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       Der "Tatort" als geistiger Brandstifter
   DIR By: Kater Karlo
       Date: May 2, 2013, 11:31 am
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       Vera Lengsfeld   29.04.2013
       Der “Tatort” als geistiger Brandstifter
       Wenn man den Medienhype um den zweiten Hamburger Tatort
       „Feuerteufel“ verfolgt, wo viel über die Beziehung Till
       Schweiger- Wotan Wilke Möhring die Rede ist, bis hin zum
       gemeinsamen Toilettengang auf dem Bildschirm, fragt man sich
       unwillkürlich, ob unsere Meinungsmacher noch ganz dicht sind.
       Statt Analysen oberflächliches Geplapper im Boulevard- Stil. So
       weit, so öde, wenn mit diesem Film nicht eine Botschaft
       verbreitet worden wäre, die nichts Gutes für die Zukunft unserer
       Rechtsstaatlichkeit ahnen lässt.
       Abgesehen davon, dass die Grundidee des Drehbuchs von einer
       Stubbe- Folge, die zudem auch noch in Hamburg spielt, recycelt,
       oder sollte man besser sagen, geklaut, wurde, bekommt der
       Zuschauer ein links- grün- alternatives Weltbild serviert, dass
       einem kalte Schauer über den Rücken jagt.
       Das geht mit dem Brandstifter los, der, exakt wie bei Stubbe,
       so unschuldig-süß in die Kamera gucken muss, dass klar ist, dies
       ist ein guter Junge, der höchstens marginal über die Stränge
       schlägt. Er kommt sowieso aus dem armen Osten der Stadt und
       zündelt im reichen Westen, der, das wird in der Folge
       vorgeführt, eigentlich auch nichts Besseres verdient hat. Der
       arme Feuerteufel will bloß seiner Freundin imponieren, die von
       den Flammen auf seinem Handyvideo offenbar auf sein heißes
       Begehren schließen soll.
       Leider verdirbt ihm eine „Schlampe“ den Spaß, die doch
       Dreistigkeit besessen hat, in ihrem Auto vor sich hinzudösen,
       was unserem Brandstifterlein leider entgangen war. Er flucht,
       aber zieht die Frau raus, ruft sogar den Notarzt an, denn im
       Grunde ist er ja eine gute Seele.
       Leider läuft dem Engel mit Bettelblick noch mehr aus dem Ruder.
       Bei einer Schlägerei mit einem (na klar !) verdächtig „rechts“
       aussehendem Typen kommt dem das Handy in mit der flammenden
       Liebesbotschaft in die unbefugten Hände. Da bleibt rein gar
       nichts übrig, als die Glatze abzustechen. Damit der Zuschauer
       auf keine dummen Gedanken kommt, bricht der Messerstecher am
       Tatort in ein herzzerreißendes Schluchzen aus.
       Sein weiterer Amoklauf führt ihn zum Ehemann der toten
       Autobesitzerin, in dessen Garten der ein weiteres Feuerchen
       legen musste, denn dieses Abbild eines verachtenswerten
       Spießbürgers hatte tatsächlich ein Kopfgeld auf den Autozündler
       mit Todesfolge ausgesetzt.
       Glücklicherweise naht in höchster Not die Rettung in Gestalt des
       Kommissars Torsten Falke, aus dem Problemviertel Billstedt
       stammend und von daher ausgerüstet mit dem „richtigen“ Sinn für
       „Gerechtigkeit“. Falke hatte von Anfang an so ein „Bauchgefühl“,
       dass die Schuldigen im reichen Westen sitzen müssten. Das ist
       alleiniger Maßstab für seine Ermittlungen. Der Ehemann der Toten
       ist ihm gleich verdächtig und die aufgebrachten Bürger, die an
       die 300 Autobrände pro Jahr ertragen müssen, von denen nur 5%
       Prozent aufgeklärt werden sind die eigentlichen Schurken. So
       werden sie auch dargestellt: unsympathische, heimliche
       Rechtsradikale, die nicht die erforderliche politische
       Korrektheit (früher sagte man Reife) besitzen die
       Brandstiftungen sich selbst zuzuschreiben.
       Hier greift Falcke hart durch. Als er ein paar bürgerlich
       aussehende Elemente um das ausgebrannte Auto herum stehen sieht,
       bedeutet er ihnen, sofort Leine zu ziehen, sonst würde ihnen
       einen kleinen Arrestaufenthalt verpassen. Auf die Frage einer
       Frau, was sie denn getan hätten antwortet er tatsächlich: „Ach,
       da werde ich mir was Schönes ausdenken“. An dieser Stelle sind
       wir mit der ARD in der DDR gelandet, wo ähnliche Praktiken
       alltäglich waren, wenn ich auch gestehen muss, dass die
       Stasimänner selten so gut aussahen, wie der coole Kommissar.
       Natürlich findet Falcke den Beweis für die Verderbtheit der von
       ihm Vertriebenen. Ein Flugblatt, das vermittels einer plumpen
       Fälschung die Autozündelei der Antifa in die Schuhe schieben
       soll. Natürlich fällt Falcke nicht darauf herein. Er hat nämlich
       beste Verbindungen zur Antifa, einer ehrenwerten Truppe, die in
       ihrem Kampf gegen Rechts von der Polizei im Stich gelassen wird,
       was Falcke zu einem seiner häufigen Wutausbrüche verleitet:
       „Denkst Du, mir gefällt das?“.
       Die Antifa, wird dem Zuschauer nachdrücklich klar gemacht, hat
       nichts mit Autobränden zu tun. Wer es noch nicht begriffen hat,
       erfährt es noch mal aus dem schönen Mund von Falckes Assistentin
       (Petra Schmidt-Schaller), deren natürliche Lebendigkeit von der
       Regie zu einer synthetischen Lifestyle-Puppe mit Hirn und
       Hotpants degradiert wurde.
       Am Ende wird der wahre Schurke überführt : Der Ehemann war am
       Tatort und hat seine Frau mit bloßen Händen erstickt, weil er
       ihre ständigen Drogenabstürze nicht mehr ertragen konnte. Macht
       nichts, dass außer diesem ganz und gar unglaubwürdigen
       Geständnis, nichts dafür spricht. Die Gerechtigkeit, wie Falcke
       und seine Gesinnungsgenossen sie verstehen, hat gesiegt. Der
       Feuerteufel darf angesichts so viel heimlicher bürgerlicher
       Verderbtheit noch mal in ein finales Schluchzen ausbrechen, dann
       ist die Schauerstück endlich zu Ende.
       Aber der nächste Tatort mit Falcke droht und wir müssen das
       bezahlen, ob wir wollen, oder nicht.
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