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#Post#: 226--------------------------------------------------
Der Islam als österreichische Realität
DIR By: Ben
Date: June 9, 2012, 6:51 am
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Der Islam als österreichische Realität
Der Islam ist in Österreich seit 100 Jahren gesetzlich
anerkannt. Zum großen gesellschaftlichen Thema wurde er erst in
den letzten Jahrzehnten. Ein Buch versucht den Überblick.
1Am 15. Juli vor 100 Jahren unterzeichnete Kaiser Franz Josef
das Islamgesetz. Diese frühe staatliche Anerkennung zumindest
der hanefitischen Rechtsschule des Islam ist eine
österreichische Besonderheit. Auf dieser Grundlage wurde 1979
die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ)
gegründet und ab Anfang der 80er-Jahre islamischer
Religionsunterricht an öffentlichen Schulen erteilt.
Freilich: Auch Österreich blieb – insbesondere seit den
Anschlägen vom 11. September 2001 – kaum eine emotionale Debatte
über den Islam erspart, auch hierzulande gab und gibt es
populistischen Wahlkampf auf dem Rücken der Muslime und dazu
viel Verunsicherung und Angst wegen der statistischen Zunahme
muslimischer Menschen in Österreich.
Das vorliegende Buch von drei Universitätsprofessoren versucht
einen nüchternen Überblick über das Thema Muslime in Österreich:
Geschichte, Religion, Recht und Alltag und
christlich-muslimischer Dialog bilden die Eckpfeiler, um die
herum viel Grundlagenwissen vermittelt wird. Daher eignet sich
das Buch auch besonders für Einsteiger.
Um die heißen Themen wie Kopftuch, Zwangsheirat, Ehrenmord, aber
auch um die Frage, wie viele Muslime die IGGiÖ eigentlich
repräsentiert, drücken sich die Autoren keineswegs herum. Sie
gehen aber nicht wie andere Beobachter mit einer Grundhaltung
des Verdachts in diese Debatten. Wer von vornherein nur
antiislamische Argumente hören will, wird das so in diesem Buch
nicht finden. Damit unterscheidet sich das Werk von nicht
wenigen anderen Veröffentlichungen über den Islam.
Die Suche nach Fakten, auf die sich die drei Autoren gemacht
haben, findet freilich auch ihre Grenzen: Es fehlen einfach für
nicht wenige Teilbereiche genauere Daten und Untersuchungen. Zum
Teil behelfen sich die Autoren damit, Veröffentlichungen aus
Deutschland heranzuziehen und auf Österreich „umzulegen“. Da mag
viel Richtiges dabei herauskommen, aber auch in Österreich
werden wir nicht darum herumkommen, uns damit genauer zu
beschäftigen. Denn der Islam ist in Österreich eine
gesellschaftliche Realität, mit der Muslime und Nicht-Muslime
möglichst konstruktiv umgehen sollten – das schließt auch Kritik
mit ein.
Muslime in Österreich, Geschichte, Lebenswelt, Religion,
Grundlagen für den Dialog, von Susanne Heine, Rüdiger Lohlker
und Richard Potz, Tyrolia Verlag, 296 Seiten, 27,95 Euro.
HTML http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/buchrezensionen/art272,901239
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