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       #Post#: 323--------------------------------------------------
       Die Hexer von Terminal 3
   DIR By: Ben
       Date: June 18, 2012, 7:46 am
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       Die Hexer von Terminal 3
       GLOBAL VILLAGE: Dubais Flughafenpolizei hat den Kampf
       gegen die schwarze Magie aufgenommen.
       Die beiden Reisenden vom Flug
       Emirates 766 aus Johannesburg
       hatten keine Ahnung, dass schon
       länger ein Fluch auf ihnen lag. So passierten
       sie Mitte Juni arglos und vorschriftsmäßig
       Passkontrolle, Iris-Check
       und Visa-Ausgabestelle im Internationalen
       Flughafen Dubai. Erst als ihre Rollkoffer
       sich, kurz vor dem Ausgang von
       Terminal 3, aus dem letzten Durchleuchtungsapparat
       her ausschoben, bat die Zollbeamtin
       sie zur Seite und ordnete eine
       manuelle Nachuntersuchung an.
       Es war der böse Blick des Dubai-Zolls,
       der ihnen gefolgt war, seit ihr Gepäck
       vor Wochen, bei der letzten
       Dubai-Reise, unbemerkt
       in der Transitzone
       durchleuchtet worden war,
       mit Geräten deutscher Produktion,
       und man kleine
       Mengen von Zutaten für
       schwarze Magie ausgemacht
       hatte – für den privaten
       Gebrauch, gewiss,
       doch standen die beiden
       seit damals auf der Beobachtungsliste
       des Zolls von
       Dubai, unentrinnbar, wo
       sie auch waren.
       Die zweite Untersuchung
       lohnte sich: „Die
       Inspektoren fanden eine
       große Menge an Wicca-Literatur,
       Talismanen und
       Gegenständen, die gewöhnlich
       bei Hexerei und Zauberei
       Verwendung finden“,
       konnte Ali al-Maghawi bekanntgeben,
       der oberste
       Zolldirektor am Flughafen. Die Aussage
       der beiden Männer, Handelsreisende der
       Firma Alhaj Syed Naqibul Ameen Qasmi
       aus Ostindien zu sein, ließ Maghawi nicht
       gelten.
       Mehr als 1200 Zauber-Accessoires wurden
       bei den beiden sichergestellt, sie
       liegen im Besprechungszimmer des Flughafenzolls.
       Zauberspruchlisten, Hexenpulver,
       Ringe, Messer, Kummerperlen,
       Tinkturen zum Verschwinden- oder Erscheinenlassen,
       Liebestränke und Zutaten
       wie Fingernägel, Ampullen mit Menstruationsblut,
       ein Gazellenfell, ein Schulterknochen,
       Gummiharzpuder, Blätter und
       ein Klebestift der Marke Eko-Stick.
       Und Wicca-Literatur. Ein neuheidnischer,
       von dem Briten Gerald Gardner
       entwickelter Hexenkult, dessen Rituale
       meist unbekleidet durchgeführt werden.
       Man sieht einen Katalog mit Fotos weißer
       Rinder, die nach Zahlung einer Summe
       in Benin oder Orissa oder sonst wo
       geopfert werden könnten. Man sieht Kupferfolien,
       in die winzige Zeichen geritzt
       sind, Botschaften an den Satan, wie sich
       schnell in der Zollabteilung herumsprach,
       weshalb Mitarbeiter – je nach Konfes -
       sion – sich bekreuzigten oder nach der
       Gebetskette griffen, wenn sie an der Asservatenkammer
       vorbeigingen.
       „Krank“ sei das alles, sagt der zuständige
       Beamte. Und zeigt auf einen Flüssigkeitsspender
       neben dem Raum: „Sie
       können sich jetzt die Hände desinfizieren.“
       Man kann nie wissen.
       Dieser Vorgang sei, so Ali al-Maghawi,
       eine höchst „gefährliche Erscheinung, die
       die Sicherheit des Gemeinwesens bedroht“.
       Zumal die beiden Hexer von Emirates
       766 keineswegs ein Einzelfall sind.
       Im vergangenen Jahr wurden 92 Schmuggelversuche
       von Zauberzubehör aufgedeckt,
       16 allein im ersten Quartal 2012,
       und man kann sich vorstellen, wie hoch
       die Dunkelziffer liegt.
       Das Phänomen ist in der ganzen Golfregion
       zu beobachten. Dort, wo sehr einfache
       Menschen aus Indien, Pakistan,
       Ostafrika oder den Philippinen auf ihr
       Glück warten. Also überall. Die hiesige
       Aufsichtsbehörde für Islamische Angelegenheiten
       sagt, sie erhalte regelmäßig Anrufe
       von Bürgern, die glauben, verhext
       zu sein, oder Hilfe durch Hexerei erbäten.
       In Bahrain wurde ein Gesetz gegen Zauberei
       und Hexerei verabschiedet.
       Zwei Afrikaner vertrieben in Dubai einen
       Apparat mittlerer Größe, der angeblich
       Geld verdopple. Auch hatten sie vor -
       übergehend Erfolg mit „verhextem Geld“,
       schwarzen Papierzetteln, auf denen Dollarzeichen
       gedruckt waren. Sie sammelten
       Geld ein für ein Pulver, das den Fluch
       lösen würde. Die Männer wurden nach
       einer Undercover-Operation festgenommen,
       das Zauberpulver ließ
       sich als Weizenmehl identifizieren.
       Im Emirat Schardscha
       versprach ein arabischer
       Medizinmann, mit der Beschaffung
       von Ehemännern
       behilflich zu sein. Einen
       Tag später begann in Dubai
       ein Prozess gegen einen
       Mann aus dem Tschad, der
       angekündigt hatte, 250 Millionen
       Dollar vom Himmel
       regnen zu lassen.
       Hexer werden in den
       Emiraten als Betrüger mit
       Gefängnis bis zu einem
       Jahr bestraft. Die sichergestellten
       Zauberartikel lässt
       man, ähnlich wie Drogen,
       in speziellen, der schwarzen
       Magie vorbehaltenen
       Behältern verbrennen.
       Dogmatisch schwierig ist
       die Haltung zur Zauberei,
       weil auch in der islamischen Tradition
       von Dschinn die Rede ist, bösen Geistern,
       die man im Zweifel austreiben muss. Unter
       den konfiszierten Magie-Artikeln von
       Flug 766 fand sich unter anderem eine
       Schrift über den Propheten Suleiman. Im
       Nachbarland Saudi-Arabien werden überführte
       Hexer geköpft, sicherheitshalber.
       Traurig sei, so Zolldirektor Maghawi,
       dass vor allem der Aberglaube von Armen
       ausgenutzt werde. Sie glauben, dass
       sich Geld in Dubai wundersam vermehre,
       geben ihr Erspartes windigen Gestalten,
       die von sagenhaften Immobiliengewinnen
       raunen, von Fonds und Bonds und
       tollen Jobs, und plötzlich macht es
       plopp – und alles war nur fauler Zauber.
       ALEXANDER SMOLTCZYK
       DER SPIEGEL 25/2012 S. 100
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