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       #Post#: 1527--------------------------------------------------
       Niemand weiß, wieviele Migranten es in Deutschland gibt
   DIR By: Kater Karlo
       Date: May 7, 2013, 7:32 pm
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  HTML http://blog.zeit.de/open-data/2012/05/24/migranten-statistik-bundeslaender/
       Niemand weiß, wie viele Migranten es in Deutschland gibt
       Von Tobias Jochheim 24. Mai 2012 um 11:52 Uhr
       Manchmal lösen die einfachsten Fragen die größten Irritationen
       aus. ZEIT ONLINE etwa wollte lediglich wissen, wie viele
       Menschen mit Migrationshintergrund in welchem Bundesland leben.
       (Man kann sich an dem Ausdruck stören oder ihn albern finden,
       aber er umfasst alle diejenigen, die als Migranten wahrgenommen
       werden, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit). Wir hatten
       mit einem Zeitaufwand von einer halben Stunde gerechnet. Daraus
       wurden drei Wochen.
       Menschen mit Migrationshintergrund sind hierzulande ein
       Politikum. Alle reden über sie, ziehen diesen Begriff für
       allerhand Vergleiche heran – doch niemand weiß, wie viele damit
       genau bezeichnet werden. Hier die Geschichte unserer Recherche.
       Als Antwort auf die obige Frage wurde uns vom Statistischen
       Bundesamt mitgeteilt, genaue Zahlen könnten nur für die alten
       Bundesländer angegeben werden. Für fünf Bundesländer gebe es sie
       nicht. Zitat: “590.000 Personen mit Migrationshintergrund lebten
       2010 zusammengenommen in den Neuen Bundesländern.”
       “Die Zahlen gibt es nicht”
       Für eine genauere Aufschlüsselung dieser Zahl verweist man an
       die fraglichen fünf Statistischen Landesämter. Doch keines davon
       will mehr sagen als diese eine pauschale Zahl für alle zusammen.
       Eine Aufschlüsselung der Migranten für jedes Bundesland ist
       angeblich nicht erhältlich.
       Dass das nicht ganz stimmt, lässt eine interne Mail vermuten,
       die ganz offensichtlich aus Versehen an uns geschickt wird. Denn
       sie legt nahe, dass diese Pauschalzahl eine Verabredung ist:
       Diese unsere Anfrage “ist wahrscheinlich an alle neuen
       Bundesländer gegangen; werden Sie koordinieren?”, heißt es da
       aus Thüringen. Und: “Sicherlich ist die Datenlage in unseren
       Ländern ähnlich ‘dünn’.” Dass das “dünn” in Anführungszeichen
       steht, bietet viel Spielraum für Spekulationen. Die Antwort aus
       Brandenburg lautet: “ja ich werde dem Journalisten mitteilen,
       dass es keine Daten für die einzelnen NBL [Neue Bundesländer,
       Anm. d. Autors] gibt.”
       Soll das etwa heißen, dass die Zahlen existieren, aber nicht an
       die Öffentlichkeit kommen sollen? Wir sind verwundert und fragen
       weiter: Bei den Statistikämtern und beim für sie zuständigen
       Bundesinnenministerium.
       Und tatsächlich, die Zahlen existieren. Hier zu sehen als Google
       Fusion Table.
       Sie werden bei der jährlichen Erhebung von Bevölkerungsdaten,
       dem sogenannten Mikrozensus, detailliert und methodisch erfragt,
       sollen jedoch nicht öffentlich verwendet werden. Offiziell
       lautet der Grund für die Nicht-Veröffentlichung, der uns nun
       genannt wird: Zu kleine Fallzahlen, daher zu große
       Fehlerwahrscheinlichkeit nach der Hochrechnung.
       Beim Mikrozensus wird jährlich ein Prozent der Haushalte in
       Deutschland von den Statistischen Landesämtern befragt. Die
       Ergebnisse dieser Befragung werden auf das jeweilige Land
       hochgerechnet – grob gesagt: mit 100 multipliziert. Ausnahme:
       Ein abgefragter Fall tritt zu selten auf, was natürlich in
       bevölkerungsschwachen Bundesländern häufiger vorkommt. Dann wird
       allerdings nicht im Einzelfall nach Lust und Laune entschieden.
       Vielmehr gibt es einen klar definierten einheitlichen
       Schwellenwert. Dagmar Ertl vom Statistischen Amt Saarland
       erklärt:
       Es gibt sie doch, aber sie sind ungenau
       “Bei Stichprobenerhebungen wie dem Mikrozensus treten
       zufallsbedingte Fehler auf. Das sind Abweichungen, die darauf
       zurückzuführen sind, dass nicht alle Einheiten der
       Grundgesamtheit befragt wurden. Als Schätzwert für den
       zufallsbedingten Stichprobenfehler dient der so genannte
       Standardfehler, der aus den Einzeldaten der Stichprobe berechnet
       wird. Für hochgerechnete Jahresergebnisse, das heißt für weniger
       als 50 Fälle in der Stichprobe geht der einfache relative
       Standardfehler über 15 Prozent hinaus. Solche Ergebnisse haben
       nur noch einen geringen Aussagewert und sollten deshalb für
       Vergleiche nicht mehr herangezogen werden. Hochgerechnete
       Besetzungszahlen unter 5.000 werden demzufolge nicht
       nachgewiesen und in Veröffentlichungen des Mikrozensus durch
       einen Schrägstrich (“/”) ersetzt.”
