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#Post#: 1651--------------------------------------------------
Syrien: Pest gegen Cholera
DIR By: KarlMartell
Date: June 16, 2013, 11:26 am
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S Y R I E N
Jenseits der roten Linie
Der internationale Konflikt um das Bürgerkriegsland eskaliert:
Die USA wollen den Rebellen Waffen liefern, Russland protestiert
dagegen – und die Lage an den Fronten wird immer chaotischer.
Der Grenzübergang liegt malerisch
in der Ebene, umgeben von sanften
Hügeln, von Weizenfeldern
und Olivenhainen. „Tor des Friedens“
heißt der Posten zwischen der türkischen
Stadt Kilis und dem syrischen Aasas.
In Wahrheit ist er das Tor zur Hölle
des Bürgerkriegs in Syrien. 77 Lastwagen
und Sattelschlepper warten auf der türkischen
Seite, viele vollgepackt mit Getreidesäcken.
Bei anderen ist die Ladung mit
Planen verdeckt – Nachschub für not -
leidende Zivilisten und Rebellen in den
Kampfgebieten.
Deshalb will die Armee von Diktator
Baschar al-Assad das „Tor des Friedens“
unbedingt zuschlagen: Zusammen mit
Hunderten Kämpfern der schiitischen Hisbollah-
Miliz aus dem Libanon soll die Armee
die Nachschubwege der Aufstän -
dischen abriegeln. „Nordsturm“ heißt die
angekündigte Großoffensive – Assads
Generäle sind zuversichtlich geworden,
nachdem die Armee zusammen mit den
Islamisten der Hisbollah vor gut zwei
Wochen die Kleinstadt Kusair zurück -
erobert hat.
Ein Rebellenkämpfer, ganz in Schwarz
gekleidet, bittet am „Tor des Friedens“
um eine Mitfahrgelegenheit in den Krieg.
Der Wagen erreicht kurz darauf die Auto -
bahn, die Richtung Süden nach Aleppo
führt. In der Gegenrichtung haben Rebellen
die Straße mit einem Erdwall verbarrikadiert.
Ein Schützenpanzer richtet seine
Kanone drohend nach Norden. Aber
würden Assads Truppen nicht aus dem
Süden kommen?
Abu Said, ein 24-jähriger Rebell aus
Aasas, versucht die verworrene Lage zu
erklären: „Hier belagern wir die Kurdenenklave
Afrin, weil die Kurden die schiitischen
Kleinstädte Nubl und Sahra heimlich
mit Nachschub versorgen, obwohl
wir seit Monaten versuchen, die Ortschaften
abzuschnüren.“ Im Großraum Aleppo
kämpfen unter anderem syrische und libanesische
Schiiten auf der Regierungsseite
gegen die mehrheitlich sunnitischen
Rebellen. Mit der türkisch-kurdischen
PKK verbündete Kurdenmilizen liefern
sich zudem Scharmützel mit den Aufständischen,
unter denen sich aber ebenfalls
kurdische Einheiten befinden. Und in den
kurdischen Vierteln von Aleppo schießen
sämtliche Kurdenfraktionen – auch jene,
die mit der PKK liiert sind – auf die Regierungssoldaten
und die Hisbollah-Kämpfer.
Es ist schwierig geworden, im Syrien-
Konflikt die Übersicht zu bewahren.
Aber es ist für den Westen jetzt wichtiger
als je zuvor.
Denn inzwischen sieht es so aus, als
würde die syrische Armee durch die Hilfe
der Hisbollah Gelände gewinnen, als
könnte die schreckliche Balance dieses
Bürgerkriegs kippen. Und vergangene
Woche bestätigte die US-Regierung, was
Briten und Franzosen schon seit Wochen
behaupten: dass die Regierung Assad zudem
Chemiewaffen gegen das eigene
Volk einsetze. In vergleichsweise geringem
Umfang zwar nur, soweit die Amerikaner
wissen – 100 bis 150 Tote habe es
bei mehreren Angriffen gegeben –, aber
damit sei die „rote Linie“ überschritten,
die Präsident Barack Obama im vergangenen
August gezogen hatte: Sobald Syriens
Armee Giftgas verwende, werde
Amerika eingreifen.
