DIR Return Create A Forum - Home
---------------------------------------------------------
Station13
HTML https://station13.createaforum.com
---------------------------------------------------------
*****************************************************
DIR Return to: Artikel aus der Presse
*****************************************************
#Post#: 1625--------------------------------------------------
Streit um Nilwasser - incl. Kriegsdrohung
DIR By: Kater Karlo
Date: June 13, 2013, 9:07 am
---------------------------------------------------------
Streit um Nilwasser: Mursi droht Äthiopiens Dammbauern
Äthiopien will den Nil mit einem Mega-Damm aufstauen - und sorgt
damit für Empörung in Kairo. Ägyptens Präsident Mursi fürchtet
für sein Land Wasserknappheit. Schon spricht er von einem Krieg.
Mohammed Kamel Amr ist einer der einflussreichsten Diplomaten,
die Ägypten zu bieten hat. Seine Karriere führte ihn in die USA,
nach Saudi-Arabien, auch in der ägyptischen Vertretung bei den
Vereinten Nationen war Amr stationiert. Seit Juli 2011 ist er
Außenminister.
Nun steht für Amr eine Reise an, in der sein ganzes
diplomatisches Geschick gefordert sein wird. In den kommenden
Tagen soll Amr in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba reisen
und einen Konflikt um das Wasser des Nils lösen. Der Streit
darum, wem es gehört und wer es wie nutzen darf, könnte
andernfalls in einem Krieg enden.
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hatte Äthiopien Anfang der
Woche erstmals indirekt mit einem bewaffneten Konflikt gedroht.
"Wir wollen keinen Krieg", sagte Mursi vor Anhängern seiner
Partei in Kairo. "Doch wir können es nicht hinnehmen, dass
unsere Sicherheit gefährdet wird." Deshalb stünden "alle
Optionen offen", so der Präsident.
Auslöser des Streits ist ein gigantischer Staudamm, mit dem
Äthiopien den über sein Staatsgebiet fließenden Blauen Nil
aufstauen will. Ende Mai hat das Land damit begonnen, den
Flusslauf dafür um 500 Meter zu verlegen.
Der "Große Äthiopische Renaissance-Damm" soll Elektrizität
produzieren, viel Elektrizität: In der ersten Bauphase, die
binnen drei Jahren abgeschlossen sein soll, würde das 3,2
Milliarden Euro teure Werk eine Leistung von 700 Megawatt
entfalten. Nach der endgültigen Fertigstellung soll die Leistung
dann auf 6000 Megawatt steigen - es wäre das größte
Wasserkraftwerk des Kontinents. Der Staudamm soll 1780 Meter
lang und 145 Meter hoch werden.
Den gewonnenen Strom will Äthiopien an seine Nachbarländer
verkaufen und so die Staatskasse füllen. Verbrauchen, etwa zur
Bewässerung, wollen die Äthiopier das Wasser nach eigenen
Aussagen nicht: Ist es einmal durch die Turbinen geströmt, soll
es ungehindert Richtung Norden fließen.
Angst um Lebensgrundlage
Trotzdem ist Kairo in Aufruhr. Die Empörung hat verschiedene
Ursachen: Zum einen ist da Angst um die Lebensgrundlage, die das
Nilwasser für das ganze Land darstellt. Ägypten argumentiert,
dass aus dem entstehenden Stausee weit mehr Wasser verdunsten
würde als aus einem ungehindert fließenden Fluss. Insofern käme
weniger Wasser in Ägypten an, der Pegel des Stroms würde sinken.
Dies würde nicht nur die auf Bewässerung angewiesene
Landwirtschaft schädigen, auch die Schifffahrt werde
beeinträchtigt, argwöhnt Ägyptens nationalistische Presse.
Vor allem aber ist die Eskalation ein Manöver, mit dem die unter
Druck stehenden Muslimbrüder und ihr Präsident versuchen, von
der desolaten innenpolitischen Lage abzulenken. Kritiker werfen
der Regierung Mursi vor, Ägypten zu einer islamistischen
Diktatur umzubauen. Am 30. Juni wollen sich Millionen
Oppositionelle zu Massenprotesten versammeln und Neuwahlen
erzwingen. Da kommt es Mursi gelegen, sich für etwas stark zu
machen, das jedem Ägypter am Herzen liegt: den Nil, den der
Präsident gern salbungsvoll "Gottes Geschenk an Ägypten" nennt.
