URI:
   DIR Return Create A Forum - Home
       ---------------------------------------------------------
       Station13
  HTML https://station13.createaforum.com
       ---------------------------------------------------------
       *****************************************************
   DIR Return to: Der Islam und die Orks
       *****************************************************
       #Post#: 1255--------------------------------------------------
       Aus und vorbei!
   DIR By: KarlMartell
       Date: March 25, 2013, 1:35 am
       ---------------------------------------------------------
       Eine Sache, die nur schiefgehen konnte, wird nun auch langsam
       von der Presse für schiefgegangen erklärt, die Realität lässt
       sich also für eine Weile totschreiben, aber nicht für immer. Der
       "arabische Frühling" musste so enden, wie er nun endet, weil die
       wenigen Menschen dort, die ein menschliches System errichten
       wollten, von der schieren Masse der Mohammedanisten erdrückt
       werden, so ist das nun mal bei one man one vote. Das liess sich
       aber für jeden vorhersehen, der die Sache damals etwas
       nüchterner betrachtete, doch die Medien waren besoffen vom
       Taumel, Buntland sei auch in Ägypten. Martin Gehlen zieht in der
       Südwestpresse Ulm ein Fazit:
       Die Stimmung ist trüb, die Aussicht düster, die Frühlingsgefühle
       sind verflogen. Ägypten, Tunesien, Libyen und Jemen ringen um
       ihre Zukunft. So euphorisch vor zwei Jahren der Sturz der
       Langzeit-Diktatoren dieser Nationen begann, so unerbittlich sind
       die alten Realitäten wiedergekehrt - allen voran die fatale
       Kombination einer zutiefst autoritären politischen Kultur mit
       einer maroden Wirtschaft, die selbst die simpelsten
       Existenzgrundlagen ihrer Bürger nicht gewährleisten kann.
       In Tunesien und Libyen lungern Zehntausende junger Leute auf der
       Straße herum, im Jemen hungert ein Viertel der Bevölkerung, in
       Ägypten ist die Hälfte der 85 Millionen Einwohner arm. Die
       reichen Schichten der arabischen Welt fühlten sich nie sozial
       verantwortlich, sieht man von Spendenaktionen an islamischen
       Hochfesten ab. Die systematische Benachteiligung der Frauen
       sucht mittlerweile weltweit ihresgleichen. Die Staatshaushalte
       brechen unter der Last der seit Jahrzehnten gewachsenen
       Subventionssysteme für Benzin, Brot und Strom zusammen.
       Tragfähige Konzepte für eine moderne Sozial- und dynamische
       Wirtschaftspolitik gibt es nicht. Stattdessen werden die total
       überfüllten Ränge der Staatsbürokratie immer noch weiter
       aufgefüllt. In Ägypten hängen 25 Prozent der Bevölkerung an
       mager bezahlten Staatsjobs, deren Inhaber den Gutteil des Tages
       mit Zeitunglesen und Teetrinken totschlagen. Im ölverwöhnten
       Libyen sind es 80 Prozent, Tunesien liegt irgendwo dazwischen.
       Am weitesten ist der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung in
       Ägypten fortgeschritten, der mit Abstand größten Nation der
       arabischen Welt. Tunesien schwankt ebenfalls gefährlich, der
       Verfassungsprozess ist blockiert, die Wirtschaft stolpert, die
       Verzweiflung wächst. In Libyen liegt politisch alles brach. Das
       Parlament tritt überhaupt nicht mehr zusammen, seit
       waffenstarrende Rebellen die Abgeordneten öffentlich und
       ungeniert bedrohten. Und der Jemen, das einzige Land des
       Arabischen Frühlings mit einem vertraglich organisierten
       Machtverzicht seines alten Autokraten, hat sich einen Nationalen
       Dialog verordnet, der als letzte Chance gilt, die nach allen
       Seiten auseinanderbrechende Nation doch noch zusammenzuhalten.
       Gleichzeitig werden alle Völker geschüttelt von einem immer
       heftiger ausgefochtenen Kampf um die künftige Rolle des
       politischen Islam. In Ägypten und Tunesien haben die
       Muslimbrüder imposante Wahlsiege eingefahren. In Libyen und
       Jemen sitzen Islamisten erstmals seit Jahrzehnten mit am
       Kabinettstisch. Stabile politische Landschaften aber müssen sich
       erst noch entwickeln. Bislang ist alles so blass und
       konturenarm, dass die althergebrachte, autoritäre Machtkultur
       weiter dominiert. Denn für Potentaten des Nahen Ostens war
       Machtbesitz immer nur ein Nullsummenspiel. Wer am Drücker ist,
       quetscht den anderen so hart er kann an die Wand. Kompromisse
       oder Rücksicht auf berechtigte Interessen Andersdenkender gab es
       nicht, ganz zu schweigen von wirklichem Minderheitenschutz oder
       Machtverzicht zugunsten des Gemeinwohls.
       Ähnlich nun die neuen frommen Herren. Sie wollen nicht
       begreifen, dass ihre Auftaktsiege sie nicht legitimieren, ihre
       Macht in jeden Winkel auszudehnen und selbst die künftigen
       Verfassungen nach eigenem Gutdünken zurechtzuschustern. Die
       säkulare Opposition ist desorganisiert und zerstritten, fühlt
       sich ausgegrenzt und abgewürgt. Sie befürchtet jedoch zu Recht,
       dass für die islamistischen Machteliten ein demokratischer
       Wechsel bald genauso ausgeschlossen sein könnte, wie für ihre
       per Volksaufstand entthronten Vorgänger. Dann wäre der Arabische
       Frühling wohl endgültig beendet.
  HTML http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/LEITARTIKEL-ARABISCHER-FRUeHLING-Warten-auf-den-Wandel;art4306,1916719
       *****************************************************
       Page 1 of 1