       Aus diesem Grund tauche etwa die Bevölkerungsgruppe der
       Über-95-Jährigen in Hamburg nur als “/” in Veröffentlichungen
       auf, sagt Dr. Jürgen Delitz vom Statistikamt Nord (Hamburg /
       Schleswig-Holstein). Diese Gruppe sei schlicht zu klein.
       Die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund in den Neuen
       Bundesländern indes ist mit den genannten 590.000 größer als
       eine halbe Million Menschen. Selbst in Mecklenburg-Vorpommern
       leben laut der internen Statistik hochgerechnet 77.000 von ihnen
       – deutlich mehr also als die geforderten 5.000.
       Auf erneute Nachfrage argumentieren die Behörden plötzlich mit
       der relativen Zahl, die zu gering sei, um sichere Aussagen zu
       treffen. In der Tat beträgt die Quote der Menschen mit
       Migrationshintergrund im Osten knapp fünf Prozent. Im Westen
       sind es rund 22 Prozent.
       Das Statistische Landesamt Saarland bestätigt allerdings das
       Naheliegende: Mit dem absoluten Schwellenwert 5.000 seien “auch
       potenziell niedrige relative Fallzahlen abgedeckt”.
       Prof. Dr. Walter Krämer, Statistikprofessor an der TU Dortmund,
       kritisiert uns gegenüber die Nicht-Veröffentlichung
       detaillierter Zahlen als nicht nachvollziehbar: “Die wahren
       Motive der Datenproduzenten sind für mich ein Mysterium.” Für
       uns auch, wir fragen weiter, unsere Mails erreichen immer höhere
       Ränge der Bürokratie, wie wir an den Absendern sehen.
       “Migranten sind untererfasst”
       Schließlich taucht ein neues Argument auf. Per Mail erklärt das
       Statistische Bundesamt: “Die nichtdeutsche Bevölkerung wird
       zudem gegenüber der deutschen Bevölkerung im Mikrozensus
       untererfasst. Diese Untererfassung ist in den Bundesländern
       Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und
       Thüringen deutlicher ausgeprägt, als in den anderen
       Bundesländern. Teilweise erreicht die Untererfassung das
       Dreifache im Vergleich zur regulären Auswahl. In diesen Fällen
       wird in dieser Bevölkerungsgruppe nicht jeder hundertste,
       sondern nur jeder dreihundertste befragt.”
       Die Nichtveröffentlichung wird in dieser Mail auch nicht mehr
       allein mit der Fehlerquote erklärt, sondern mit “methodischen
       Gründen”: “Aufgrund der vorstehend genannten Sachlage und der
       daraus resultierenden geringeren Datenqualität haben sich die
       Statistischen Landesämter von Berlin-Brandenburg,
       Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
       aus methodischen Gründen dazu entschlossen – unabhängig von der
       Höhe eines statistischen Schwellenwertes – keine Ergebnisse aus
       dem Mikrozensus für Ausländerinnen und Ausländer und Personen
       mit Migrationshintergrund auf der Ebene der einzelnen
       Bundesländer zu publizieren.”
       Es folgen weitere Erläuterungen, unter anderem vom Landesamt für
       Statistik in Brandenburg, die sich auf die “Klumpenform” der
       Befragungsbezirke beim Mikrozensus beziehen. In Kurzform besagen
       sie, dass die Methode des Mikrozensus nicht dazu taugt, Menschen
       mit Migrationshintergrund korrekt zu zählen. Die Daten, die bei
       dem Verfahren herauskommen, seien zu ungenau, zu schlecht.
       Zufällige Befragung und Hochrechnungen kämen hier an ihre
       statistische Grenze. Was zur Frage führt, ob solche
       grundlegenden Probleme dann nicht für all diese Zahlen gelten,
       also auch für die 590.000 und für die Angaben zu den alten
       Bundesländern…
       Das Bundesamt verweist anschließend auf das
       Ausländerzentralregister. Dort gebe es Zahlen, die “nicht mit
       den oben genannten Datenqualitätsproblemen behaftet sind”. Zum
       Schluss gibt es noch einen Link. Es ist dieser hier.
       Tatsächlich stehen dort detaillierte Angaben zu den einzelnen
       Bundesländern. Aber erfasst werden nur “Ausländer”, also jene,
       die keinen deutschen Pass haben. Wir jedoch wollten wissen, wie
       viele Menschen als Migranten gelten – was auch Menschen meint,
       deren Eltern vielleicht einst einwanderten, die aber Deutsche
       sind.
       Obwohl in der Öffentlichkeit dauernd von diesen Migranten die
       Rede ist, weiß hierzulande also offiziell niemand, auf wie viele
       Menschen diese Bezeichnung zutrifft. Wir haben daher die
       “schlechten” Zahlen der Statistikämter in unserer Grafik
       veröffentlicht. Mögen sie als vage Schätzung dienen.
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