Geschicktes Ablenkungsmanöver
Kairo hat den Streit offenbar angestachelt: Vergangene Woche
saßen mehrere hochrangige Politiker in einem Fernsehstudio und
besprachen, dass man Äthiopien nicht nachgeben dürfe. Angeblich
wussten die Männer nicht, dass ihre Diskussion live übertragen
wurde. Junis Machjum, Führer der radikalislamischen Nur-Partei,
gab sich besonders kriegerisch: Erst schlug er vor, Ägypten
könne Rebellengruppen in Äthiopien in ihrem Kampf gegen die
Regierung in Addis Abeba unterstützen. Und wenn das nichts
nütze, müsse der ägyptische Geheimdienst eben den Damm
zerstören.
Befürworter des Dammbaus argumentieren, Ägypten, das von allen
zehn Nilanrainern den bei weitem größten Anteil des Flusswassers
nutze, habe kein Recht auf den unverhältnismäßig hohen
Verbrauch. Doch Gespräche über einen neuen Verteilungsschlüssel
sind immer wieder gescheitert. Die Zeit, in der Kairo aus einer
bis in die Pharaonenzeit zurückreichende Tradition heraus einen
Anspruch auf das Nilwasser ableiten kann, scheinen jedenfalls
vorbei. Die anderen Anrainer sind inzwischen zu gut organisiert,
um diese Vormachtstellung länger hinzunehmen. So soll sich
Äthiopien für die Finanzierung seines Damms die Unterstützung
chinesischer Banken gesichert haben.
Addis Abeba hat ägyptische Forderungen, den Bau zu stoppen, von
sich gewiesen. "Nichts wird den Renaissance-Damm stoppen. Keine
Drohung wird ihn stoppen", sagte ein Regierungssprecher dem
britischen "Guardian". Ägypten betreibe "psychologische
Kriegsführung".
Äthiopiens Regierung behauptet, dass eine Kommission von
Experten aus Sudan, Ägypten und Äthiopien zu dem Schluss
gekommen seien, dass der Dammbau internationalen Standards
entspreche und keinen Schaden für andere Anrainer bedeute. Der
Bericht ist bislang nicht veröffentlicht worden.
HTML http://www.spiegel.de/politik/ausland/streit-um-nilwasser-aegypten-droht-aethiopien-indirekt-mit-krieg-a-905373.html
Interessant, wie die salafistische Nur-Partei, also Männer, die
sich im Dienste Allahs sehen, Konfliktelösungen anbieten: Man
schickt Schläger- bzw. Mordtruppen, um die Regierung zu
destabilisieren (das ist Fitna) oder man zerstört einfach.
Anstatt mit Äthiopien zusammenarbeiten, um hernach von der
Energiegewinnung, die Ägypten dringend braucht, zu profitieren,
fällt diese nbösen, debilen Schwachmaten nur Destruktives ein.
#Post#: 1628--------------------------------------------------
Re: Streit um Nilwasser - incl. Kriegsdrohung
DIR By: KarlMartell
Date: June 13, 2013, 6:07 pm
---------------------------------------------------------
Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn 13.06.2013
Ägyptens kommende Nilschlacht
1929 garantiert Grossbritannien, dass bei neuen Vorstössen zur
Nutzung des Nilwassers vorab immer in Ägypten und Sudan, also in
London angefragt werden muss und gegen Einspruch von dort nichts
geändert werden darf. Damals ist Ägypten Halbkolonie und
beherbergt gerade mal 14 Millionen, der anglo-ägyptische Sudan
sogar weniger als 7 Millionen Einwohner. Das Nilwasser wird
diesen 20 Millionen reserviert, weil die Angst längst da ist,
dass es knapp werden könnte.
Deshalb werden 1929 acht weitere Nil-Länder nicht einmal
konsultiert: Äthiopien (damals 15 Millionen Einwohner), Eritrea
(0,5 Mill.), Kenia (3 Mill.), Uganda (3,3 Mill.), Burundi (2
Mill.), Ruanda (1,5 Mill.),Tansania (5 Mill.) und Kongo/Kinshasa
(7 Mill.). Die Ländergruppe verfűgt nur űber 37
Millionen Menschen (ein heutiges Polen) und hat Zugang zu
anderen Wasserqellen.
70 Jahre später, im Jahre 1999, als das Weltreich besiegt und
der Kolonialismus Vergangenheit ist, können die acht
Ausgeschlossenen auf das Nilwasser nicht mehr verzichten. Ihre
Bevölkerungen sind ungeachtet kaum endender Massaker,
Bűrgerkriege, Kriege und Völkermorde von 37 auf 220
Millionen hochgeschossen. Nicht nur fűr Vieh und Felder,
sondern auch fűr Industrien und 1929 noch unvorstellbare
Komforttechniken brauchen się Wasser. Doch Ägypten und der
Sudan können jetzt erst recht nichts hergeben,denn bei ihnen
wollen nicht mehr nur 20, sondern űber 90 Millionen
Menschen an das kostbare Nass. Deshalb verweigern sich die
beiden der von Äthiopien initiierten und von der Weltbank
anfinanzierten Nile Basin Initiative. In dieser Ablehnung steckt
nicht nur die Angst vor Wasserverlust, sondern auch eine
gehörige Portion Hochmut. Man traut den sűdlichen Nachbarn
schlicht nicht zu, die Infrastruktur fűr die
Wasserabzweigung zustandebringen.