Die Amerikaner könnten nun Rebellengruppen
wie der Freien Syrischen Armee
(FSA), denen sie halbwegs trauen,
Waffen liefern – Gewehre, Munition, vielleicht
Panzerabwehrraketen. Russland,
mit Assad verbündet, schlug deshalb sofort
zurück. Die Giftgas-Beweise seien
„eine Lüge“, nur „fabriziert“, damit Amerika
die Rebellen stützen könne, behauptete
Alexej Puschkow, Chef des Auswärtigen
Ausschusses der Staatsduma.
Beim G-8-Gipfel in Irland, der an diesem
Montag beginnt, wird der Kampf um
Syrien eines der Hauptthemen sein. Die
westlichen Staaten müssen sich entscheiden,
was sie tun wollen. Großbritannien
und Frankreich stehen auf Seiten Ame -
rikas, die Bundesregierung verkündete
umgehend, sie werde auf keinen Fall
Waffen schicken in das Land, das inzwischen
ein extrem chaotischer Kriegsschauplatz
geworden ist: Zum Assad-Regime
hält Russland, das moderne Flug abwehr -
systeme liefern will, die auch amerikanische
Flugzeuge abschießen könnten. Iran
schickt Assad permanent Nachschub,
Hunderte Hisbollah-Krieger aus dem Libanon
kämpfen am Boden für ihn.
Auf Seiten der Rebellen, militärisch bislang
vom Westen weitgehend im Stich gelassen,
kämpfen immer mehr sunnitische
Islamisten, auch Gruppen mit al-Qaida-
Verbindungen, dazu vielleicht tausend
Tschetschenen. Die Aufständischen werden
gestützt vor allem von Saudi-Arabien
und Katar.
Rund 93000 Menschen sollen bislang
gestorben sein. Und das könnte, in diesem
Hexenkessel, erst der Anfang gewesen
sein.
Jenseits der Autobahn setzt der Fahrer
den Qaida-Kämpfer in einem kleinen
Dorf ab. Auf einer Kinderschaukel sitzen
drei Dschihadisten mit dicken Turbanen
und lesen in Taschenausgaben des Koran.
In Sichtweite des Dorfes liegt der Hubschrauberflugplatz
Minak, der nördlichste
von Assads Soldaten gehaltene Stützpunkt
bei Aleppo.
Wahrzeichen der Basis ist ein Wasserturm
aus Beton, in dessen Stützpfeiler
Soldaten Schießscharten gemeißelt haben.
Dadurch können sie die Rebellen in
der Ebene von oben beschießen. Doch
die treiben Schützengräben und Tunnel
voran, um die Panzer auf dem Flughafen
zerstören zu können. Entsatz für die Soldaten
dort gehört zu den Zielen der Regierungsoffensive.
Auf der Rebellenseite stehen hier tschetschenische
Dschihadisten, kriegserfahrener
als die Einheimischen. Sie nehmen
hohe Verluste in Kauf, die Friedhöfe der
Umgebung legen davon Zeugnis ab. Die
Tschetschenen gehören zur „Armee der
Emigranten und Unterstützer“ unter dem
Kommando eines Mannes namens Abu
Omar al-Schischani. Schischani heißt
Tschetschene.
Versteckt hinter einer Hausruine macht
sich eine Gruppe von etwa 30 Tschetschenen
bereit. Sie schleichen sich durch die
Schützengräben an die Basis heran, während
Assads Panzer eine Granate nach
der anderen abfeuern.
Die Geschosse fauchen über die Köpfe
der Tschetschenen hinweg und explodieren
in der Ferne. „Guck mal“, sagt Abu
Sair, ein Kämpfer aus der Gegend: „Die
Tschetschenen haben sogar einen russischen
T-72-Panzer erbeutet. Damit beschießen
sie den Wasserturm.“ Der T-72
steht hinter ein paar Zypressen, über ihm
weht die schwarze al-Qaida-Fahne.
Keine 15 Kilometer weiter südlich feuern
Rebellen Raketen auf die Schiiten -
enklave Nubl. Ein deutscher Dschihadist
mit blauen Augen und völlig akzentfreiem
Hochdeutsch steht hinter einem Sandsackwall
der Rebellen und beobachtet die
Einschläge durch ein Fernglas. Er ist
höchstens Mitte zwanzig, trägt schwarze
Kluft, offenbar ein Konvertit; er mag
nicht sagen, woher er kommt.
