Leute auf Kosten des Steuerzahlers leben, finde ich
unerträglich. Der Rechtsstaat muss sich dagegen wehren.
Welt: Sollte Gewaltpredigern Hartz IV gekürzt werden?
Man sollte über alle Sanktionen nachdenken, die unser
Sozialstaat hergibt. Ich halte es grundsätzlich für richtig,
wenn staatliche Zuschüsse für solche Extremisten überprüft
werden. Eine Voraussetzung wäre sicherlich die konsequente
strafrechtliche Verfolgung aller Gesetzesverstöße.
Welt: Die Innenminister haben verstärkte Ausweisungen
beschlossen. Bleibt dies nicht wirkungslos, da die meisten
Salafisten einen deutschen Pass besitzen?
Es muss verhindert werden, dass solche Leute überhaupt die
deutsche Staatsbürgerschaft bekommen. Das ist nach der aktuellen
Gesetzeslage möglich. Zudem lasse ich derzeit eine Verschärfung
des Aufenthaltsgesetzes prüfen, um Gewaltprediger leichter
abschieben zu können. Künftig sollte dies schon dann möglich
sein, wenn jemand Inhalte verbreitet, die sich gegen die
freiheitlich-demokratische Grundordnung richten oder die einer
Radikalisierung beziehungsweise Anwerbung zum Terrorismus
Vorschub leisten, egal ob aus religiösen oder politischen
Motiven.
Welt: Muss man Rädelsführern Grundrechte, wie etwa die Meinungs-
und Versammlungsfreiheit, entziehen?
Diese Möglichkeit sieht das Grundgesetz zwar vor, allerdings
gibt es dafür hohe Hürden. Das Bundesverfassungsgericht hat
bisher noch keinem Extremisten Grundrechte aberkannt.
Welt: Sie planen Verbote salafistischer Vereine. Kommen Sie
damit wirklich weiter? Die Szene organisiert sich doch meist gar
nicht in Vereinen.
Über Vereinsverbote reden wir nicht, die machen wir. Aber seien
Sie sich sicher, dass wir alle Instrumente und Möglichkeiten
ausschöpfen werden. Verbote sind ein Signal. Dadurch nimmt man
den Salafisten eine Identifikationsmöglichkeit mit einer
einzelnen Gruppe. Außerdem kann man das Vereinsvermögen
beschlagnahmen. Auch das schwächt die salafistische Szene.
Welt: Brauchen die Sicherheitsbehörden die
Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsdaten als Werkzeug
für die Terrorbekämpfung?
Wir müssen unsere Sicherheitskräfte in die Lage versetzen, dass
sie konkreten Hinweisen auf die Identität von Terroristen
nachgehen können. Dafür brauchen wir die sechsmonatige
Vorratsdatenspeicherung.
Welt: Das Zauberwort der Behörden heißt nun "Deradikalisierung".
Welche Formen von Prävention halten Sie beim Fundamentalismus
tatsächlich für wirksam?
Mit Sozialpädagogik allein kommt man da nicht weiter. Es tut
weh, zu sehen, wie sich junge Leute mit Leib und Seele für das
Falsche engagieren.
Welt: Solche Islamisten lassen sich in der Regel nicht von
"Ungläubigen" belehren. Ihre Hoffnung ist doch ziemlich naiv.
Wir müssen bereits vor der Anwerbung von Extremisten mit der
Präventionsarbeit beginnen. Darin besteht die große
Herausforderung. Wir wollen gemeinsam mit den muslimischen
Verbänden die Deradikalisierungsprogramme ausbauen. Die
Sicherheitspartnerschaft mit muslimischen Verbänden hat dabei
eine wichtige Bedeutung. Es ist aber auch eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe, junge Menschen für Demokratie
zu begeistern. Hier müssen wir schon in den Schulen und bei der
politischen Bildungsarbeit ansetzen.
Welt: Können politische Jugendorganisationen der Parteien etwas
tun?
Dies ist keine ausschließliche Aufgabe für politische
Jugendorganisationen. Sie können aber natürlich auch ein Weg
sein, sich zu engagieren.
Welt: Das Buch des Sozialdemokraten Thilo Sarrazin "Deutschland
schafft sich ab" war ein Bestseller. Verliert die Union Stimmen,
weil sie solchen Kritikern zu wenig Platz bietet?
Ganz klar: Probleme müssen benannt werden. Deswegen hilft es
nichts, wenn man irgendwelchen Multikulti-Träumereien nachhängt
und das, was schiefläuft, ausblendet oder nicht drüber spricht.
Das passiert bei uns seit langer Zeit, und ich halte dies für
einen großen Fehler. Das führt dann nämlich zu einem solchen
Bucherfolg. Sarrazin spricht vielen Bürgern aus dem Herzen. Nach
dem Motto: Endlich sagt jemand mal öffentlich, was viele denken.
Welt: Wie gefährlich ist die Szene der Islamhasser?
Sie polarisiert sehr stark und trägt damit zur Radikalisierung
bei. Das haben wir in Nordrhein-Westfalen erlebt.
Welt: Gefährdet die Zunahme extremistischer Strömungen den
Zusammenhalt der Gesellschaft?
Nein. Wir sind aber alle gefordert, mehr für den Zusammenhalt zu
tun. Das ist nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch die
eines jeden Einzelnen. Jeder kann etwas für unsere Gesellschaft
tun und sollte gerade auch mit Jugendlichen arbeiten.
Welt: Ist das "Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus"
eine Übergangslösung? Sollte mittelfristig ein Zentrum für alle
extremistischen Gefahren eingerichtet werden?
Grundsätzlich müssen wir in der Lage sein, das Abwehrzentrum
auch auf andere extremistische Bereiche auszuweiten. Dafür
benötigen wir allerdings noch die rechtlichen Grundlagen. Aber
ich bin dafür, erst mal die Hausaufgaben zu erledigen, die auf
dem Tisch liegen, und dann andere Fragen zu klären.
Welt: Die schwarz-gelbe Koalition streitet seit Monaten über die
Einführung einer Neonazidatei. Warum kommt das Projekt nicht
voran?
Ich gehe davon aus, dass wir die Verbunddatei noch vor der
Sommerpause im Bundestag verabschieden. Denn es ist schwer
vorstellbar, dass ausgerechnet eine liberale Partei eine
Neonazidatei verhindern oder auch nur verzögern wird.
Das Interview führten Florian Flade, Martin Lutz und Ulf
Poschardt für die Welt.
HTML http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Interview/2012/06/2012-06-08-salafisten.html
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