Doch knapp 15 Jahre später, im Mai 2013, beginnt Äthiopien mit
der Umleitung des Blauen Nil, um Afrikas grössten Staudamm
fűr 6.000 Megawatt Leistung zu errichten (entspricht sechs
grossen Atomkraftwerken). Am 10. Juni 2013 verkűndet
Ägyptens Präsident Morsi im Parlament: „Wenn Ägypten ein
Geschenk des Nils ist, dann ist der Nil ein Geschenk an
Ägypten.” Die ohne Wissen der Beteiligten im Fernsehen
űbertragene Debatte bringt von links bis rechts und von
weltlich bis salafistisch jede Menge Einfälle von der
Bombardierung des Great Ethiopian Renaissance Dam űber die
Hilfe fűr Separatisten bis hin zum offenen Angriffskrieg.
Die Abgeordneten demonstrieren helle Panik.
2013 aber kann erst recht niemand nachgeben. Bei den
benachteiligten Acht wollen mittlerweile 325 Millionen auch pro
Kopf immer mehr Wasser, während die beiden Altprivilegierten
kaum weniger imponierende 130 Millionen in die Schlacht werfen
können. Wo 1929 nicht einmal 60 Millionen den Nil anzapfen, sind
es im nächsten Jahr 460 Millionen.
Äthiopien zeigt sich wenig verängstigt von Ägyptens
„psychologischer Kriegsfűhrung”. Man tut się ab als
Manöver zur Ablenkung von inneren Problemen. Sicherheitshalber
erinnert man aber an seine Tradition, sich „allen Mächten des
Bösen” immer erfolgreich widersetzt zu haben. Auch heute ständen
die Streitkräfte bereit, jeden Angriff zu ersticken. Morsi redet
daraufhin von einem „freundlichen Nachbarn”mit Recht auf
Entwicklung, lässt aber ausdrűcklich „alle Optionen” auf
dem Tisch.
Gewaltsame Auseinandersetzungen sind nicht mehr eine Frage des
Ob, sondern nur noch des Wann. 2050 műssen sich 9
Milliarden Menschen die Erde teilen. Nicht mehr knapp 60
Millionen wie 1929, sondern 970 Millionen wollen dann den Nil in
ihre Kanäle leiten – 735 Millionen davon in Schwarzafrika und
235 Millionen in Ägypten und Sudan.
Morsi hat sich in eine delikater Lage manövriert. Gern
wűrde er die Juden Israels vernichten – fűr ihn sind
sie „Abkömmlinge von Affen und Schweinen”, Aber dann gäbe es
plötzlich weit mehr Wasser als gewűnscht. Denn der
Assuan-Staudamm flöge in die Luft und eine Megawelle hätte freie
Fahrt bis runter nach Alexandria. Und noch liegt von Gűnter
Grass kein schűtzendes Gedicht vor. Auch ein Sieg űber
das christliche Äthiopien wűrde imponieren. Dann aber gäbe
es womöglich zu wenig Wasser. Denn einen Krieg kann man
verlieren. Zwar hat Äthiopien nur 140.000 Mann unter Waffen,
während Ägypten 470.000 zählt. Von denen aber sind die meisten
in den vielfältigen Geschäftsfeldern des Militars gebunden oder
gegen Israel in Stellung. Und nach einem Sieg könnte Addis Abeba
an die 280 Millionen Äthiopier von 2050 und nicht nur an die 94
Millionen von heute denken, also ernsthaft damit beginnen, Kairo
das Wasser abzugraben. Das kann Morsi nicht ruhiger stimmen,
denn 2050 muss auch er nicht mehr nur wie heute 85, sondern 140
Millionen Bűrger versorgen.
Dann doch lieber die Einheit mit Lybien und seinem Erdöl? Aber
da műsste er gegen ein „Bruderland” ziehen und auch die
Schutzmächte der dort tätigen Bohrgesellschaften im Auge
behalten. Weder fűr Ruhm noch fűr wirtschaftliche
Entlastung steht es gut. Und der Mordbefehl gegen den Deutschen
Hamed Abdel-Samad sowie die Einkerkerung deutscher und
amerikanischer NGOler könnte sein Budget noch weiter
beschneiden. Gleichwohl muss er sich da noch am wenigsten Sorgen
machen. Denn in Berlin und Washington hat man einen
Heidenrespekt vor dem frommen Mann.
HTML http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/aegyptens_kommende_nilschlacht
*****************************************************
Page 1 of 1