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#Post#: 231--------------------------------------------------
Wo bleibt euer Protest?
DIR By: Ben
Date: June 9, 2012, 7:06 am
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Wo bleibt euer Protest?
Von Tobias Kaufmann, 08.06.12, 12:27h
Wenn in Köln Rechtspopulisten irgendwo ein Schild hochhalten,
leistet ein breites Bündnis von DGB bis BAP sofort Widerstand.
Doch wenn Islamisten einen Kongress veranstalten, schweigt die
Zivilgesellschaft. Warum eigentlich? Anstoß, der Kommentar.
Salafisten um den Prediger Pierre Vogel veranstalten in Köln am
Samstag einen „Friedenskongress“, um für sich zu werben. Das ist
ihr gutes Recht. Genauso wie es das gute Recht, ja sogar der
Auftrag einer aufgeklärten, säkularen Stadtgesellschaft ist,
Widerspruch gegen ein solches Treffen zu artikulieren. Gründe
gäbe es genug. Pierre Vogel lehnt zwar Terroranschläge gegen
Zivilisten und Ehrenmorde ab – aber die Interpretation seiner
Religion ist fundamentalistisch, vormodern, am Rande dessen, was
unsere Verfassung toleriert.
Juden und Christen, die vom Islam gehört haben und ihn trotzdem
nicht annehmen, seien keine Gläubigen, und deshalb zum Schmoren
in der Hölle verdammt, lehrt Vogel. Ehebrecherinnen zu
steinigen, hält er zwar im nicht-islamischen Deutschland für
falsch, aber in einem islamischen Staat gehört es für ihn nun
mal dazu.
Eine Gesellschaft, in der die Salafisten nicht eine kleine
Minderheit, sondern Staatsmacht sind, sähe völlig anders aus als
das Köln, in dem die schwul-lesbische Community mit
Unterstützung der Stadt jährlich eine Parade und ein
Benefiz-Fußballturnier veranstaltet und in der eine der größten
jüdischen Gemeinden der Republik sicher ist. In Ägypten haben
die Salafisten als saudische Vorfeld-Organisation das Ziel,
einen Gottesstaat zu errichten. Auch die Taliban oder diverse
Al-Kaida-nahe Gruppen in Algerien, Syrien, Libyen und dem
Libanon zählen Experten im engeren oder weiteren Sinne zu den
salafistischen Strömungen.
Angst vor gewaltbereiten Islamisten?
Protest gegen den Kongress wird es am Samstag dennoch nur von
Pro NRW geben, einer Gruppierung, die vorgibt, im Dienste von
Aufklärung und Menschenrechten gegen den Islam zu sprechen.
Dahinter steckt in Wahrheit Fremdenfeindlichkeit und eine
pauschale Abneigung gegen Muslime. In der Methode, ihre
Absichten zu verbrämen, sind Salafisten und Rechtspopulisten
sich sehr ähnlich. Warum also überlässt die Stadtgesellschaft
den Widerspruch gegen die islamistische Sekte den Moslemhassern?
Vielleicht aus Angst? In Bonn griff im Mai ein tobender
islamistischer Mob die Polizei mit Holzlatten an, ein Mann
zückte ein Messer und verletzte zwei Beamte schwer. In Solingen
schlugen zwei Salafisten zwei Antifa-Aktivisten ebenfalls mit
Dachlatten zusammen. Aber wäre das nicht erst recht ein Grund,
gemeinsam, in einem breiten Bündnis, den Salafisten zu zeigen,
dass sie ihre Ideologie bitte für sich behalten sollen, statt
für sie öffentlich zu werben?
Sorge vor Beifall von der falschen Seite ist ein oft
gebrauchtes, aber unsinniges Argument. Man kann sehr gut und für
jeden nachvollziehbar gegen fremdenfeindliche Propaganda von
Rechtsaußen und demokratiefeindliche Propaganda von Islamisten
zugleich demonstrieren. In Hamburg und Frankfurt haben Politiker
der Grünen gegen Veranstaltungen von Salafisten Stellung
bezogen. In Köln aber hört man nichts.
Splittergruppen können wachsen
Der Grund dafür könnte sein, dass in dieser Stadt viele
derjenigen, die für den so genannten zivilgesellschaftlichen
Protest verantwortlich sind, mit einem zugekniffenen Auge durch
die Welt laufen. Sie haben es sich in einem überkommenen, links
geprägten Antifaschismus bequem gemacht und keine Antenne für
den politischen Islam, jene dritte, große totalitäre Bewegung
nach Nationalsozialismus und Kommunismus.
Gewaltbereite Salafisten seien eine Splittergruppe, sie haben
„mit den Muslimen in Deutschland nichts zu tun“, teilte Volker
Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, kürzlich
mit. Diese Aussage ist symptomatisch. Denn auch gewaltbereite
Anhänger von Pro NRW sind eine Splittergruppe. Bei der
Landtagswahl im Mai erreichten die Partei gerade mal 1,5 Prozent
der Stimmen. Wenn aber in Köln auch nur fünf Pro-Köln-Vertreter
irgendwo ein Schild hochhalten, ruft sofort ein breites Bündnis
zum Widerstand auf- Grüne, Linke, SPD, Antifa, Kirchen,
Gewerkschaften und Kölsch-Rocker kriegen „den Arsch huh“ gegen
Rassismus und Intoleranz. Denn allen ist klar, dass
Splittergruppen wachsen können – nicht umsonst gilt die Parole
„Wehret den Anfängen“.
Wenn aber islamische Fundamentalisten in Köln einen Kongress
veranstalten, um Muslime und Nicht-Muslime von ihrem Glauben zu
überzeugen, dann hört man nichts von der Linken, vom DGB, von
den Kirchen, von BAP. Mehr noch: Es entsteht der Eindruck, das
tolerante Köln würde im Zweifel gemeinsam mit Islamisten gegen
Rechts demonstrieren. Das ist ein fatales Signal.
HTML http://www.ksta.de/html/artikel/1338997247682.shtml
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