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#Post#: 313--------------------------------------------------
Gefühlt wie Brüder
DIR By: Ben
Date: June 17, 2012, 5:16 am
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Gefühlt wie Brüder
Kevin Zdiara
Anfang Juni 2009 sagte der oberste islamische Richter der
Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Scheich Taysir Tamimi
im offiziellen Fernsehen der PA:
„Bezüglich der Juden sagt der Heilige Koran, dass ihnen das
Wissen fehlt, sie keine Weisheit besitzen, nichts wissen,
Vereinbarungen brechen, usw. Die Juden sind jedoch dafür bekannt
– und man wusste das durch die ganze Geschichte hindurch –, dass
sie falsche Behauptungen aufstellen, lügen, fälschen, verleumden
und Dinge frei erfinden, nur um ihre Aggression, ihren Landraub,
die Schändung heiliger Stätten, die Aneignung von Land, die
Zerstörung von Häusern, den Mord an Kindern, Frauen und alten
Menschen zu rechtfertigen.“
Wenige Tage darauf, am 9. Juli, stand Albrecht Schröter,
Oberbürgermeister von Jena, zusammen mit Tamimi in der ersten
Reihe einer Demonstration gegen den israelischen Sperrwall in
der Nähe der palästinensischen Stadt Beit Jala.
Die Zeitung Südwest Presse berichtete am 16. November 2009 über
einen Vortrag von Schröter, in dem er auch über diesen
Protestmarsch sprach: „Schröter engagiert sich wegen dieser
Mauer im nahe gelegenen Beit Jala, wo er im Sommer an einer von
der Abrahams Herberg initiierten Demonstration teilnahm.
Zusammen mit dem muslimischen Großmufti der Palästinensischen
Autonomiegebiete Tamimi, wie Schröter betonte. „Wir haben uns
bei der Demonstration eingehakt und wir haben uns gefühlt wie
Brüder. Es geht.“
Albrecht Schröter, der in Dresden Demonstrationen von Neo-Nazis
blockiert, hatte offenbar kein Problem damit, sich mit
überzeugten Antisemiten wie Tamimi zu verbrüdern, solange es
gegen Israel geht.
Im Mai 2012 unterzeichnete Schröter einen Boykottaufruf von Pax
Christi, der u.a. vom Autor dieses Textes kritisiert wurde.
Diese Kritik wurde von der Jerusalem Post, der Jüdischen
Allgemeinen und anderen Medien aufgegriffen.
Am 10. Juni verabschiedeten Bodo Ramelow (Fraktionsvorsitzender
der LINKEN im Thüringer Landtag), Reinhard Schramm
(stellvertretender Vorsitzender der jüdischen Landesgemeinde in
Thüringen), Martin Borowsky (Vorsitzender der
Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Erfurt) und Albrecht
Schröter eine gemeinsame Erklärung.
Martin Borowsky erklärte hierin im Namen der DIG Erfurt, „dass
die Sachfragen überlagert worden seien von persönlichen
Diffamierungen und Angriffen auf die Person des
Oberbürgermeisters Schröter. Die DIG distanziere sich davon in
aller Form und sei der Auffassung, dass die Gemeinsamkeiten
zwischen ihr und Albrecht Schröter stärker als bisher in den
Vordergrund gestellt werden sollten.“
Schröter sah sich durch einen Artikel in der Jerusalem Post vom
30. Mai als „Antisemit verunglimpft“, wie er in einer
Stellungnahme schrieb. Doch eine genaue Lektüre des Artikels
zeigt, dass weder der Journalist Schröter als solchen bezeichnet
noch einer der im Artikel zitierten Schröter-Kritiker. Der
Artikel war überschrieben mit „NGOs: German mayor’s Israel
boycott anti-Semitic“. Da es sich also auf den Boykottaufruf und
nicht auf Schröter bezog, handelte es sich um die in der
gemeinsamen Erklärung angesprochenen „Sachfragen“ und nicht um
Angriffe gegen die Person Schröter.
Es war und ist klar, Schröter wollte mit seiner Anschuldigung
Kritiker an seinem Verhalten mit einer umgekehrten
„Antisemitismus-Keule“ mundtot machen.
Auch in der weiteren Debatte um Schröters Unterstützung dieses
einseitigen Aufrufs ist kein Beitrag bekannt, in dem Schröter
diffamiert wurde. Eine Diffamierung ist das gezielte Verbreiten
von Gerüchten, um jemandem zu schaden. Es wurden keine Gerüchte
verbreitete, sondern auf Fakten hingewiesen. Das waren zum einen
die erwähnte Unterschrift, zum anderen dokumentierte
anti-israelische Aussagen und Aktionen von Schröter.
Aus den letzten beiden Gründen erscheint es auch unverständlich,
wie es zwischen einer Organisation, die sich der Freundschaft
mit Israel verschrieben hat und dem wachsenden anti-israelischen
Antisemitismus entgegen wirken möchte, und Albrecht Schröter
Gemeinsamkeiten geben kann.
Albrecht Schröter hat sich um den Kampf gegen Rechts verdient
gemacht. Das ist aber hinsichtlich des Verhältnisses zum
jüdischen Staat nicht von Belang. Er bezeichnet sich als „Freund
Israels“, doch man findet außer seiner Behauptung keine
Zeugnisse, die dies bestätigen würden.
Was aber eine kurze Recherche im Internet zutage fördert, ist
eine Haltung, die Israel diffamiert und dämonisiert: So hat
Schröter während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister
mindestens zweimal (2008 und 2009) an eindeutig gegen Israel
gerichteten Demonstrationen in Beit Jala teilgenommen (übrigens
nahm er in seiner Funktion als Oberbürgermeister daran teil); er
hat bei der Friedenswoche in Metzingen 2009 den israelischen
Sicherheitswall mit der Berliner Mauer verglichen, ohne auch nur
ein Wort über die durch Scharfschützen und Selbstmordattentate
ermordeten Israelis zu verlieren; er hat 2010 an einer Konferenz
teilgenommen, deren Ziel u.a. ein Dialog mit der antisemitischen
Hamas war, wo er ebenfalls kein Wort über den Raketenbeschuss
gegen Israel verlor; und nun hat er einen Boykottaufruf
unterschrieben, der sich wiederum ausschließlich gegen Israel
richtet.
Wer ernsthaft dem Hass gegen Israel entgegen treten möchte, wer
sich aufrichtig gegen jede Form von Antisemitismus engagieren
will, egal ob in Deutschland oder im Westjordanland, der hat in
Albrecht Schröter keinen Partner.
HTML http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/gefuehlt_wie_brueder/
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