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       Salman Rushdie wird 65
   DIR By: Ben
       Date: June 18, 2012, 5:53 am
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       «Ich bin Migrant» - Der Autor Salman Rushdie wird 65
       Die Todesdrohung für sein Buch «Die satanischen Verse» hat
       Salman Rushdie geprägt. Zwar sieht er die Kontroverse inzwischen
       gelassener, aber sie lässt ihn nicht los. An diesem Dienstag
       wird der umstrittene indischstämmige Literat mit britischem Pass
       65 Jahre alt.
       Neu Delhi (dpa) - Als Salman Rushdie vor fast einem
       Vierteljahrhundert seinen Roman «Die satanischen Verse»
       vorlegte, mag er die nachhaltigen Folgen für sein Leben nicht
       geahnt haben. Schon kurz nach der Veröffentlichung im Jahr 1988
       erhob sich in der muslimischen Welt ein Sturm der Entrüstung.
       Viele Gläubige fühlten sich durch satirische Textstellen über
       den Propheten Mohammed verletzt. Der Zorn wuchs, bis Irans
       Revolutionsführer Ajatollah Khomeini schließlich wenige Monate
       später ein «Todesurteil» gegen den Schriftsteller verhängte und
       ein Kopfgeld in Millionenhöhe aussetzte.
       Für den 1947 in der indischen Hafenstadt Bombay (heute Mumbai)
       als Sohn eines muslimischen Geschäftsmannes geborenen Rushdie
       begann damit eine Zeit des Versteckspiels. Öffentlich zeigte er
       sich - wenn überhaupt - nur unter massivem Polizeischutz. Zwei
       Übersetzer und der norwegische Verleger seines umstrittenen
       Buches wurden angegriffen. Der Autor selbst lebte fast zehn
       Jahre lang mit der Todesdrohung. Am Dienstag (19. Juni) feiert
       Rushdie nun seinen 65. Geburtstag.
       Heute kann sich Rushdie wieder frei und fast ungehindert in der
       Welt bewegen. Unlängst scherzte er bei einem Literaturfestival
       in Wales gar über die damalige Wirkung der «Satanischen Verse»
       auf radikale Kleriker wie Khomeini und deren Anhänger. «Es war
       nicht das erste Mal, dass sie nicht mochten, was ich geschrieben
       hatte, aber das erste Mal, dass sie versuchten, mich dafür zu
       töten.» Dabei habe er das Buch gar nicht für die «Mullahs»
       geschrieben.
       Ungeachtet dessen holen den überzeugten Atheisten, der seit 1964
       britischer Staatsbürger ist, die Schatten der Vergangenheit
       immer wieder ein. Erst im Januar musste er nach Protesten
       muslimischer Gruppen seine Teilnahme am wichtigsten
       Literaturfestival Südasiens im indischen Jaipur absagen. Der
       Rektor der einflussreichen islamischen Hochschule
       Darul-Uloom-Deoband hatte zuvor erklärt, ein Besuch würde «Salz
       in die Wunden der Muslime» reiben. Zudem drohte er mit
       «Konsequenzen», sollte Rushdie dennoch ins Land kommen.
       Die indische Regierung schwieg - und war wohl froh, dass Rushdie
       letztlich selbst einen Rückzieher machte. Das Thema ist heikel,
       14 Prozent der indischen Milliardenbevölkerung sind Muslime. So
       war Indien auch das erste Land, das «Die satanischen Verse»
       verbot.
       Wenige Wochen nach der Jaipur-Kontroverse reiste der Autor dann
       doch in sein Geburtsland, um an einem Symposium der Zeitschrift
       «India Today» teilzunehmen. Aber wieder gab es Ärger. Diesmal
       sagte der frühere pakistanische Kricketspieler und Neu-Politiker
       Imran Khan aus Protest gegen Rushdie sein eigenes Kommen ab. Er
       wolle nicht mit jemandem gesehen werden, der den Muslimen
       «unvorstellbare Schmerzen» zugefügt habe, erklärte Khan. Rushdie
       nahm es gelassen und befand: Fanatiker fügten dem Islam den
       größten Schaden zu, nicht seine Werke.
       Der literarische Durchbruch war ihm bereits 1981 mit seinem
       Roman «Mitternachtskinder» gelungen. Für die Geschichte über
       eine Familie während der Unabhängigkeitswirren auf dem indischen
       Subkontinent erhielt er den renommierten Booker-Preis. Es
       folgten weitere Werke wie «Des Mauren letzter Seufzer» (1995)
       oder «Shalimar der Narr» (2005), in denen Rushdie Bezug auf sein
       Geburtsland nimmt.
       Wichtig ist für den Autor, der auf vier gescheiterte Ehen
       zurückblickt, auch die Auseinandersetzung mit der Existenz
       zwischen den Kulturen. «Wir leben im Zeitalter der Migration»,
       sagte Rushdie kürzlich. «Ich selbst bin Migrant.» Heute lebten
       mehr Menschen in Ländern, in denen sie nicht geboren sind als
       jemals zuvor. «Das Ende der Monokultur ist das Phänomen unserer
       Generation.» Die Kultur in den Metropolen der Welt sei
       «pluralisiert, vermischt, vielfältig».
       Gleichzeitig berge diese Entwicklung aber auch Probleme. «Die
       eigenen Wurzeln sind der Ort, den man kennt, die Gemeinschaft,
       aus der man kommt, die Sprache, die man spricht, und die
       Weltanschauung, mit der man aufwächst», erklärte Rushdie.
       Migranten verlören oftmals alle diese Fixpunkte, was für sie
       traumatisch sein könne. Die Frage sei daher, wie viel man von
       der neuen Welt in sich aufnehmen, wie viel aus der alten weiter
       in sich tragen solle. Einen Teil der Antwort gibt der Weltbürger
       Salman Rushdie in seinen Büchern.
  HTML http://www.europeonline-magazine.eu/ich-bin-migrant---der-autor-salman-rushdie-wird-65_217123.html
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