Noch einmal 15 Kilometer weiter die
Autobahn runter Richtung Süden verläuft
die Front bei ein paar im Rohbau fertiggestellten
Häusern nahe der Ortschaft
Maarrat al-Artik. Das ist einer der Vor -
orte von Aleppo, die den Vormarsch der
Regierungstruppen behindern. Überall
liegen selbstgebastelte Bomben, dazwischen
Kabel. Sollten die Assad-Truppen
die Gebäude erobern, wollen die Aufständischen
sie in die Luft sprengen.
Unentwegt schickt derweil ein Maschinengewehr
der Gegenseite Salven her -
über. „Die Hisbollah-Kämpfer sitzen da
drüben in den Häusern“, sagt Abu Aiman,
einer der Aufständischen; die Häuser stehen
keine 200 Meter weiter.
Zwischen den improvisierten Bomben
der Rebellen liegen leere Kartons verstreut.
„Pasta with garden vegetables“
oder „Islamic Food and Nutrition Council
of America“ steht auf den Packungen.
„Das ist, was uns Obama als Hilfe ge -
gen die Hisbollah schickt“, lästert Abu
Aiman. „Als ob wir Nahrungsmittel nötig
hätten. Wir brauchen Panzer- und
Flugabwehrwaffen und Munition, viel
Munition.“
Die könnte nun bald kommen. Quellen
in der US-Regierung sagten der „New
York Times“, wie Amerikas Hilfe funktionieren
dürfte: Die CIA, nicht die Armee,
würde die Waffen nach Syrien
schaffen.
Auch Panzerabwehrwaffen könnten
die USA so schicken. Flugabwehrraketen
aber wären wohl nicht dabei – denn die
würden für Amerika vielleicht selbst gefährlich,
sollten sie in die Hände von Ter-
roristen fallen. Kommandeure der FSA
kommentierten die Waffenankündigungen
aus Washington vorsichtig: Das seien
schöne Worte, so Salim Idriss, der nominelle
Generalstabschef der FSA, „aber
wir warten auf Taten, nicht Worte“. Hilfe
sei schon zu oft versprochen worden.
Hassan Abud, Führer einer moderaten
islamistischen Gruppe, die mit der FSA
kooperiert, klang düsterer: „Es ist zu spät.
Wir bauen jetzt auf die Hilfe aus Saudi-
Arabien und auf unsere eigene Stärke.
Wir glauben den USA nicht mehr.“
Alle in der Opposition eint der Verdacht,
dass die versprochene Militärhilfe
nur ein Trick sein könnte. Er solle Moskau
vor der auf Juli verschobenen internationalen
Friedenskonferenz unter
Druck setzen, damit Wladimir Putin Syriens
Diktator Baschar al-Assad doch
noch fallenlässt.
Die Konferenz, von Washington und
Moskau initiiert, soll in Genf stattfinden.
Im Idealfall könnten Regime und Rebellen
dort über einen Waffenstillstand verhandeln.
Deshalb geht es jetzt um die
beste Ausgangsposition: Wer militärisch
führt, kann am meisten fordern.
Dazu passt ein Geheimbericht, der vergangene
Woche beim deutschen Bundesnachrichtendienst
und der Bundesregierung
einging. Danach wolle Saudi-Arabien
die Rebellen angeblich mit sogenannten
Man Pads ausrüsten – schultergestützten
Luftabwehrraketen vom französischen
Typ Mistral. Ähnliche Waffen brachten bereits
den Mudschahidin im Afghanistan-
Krieg gegen die Sowjets in den achtziger
Jahren den Sieg.
Und ein paar Panzerabwehrraketen zumindest
haben sich einige Rebellentruppen
schon ohne Hilfe des Westens organisiert.
Vor wenigen Tagen erhielt etwa
die „Einheitsbrigade“ der FSA in Maarrat
al-Artik eine Lieferung. In einer Ecke eines
verminten Rohbaus liegt ein leerer
Geschossbehälter mit der Aufschrift
9M133-1. Das bezeichnet eine ziemlich
moderne Lenkrakete des russischen Typs
Kornet, Reichweite 5,5 Kilometer. „Damit
haben wir gestern einen Panzer ver -
nichtet“, sagt der Rebell Abu Aiman.
