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       #Post#: 1734--------------------------------------------------
       3 Grünhelme im Terroristengebiet entführt
   DIR By: KarlMartell
       Date: June 30, 2013, 9:10 am
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       SYRIEN
       Verschwunden im Norden
       Drei deutsche Nothelfer
       der Organisation „Grünhelme“
       sind entführt worden –
       Rebellen und Kollegen versuchen,
       sie zu finden.
       Die Entführer kamen nachts um
       kurz vor drei. Sie kamen leise,
       und offenbar bedrohten sie ihre
       Opfer, die drei Männer der deutschen
       Hilfsorganisation „Grünhelme“; denn die
       blieben ebenfalls vollkommen still.
       Und so bekam fast niemand etwas mit,
       als die drei Deutschen Bernd Blechschmidt,
       Simon Sauer und Ziad Nouri am
       15. Mai aus einer Erdgeschosswohnung
       in der nordsyrischen Stadt Harim entführt
       wurden.
       Nur einen Zeugen hatten die Geiselnehmer
       übersehen: Amr al-Mraiati, syrischer
       Kollege der drei, hörte verängstigt
       aus einem Nebenzimmer alles mit. Irgendjemand
       drückte mal die Klinke zu
       seiner Tür herunter, brach aber dabei den
       Plastikgriff ab. Er habe die Täter nur einmal
       reden hören, so al-Mraiati, „als einer
       sagte: ,Ich muss jetzt los!‘ und ein anderer
       erwiderte, ,gut, dann geh!‘“
       „Bislang hatten wir gehofft, unsere Mitarbeiter
       zu finden und freizubekommen“,
       sagt Rupert Neudeck, Gründer des Vereins
       „Grünhelme e.V.“. Seine Nothelfer
       bauen in Krisengebieten Krankenhäuser
       und Schulen wieder auf. „Doch nachdem
       alle Versuche fehlgeschlagen sind, appellieren
       wir an die Bundesregierung, die
       Uno, die EU, Einfluss auszuüben auf die
       Freie Syrische Armee und die Exilopposi -
       tion, damit die sich bemühen, unsere drei
       wieder freizubekommen.“
       Die Verwandten der Entführten wollen
       nach zermürbenden Wochen der Hoffnungen
       und Enttäuschungen ebenfalls
       nicht länger warten: „Wir hatten und haben
       volles Vertrauen in die deutschen Behörden,
       aber leider erfahren wir so gut
       wie nichts, was denn getan wird“, sagt
       Sarah Nouri, die Tochter des Krankenhaus-
       Experten Ziad Nouri, der gerade in
       Syrien angekommen war und eigentlich
       nur für wenige Wochen in Harim bleiben
       sollte: „Wir hoffen, wir appellieren, aber
       wir fühlen uns als Angehörige sehr hilflos,
       wenn wir gar nicht wissen, welche Maßnahmen
       ergriffen werden.“ Aus dem Auswärtigen
       Amt heißt es, „der Krisenstab
       ist mit dem Fall intensiv befasst“.
       Schon im Herbst vergangenen Jahres
       wagten sich die ersten Grünhelme in jene
       verwüsteten Gebiete Nordsyriens, aus denen
       Rebellen die Truppen des Regimes
       vertrieben hatten. In der Kleinstadt Asas
       richteten sie ein Krankenhaus wieder her.
       Mitte März 2013 zogen sie weiter nach
       Harim, direkt an der türkischen Grenze.
       Sie errichteten einen Kindergarten, dann
       fingen sie damit an, ein Krankenhaus aufzubauen.
       „Alle dachten, Harim wäre relativ sicher,
       weit entfernt von den Kämpfen“, so
       Neudeck. Die irische Hilfsorganisation
       „Goal“ hatte dort ein Büro eröffnet. Tage
       vor der Entführung kontaktierte dann
       auch die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“
       die Grünhelme: Man würde ebenfalls
       erwägen, nach Harim zu gehen.
       Das Haus mitten in Harim, in dem die
       Deutschen wohnten, gehört Bürgermeister
       Abu Abdu. „Die Leute hier mochten
       die Deutschen“, sagt Nachbar Rafian
       Schaichu, „die haben mit uns Fußball gespielt,
       wir haben für die gekocht und waren
       froh, dass Hilfe kommt.“ Dass die
       Gäste auch in der verhängnisvollen Nacht
       die Türen nicht abgeschlossen hatten, sei
       normal gewesen – „aber im Nachhinein
       betrachtet war es ein Fehler“.
       Harim war ruhig und trotzdem auf eine
       tückische Art unsicher. Anders als in
       Asas, dessen Bewohner früh gegen die
       Assad-Diktatur protestierten, hatten sich
       die Menschen in Harim herausgehalten.
       Es gibt zwar eine Rebelleneinheit der
       Freien Syrischen Armee (FSA), sie wird
       vom Stadtrat versorgt und soll für Sicherheit
       sorgen. Aber die FSA-Männer sind
       vor allem mit dem Treibstoffschmuggel
       über die türkische Grenze beschäftigt. Ein
       Graffito im Zentrum parodiert die Revolutionsparolen:
       „Diesel bis zum Sieg!“
       Noch in der Nacht der Entführung fuhr
       der alarmierte Bürgermeister Abu Abdu
       zu den beiden Checkpoints der FSA –
       aber die waren unbesetzt. Der Dorfchef
       fragte Nachbarn, telefonierte FSA-Kommandeure
       in den umliegenden Dörfern
       ab. Ein Junge sagte, er habe gegen drei
       Uhr einen silberfarbenen Pick-up in Richtung
       Zentrum fahren sehen, von wo aus
       Straßen in andere Richtungen abgehen.
       Wochenlang suchten die syrischen Kollegen
       der drei Helfer nach ihnen, ebenso
       Kommandeure der lokalen Rebellengruppen.
       Der Schlupfwinkel einer Schmugglergruppe
       in den Bergen wurde durchsucht,
       erfolglos. Eine Gruppe ausländischer
       Dschihadisten wurde verdächtigt,
       doch zwei Aussteiger gaben an, der Anführer
       dort sei zwar brutal, halte aber
       keine ausländischen Geiseln fest.
       Die Kidnapper wussten offenbar sehr
       genau, wo die Deutschen wohnten, obwohl
       die erst einen Monat zuvor in das
       Haus gezogen waren und kein Schild auf
       die Grünhelme hinwies. Seit vergangenem
       Herbst sind mehrfach Ausländer im
       Norden nach exakt dem gleichen Muster
       verschleppt worden: Immer gab es wohl
       lokale Informanten, dann einen raschen
       Zugriff – und anschließend verschwanden
       die Opfer spurlos. Eine Macht, die Ausländer
       an ganz verschiedenen Orten nach
       demselben Muster verschleppen lassen
       könnte, ist das Regime in Damaskus.
       Aber dafür fehlen Beweise.
       „Jetzt sind wir seit 47 Tagen ohne jedes
       Lebenszeichen von den dreien“, sagt
       Rupert Neudeck, „ich bin entsetzlich besorgt.“
       HUBERT GUDE, CHRISTOPH REUTER
       DER SPIEGEL 27/2013, S. 86
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