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#Post#: 225--------------------------------------------------
Gefährliches Gezwitscher
DIR By: Ben
Date: June 9, 2012, 6:49 am
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Der türkische Pianist Fazil Say twittert. Und stichelt dabei
manchmal gegen den Islam.Das könnte ihm jetzt zum Verhängnis
werden
Klassische Pianisten aus Asien oder den ehemaligen Sowjetländern
trifft man auf den Konzertpodien häufig an. Kaum je aber einen
aus der Türkei. Insofern genießt Fazil Say einen Exotenbonus.
Als eine Art Fatih Akin der klassischen Musik ist der 42-Jährige
ein Grenzgänger zwischen den Kulturen. Unvergessen sein Auftritt
mit der Kremerata Baltica in Kreuzlingen und in Friedrichshafen.
Fazil Say gab Mozarts „Rondo alla turca“ als Zugabe – ein Türke
spielt, wie sich ein westlicher Komponist türkische Musik
vorstellt. Schon darin steckt eine gewisse Ironie. Doch Fazil
Say biegt das Klischee erneut um – Richtung Jazz. Nichts und
niemand ist ihm heilig. Doch gerade seine flapsige
Respektlosigkeit könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden. Denn
auch verbal hält er sich selten zurück – auch nicht in Richtung
seiner türkischer Heimat. Nun hat die Staatsanwaltschaft in
Istanbul Anklage gegen ihn erhoben. Wegen Verletzung religiöser
Gefühle. Ihm drohen 18 Monate Haft. Was war passiert?
Fazil Say twittert. Und über diesen Kanal verbreitete er
kürzlich die Zeilen eines persischen Dichters des 11.
Jahrhunderts: „Du sagst, durch deine Bäche wird Wein fließen,
ist das Pradies denn eine Schänke? Du sagst, du wirst jeden
Gläubigen mit zwei Jungfrauen belohnen, ist das Paradies denn
ein Bordell?“ Der Tweed tat seine Wirkung und löste einen Sturm
der Entrüstung aus, wie man ihn hierzulande vielleicht nur mit
Diskussionen über das Verbot von Kruzifixen in bayerischen
Schulzimmern provozieren kann.
Allerdings war das nicht Fazil Says erste und einzige Stichelei
Richtung Türkei. Mal lästert er über die schnulzige Arabeskmusik
Anatoliens, mal stellt er fest, die türkische Popsängerin Sezen
Aksu treffe ihre Töne nicht. Und zuletzt mokkierte er sich über
einen Muezzin, der für seinen Aufruf zum Abendgebet nur
rekordverdächtige 22 Sekunden benötigte: „Warum so eilig? Eine
Geliebte? Der Raki-Tisch?“ Damit war das Fass voll, die Anklage
gegen Say eingeleitet. Damit tut sich die Türkei gewiss keinen
Gefallen. Fazil Say mag sich an seiner Heimat abarbeiten – doch
er kommt auch immer wieder auf sie als wichtige
Inspirationsquelle zurück. In seinen Kompositionen kann man das
hören. Schon mischen sich in die Sympathiebekundungen für Say
grundsätzlich türkei- und islamfeindliche Töne. Mit einer
Haftstrafe für Say würde die Türkei solche Klischees auch noch
bestätigen. Und die kennen keine ironischen Untertöne.
HTML http://www.suedkurier.de/nachrichten/kultur/aktuelles/kultur/meinung/Gefaehrliches-Gezwitscher;art1009798,5541646
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