Stolz zeigen er und seine Kameraden
Handy-Videos von explodierenden Regime-
Panzern.
Nicht weit weg, in Maarrat al-Numan,
hielt vergangene Woche Said Salam die
Freitagspredigt, ein prominenter Imam
aus den Reihen der Opposition.
Er verwob die Ankündigung aus Washington
mit der Geschichte des Propheten:
„Mohammed hat gesiegt, weil er sich
auf sich selbst verlassen hat. Moses hat
gesiegt gegen den Pharao, weil er sich
auf sich selbst verlassen hat. Wir werden
siegen, wenn wir uns auf uns selbst verlassen
– und wenn wir geduldig sind.“
SUSANNE KOELBL, KURT PELDA,
CHRISTOPH REUTER
Der Spiegel 25/2013, S. 76-78
#Post#: 1655--------------------------------------------------
Re: Syrien: Pest gegen Cholera
DIR By: Kater Karlo
Date: June 16, 2013, 6:40 pm
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Wie Deutschland der syrischen Opposition hilft
Von Jörg Lau 25. Juli 2012 um 08:48 Uhr
Zwischen dem Ludwigkirchplatz in Berlin-Wilmersdorf und Damaskus
liegen 3700 Kilometer Luftlinie. Doch wenn eines Tages ein neues
Syrien aus den Trümmern der Assad-Diktatur entsteht, könnten
wesentliche Impulse aus dem alten preußischen Amtsgebäude
stammen, in dem ein regierungsnaher deutscher Thinktank
residiert
Bei der »Stiftung Wissenschaft und Politik« (SWP) hat seit
Januar eine Gruppe von bis zu 50 syrischen Oppositionellen aller
Couleur geheime Treffen abgehalten, um Pläne für den Tag nach
dem Abgang Assads zu schmieden. Das klandestine Projekt mit dem
Namen »Day After« wird von der SWP in Partnerschaft mit dem
»United States Institute of Peace« (USIP) organisiert, wie DIE
ZEIT von Beteiligten erfuhr. Das deutsche Außenministerien und
das State Department helfen mit Geld, Visa und Logistik. Direkte
Regierungsbeteiligung gibt es wohlweislich nicht, damit die
Teilnehmer nicht als Marionetten des Westens denunziert werden
können.
Zwar nehmen auch Angehörige der »Freien Syrischen Armee« teil,
doch der Weg hin zum Sturz Assads und die damit verbundene
Debatte um Fluch und Segen militärischer Interventionen wird in
Berlin bewußt ausgeklammert. Die Frage bei den Treffen lautet:
Wie kann der Übergang zu einem demokratischen Syrien organisiert
werden? Das unweigerliche Ende des Regimes wird schlicht
vorausgesetzt. Es ist seit mehr als sechs Monaten die
Arbeitshypothese bei den Berliner Treffen. Darin zeigt sich,
dass die Bundesregierung schon viel länger mit dem Sturz des
syrischen Regimes kalkuliert, als Berliner Diplomaten zugeben
können. Und: Deutschland ist sehr viel stärker in die
Vorbereitungen der syrischen Opposition einbezogen, als man
bisher öffentlich zugeben wollte.
Dies allerdings mit gutem Grund: Unter beträchtlichem Aufwand
wurden diskret Ex-Generäle, Wirtschafts- und Justizexperten,
sowie Vertreter aller Ethnien und Konfessionen -– Muslimbrüder
eingeschlossen, aber auch säkulare Nationalisten – nach Berlin
eingeflogen. Die Sache musste unter dem Radar der Öffentlichkeit
gehalten werden, um eine freie Debatte zu ermöglichen und
Teilnehmer vor dem langen Arm des syrischen Geheimdienstes zu
schützen. Außerdem: So lange Deutschland noch an Assad und seine
Paten in Moskau und Peking appellierte, wäre es kontraproduktiv
gewesen, konkrete Planungen für ein freies Syrien offenzulegen.
Nach der Eskalation der Kämpfe und dem Scheitern der Diplomatie
durch das Veto Russlands und Chinas aber ist ein »Wendepunkt«
(Westerwelle) erreicht und Deutschland stellt sich offener
hinter die Opposition.
