DIR Return Create A Forum - Home
---------------------------------------------------------
Station13
HTML https://station13.createaforum.com
---------------------------------------------------------
*****************************************************
DIR Return to: Artikel aus der Presse
*****************************************************
#Post#: 322--------------------------------------------------
Salman Rushdie wird 65
DIR By: Ben
Date: June 18, 2012, 5:53 am
---------------------------------------------------------
«Ich bin Migrant» - Der Autor Salman Rushdie wird 65
Die Todesdrohung für sein Buch «Die satanischen Verse» hat
Salman Rushdie geprägt. Zwar sieht er die Kontroverse inzwischen
gelassener, aber sie lässt ihn nicht los. An diesem Dienstag
wird der umstrittene indischstämmige Literat mit britischem Pass
65 Jahre alt.
Neu Delhi (dpa) - Als Salman Rushdie vor fast einem
Vierteljahrhundert seinen Roman «Die satanischen Verse»
vorlegte, mag er die nachhaltigen Folgen für sein Leben nicht
geahnt haben. Schon kurz nach der Veröffentlichung im Jahr 1988
erhob sich in der muslimischen Welt ein Sturm der Entrüstung.
Viele Gläubige fühlten sich durch satirische Textstellen über
den Propheten Mohammed verletzt. Der Zorn wuchs, bis Irans
Revolutionsführer Ajatollah Khomeini schließlich wenige Monate
später ein «Todesurteil» gegen den Schriftsteller verhängte und
ein Kopfgeld in Millionenhöhe aussetzte.
Für den 1947 in der indischen Hafenstadt Bombay (heute Mumbai)
als Sohn eines muslimischen Geschäftsmannes geborenen Rushdie
begann damit eine Zeit des Versteckspiels. Öffentlich zeigte er
sich - wenn überhaupt - nur unter massivem Polizeischutz. Zwei
Übersetzer und der norwegische Verleger seines umstrittenen
Buches wurden angegriffen. Der Autor selbst lebte fast zehn
Jahre lang mit der Todesdrohung. Am Dienstag (19. Juni) feiert
Rushdie nun seinen 65. Geburtstag.
Heute kann sich Rushdie wieder frei und fast ungehindert in der
Welt bewegen. Unlängst scherzte er bei einem Literaturfestival
in Wales gar über die damalige Wirkung der «Satanischen Verse»
auf radikale Kleriker wie Khomeini und deren Anhänger. «Es war
nicht das erste Mal, dass sie nicht mochten, was ich geschrieben
hatte, aber das erste Mal, dass sie versuchten, mich dafür zu
töten.» Dabei habe er das Buch gar nicht für die «Mullahs»
geschrieben.
Ungeachtet dessen holen den überzeugten Atheisten, der seit 1964
britischer Staatsbürger ist, die Schatten der Vergangenheit
immer wieder ein. Erst im Januar musste er nach Protesten
muslimischer Gruppen seine Teilnahme am wichtigsten
Literaturfestival Südasiens im indischen Jaipur absagen. Der
Rektor der einflussreichen islamischen Hochschule
Darul-Uloom-Deoband hatte zuvor erklärt, ein Besuch würde «Salz
in die Wunden der Muslime» reiben. Zudem drohte er mit
«Konsequenzen», sollte Rushdie dennoch ins Land kommen.
Die indische Regierung schwieg - und war wohl froh, dass Rushdie
letztlich selbst einen Rückzieher machte. Das Thema ist heikel,
14 Prozent der indischen Milliardenbevölkerung sind Muslime. So
war Indien auch das erste Land, das «Die satanischen Verse»
verbot.
Wenige Wochen nach der Jaipur-Kontroverse reiste der Autor dann
doch in sein Geburtsland, um an einem Symposium der Zeitschrift
«India Today» teilzunehmen. Aber wieder gab es Ärger. Diesmal
sagte der frühere pakistanische Kricketspieler und Neu-Politiker
Imran Khan aus Protest gegen Rushdie sein eigenes Kommen ab. Er
wolle nicht mit jemandem gesehen werden, der den Muslimen
«unvorstellbare Schmerzen» zugefügt habe, erklärte Khan. Rushdie
nahm es gelassen und befand: Fanatiker fügten dem Islam den
größten Schaden zu, nicht seine Werke.
Der literarische Durchbruch war ihm bereits 1981 mit seinem
Roman «Mitternachtskinder» gelungen. Für die Geschichte über
eine Familie während der Unabhängigkeitswirren auf dem indischen
Subkontinent erhielt er den renommierten Booker-Preis. Es
folgten weitere Werke wie «Des Mauren letzter Seufzer» (1995)
oder «Shalimar der Narr» (2005), in denen Rushdie Bezug auf sein
Geburtsland nimmt.
Wichtig ist für den Autor, der auf vier gescheiterte Ehen
zurückblickt, auch die Auseinandersetzung mit der Existenz
zwischen den Kulturen. «Wir leben im Zeitalter der Migration»,
sagte Rushdie kürzlich. «Ich selbst bin Migrant.» Heute lebten
mehr Menschen in Ländern, in denen sie nicht geboren sind als
jemals zuvor. «Das Ende der Monokultur ist das Phänomen unserer
Generation.» Die Kultur in den Metropolen der Welt sei
«pluralisiert, vermischt, vielfältig».
Gleichzeitig berge diese Entwicklung aber auch Probleme. «Die
eigenen Wurzeln sind der Ort, den man kennt, die Gemeinschaft,
aus der man kommt, die Sprache, die man spricht, und die
Weltanschauung, mit der man aufwächst», erklärte Rushdie.
Migranten verlören oftmals alle diese Fixpunkte, was für sie
traumatisch sein könne. Die Frage sei daher, wie viel man von
der neuen Welt in sich aufnehmen, wie viel aus der alten weiter
in sich tragen solle. Einen Teil der Antwort gibt der Weltbürger
Salman Rushdie in seinen Büchern.
HTML http://www.europeonline-magazine.eu/ich-bin-migrant---der-autor-salman-rushdie-wird-65_217123.html
*****************************************************
Page 1 of 1