Der Syrienkenner Volker Perthes, Direktor der SWP, betont, die
beteiligten Regimegegner hätten »sich selbst rekrutiert, denn es
ist nicht unsere Aufgabe, hier eine neue syrische Regierung
auszuwählen.« Ziel des Projekts sei vielmehr, Prioritäten beim
Umbau der Assad-Diktatur in eine Demokratie zu identifizieren.
»Vielleicht wichtiger noch«, fügt Perthes hinzu: »Wir haben der
Opposition die Chance gegeben, unbeobachtet und ohne Druck eine
Diskurscommunity zu schaffen«. Offenbar war das produktiv: Im
August soll ein Dokument veröffentlicht werden, das den Konsens
der Opposition darüber darstellt, wie die neue Verfassung
aussehen muss, wie Armee, Justiz und Sicherheitsapparate
refomiert werden können, wie die Konfessionen künftig friedlich
zusammenleben und die Wirtschaft umgebaut werden muss.
Für Berlin als Tagungsort sprach von Beginn an, dass es kaum
möglich gewesen wäre, die Teilnehmer aus dem islamistischen
Spektrum in die USA zu bringen. Außerdem sind mit Perthes und
der Projektleiterin Muriel Asseburg langjährige Kenner Syriens
vor Ort verfügbar. Deutschland hat zudem wertvolle eigene
Erfahrung mit der Überwindung von Diktaturen: Perthes erzählt,
ein Besuch bei der Stasi-Unterlagenbehörde habe bei den Syrern
heftige Debatten über den Umgang mit Geheimdienstakten und
belasteten Mitarbeitern ausgelöst. Eines der wichtigsten Themen
ist die Frage, welche Teile des Sicherheitsapparats und der
Justiz man bewahren sollte. Der Irak gilt im Nachbarland Syrien,
so Perthes, als abschreckendes Beispiel dafür, wie die
Totalabwicklung des alten Regimes ins Chaos führen kann.
Die Bundesregierung zieht mit der Förderung der syrischen
Opposition Konsequenzen aus der Fehlentscheidung, im
Libyenkonflikt mit Rußland und China gestimmt zu haben. In
diesem Zusammenhang sind auch die offiziellen Aktivitäten
Deutschlands im Rahmen der »Freundesgruppe des syrischen Volkes«
zu sehen. Darin sind 70 Staaten vertreten, die trotz der
russisch-chinesischen Blockade für den Wandel in Syrien
eintreten. Deutschland hat in der »Freundesgruppe« zusammmen mit
den Vereinigten Arabischen Emiraten die Verantwortung für die
»Arbeitsgruppe Wirtschaftlicher Wiederaufbau und Entwicklung«
übernommen. Die erste Sitzung fand Ende Mai in Abu Dhabi statt,
die zweite Ende Juni in Berlin. In Berlin wurde jüngst ein
Sekretariat eingerichtet, das die Sitzungen koordinieren und den
Kontakt zur syrischen Opposition halten soll, geleitet vom
ehemaligen Chef des afghanischen Büros der Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW), Gunnar Wälzholz. Das Auswärtigen Amt
finanziert das Sekretariat mit 600 000 Euro für zunächst
sechs Monate. Deutsche Diplomaten äußern sich erfreut, dass der
Syrische Nationalrat, der größte Zusammschluss oppositioneller
Kräfte, sich beim Treffen der Arbeitsgruppe klar zu
Martkwirtschaft und Korrruptionsbekämpfung bekannt hat.
Beide von Deutschland geförderten Aktiviäten, die klandestinen
und die öffentlichen, passen zusammen: Ob die Pläne der
Oppositionellen für ein demokratisches Syrien umgesetzt werden
können, hängt wesentlich daran, ob der wirtschaftliche
Wiederraufbau allen Syreren Chancen bietet.
Ob die Berliner Transformationskonzepte aber am Ende überhaupt
zum Zuge kommen, hängt nicht zuletzt davon ab, wieviel Hass bis
zu Assads erwartbarem Abgang noch freigesetzt wird. Alle
Beteiligten, heißt es, sind sich dessen bewußt.Dass Deutschland
sich diesmal aufrichtig bemüht hat, werden sie aber in jedem
Fall nicht vergessen.
HTML http://blog.zeit.de/joerglau/2012/07/25/wie-deutschland-der-syrischen-opposition-hilft_5651
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